Mit „Dressed Up For The Letdown“ zeigt sich Richard
Swift als geübter Romantiker, der sich in seiner Rolle aber nicht
wirklich wohl zu scheinen fühlt.
Schon jetzt ein gescheiterter Star? Richard Swift scheint den passenden Namen, eine romantische Stimme und ein Gefühl für wunderschöne arrangierte Popmusik zu haben. Aber etwas stimmt an diesem Bild nicht... wenn er mit zu vielen Ballonen und Poncho in einem undefinierbaren Gebirge und auf dem Cover seiner dritten Scheibe steht.
So fängt auch die neue Platte mit ineinander gehendem Geklimper und Getrommel an, dazu kommt die müde Stimme von Swift. Sein „It’s time for the show“ hört sich nach dem späten Elvis an, der den letzten Auftritt vor Augen hat.
Als dann aber ein plötzliches und furchtbar fröhliches Trompetenspiel den Song beschliesst, glaubt man wirklich, sich gerade in der Kabine eines Stars zu befinden, wo sich Emotionen überschlagen: alles ist einsam und draussen wartet die grölende Menge.
Auf einmal steht er auf die Bühne. Das Schlagzeug gibt den Ton an, differenziert und frech ist die Stimme, irgendwo zwischen Wainwright und Costello, und die Musik vergleichbar mit Sexsmith und Bacharach. „I feel alive, I feel alive / Like I could live for the first time“ meint er trotzig und gibt den Entertainer.
So klatscht und weint man mit, seine Ironie ist sehr treffend, seine Trauer offensichtlich und seine Einfälle ziemlich eindrücklich.
So driftet Swift von leisen, meist mit Piano unterlegten Stücken wie „Ballad Of You Know Who“ (die knorzigen Streicher sind köstlich), zu jazzigen Popopern wie „P.S It All Falls Down“ und vereint beides zum hitverdächtigen „Kisses For The Misses“.
In „Artist & Repertoire“ wird mit „Sorry Mr. Swift...“ erklärt, dass seine Musik im Radio nichts zu suchen hat und dass er nebenbei auch zu fett ist, ein düsterer Einblick ins Künstlerleben zwischen Scheinwerfer und Einsamkeit. Und so verschwindet er bei „The Opening Band“ wieder zurück in die Katakomben und macht einen unrühmlichen Vergleich mit Johannes dem Täufer und sich selbst: „he was strange, but was nice“.
Was bleibt sind die Gedanken zum nächsten Auftritt, zur nächsten Platte (ja, gern!): „I wish I was dead/ Most of the time/ But I don’t really mean it, no“ korrigiert sich Swift beim wundervollen „The Million Dollar Baby“ (mit einem Gitarrensolo!) gerade selbst. Er weiss nicht, wo er steht und scheint für alles bereit. Ideal für die nächste Überraschungsparty!
Seit 7. September 2007 im Handel.
Anspieltipps: Kisses For The Misses, The Million Dollar Baby
Trackliste: 1) Dressed Up For The Letdown; 2) The Songs Of National Freedom; 3) Most Of What I Know; 4) Buildings In America; 5) Artists & Repertoire; 6) Kisses For The Misses 7) P.S. It All Falls Down 8) Ballad Of You Know Who; 9) The Million Dollar Baby; 10) The Opening Band
similar artists: Elvis Costello, Van Dyke Parks, Rufus Wainwright, Burt Bacharach, Ron Sexsmith, Ben Folds, Joe Jackson, Paul McCartney, Jens Lekman
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Bio:
Richard Swift aus Kalifornien, gelernter Keyboarder bei Starflyer 59, ist seit wenigen Jahren mit seinen Popsongs, die auch gerne bis ins Ambient abtauchen können, unterwegs. Er produziert seine Alben selbst und lässt nur wenige Gastmusiker mitspielen. Dank dem Deal mit Secretly Canadian wurden die alten Alben im Doppelpack wiederveröffentlicht und eine Tour mit Wilco ermöglicht.