Rise Against sind eine amerikanische Band. Kein Zweifel. Es wäre nur
gut, wenn mehr amerikanische Bands solche Songs schreiben würden.
Es gibt immer einen Gegner. George W. Bush ist zwar weg und damit der gemeinsame Nenner einer punkgewordenen Anti-Regierungsbewegung. Aber Obama ist eben auch kein Messias. Tim McIlrath singt nicht gegen Obama, aber auch nicht für die Regierung. Die Katastrophe in New Orleans, Homophobie oder Internet-Mobbing: Rise Against finden immer eine Hymne, um Themen auf den Punkt zu bringen, die manchmal reisserisch sind, manchmal aber auch mutig. Während andere in der „Ich bin dagegen“-Attitüde zu sehr aufgehen, bis sie selbst aufgeblasen wirken und wie ein Ballon fern ab der Bodenhaftung schweben, benutzt die Band aus Chicago einfache Bilder, um echte Beobachtungen ans Publikum zu bringen. Da verwirrt die amerikanische Flagge auf dem Cover nur und vielleicht ist dies der einzige Schwachpunkt in der Denkweise dieses Albums. McIlrath ist kein intellektueller Texter, der in seinen Worten stets einen Zeigefinger unterbringt. Er ist Vermittler einer Perspektive. Meist einer anderen, einer neuen. Ein Gefühlsmensch halt – mit Wut im Bauch. Und Rise Against sind nicht Bad Religion. Nicht intellektuell zu schreiben heisst aber nicht, banale oder platte Bilder zu verwenden. Dinge mit einfachen Worten hochstehend aufzuzeigen, ist oft schwieriger, als sich mit abstrakten, kryptischen Metaphern aus der Patsche zu helfen.
Rise Against machen eigentlich alles das richtig, was ins Stadion zum Mitsingen passt, ohne dabei Gefahr zu laufen, Linkin Park oder Nickelback mit einzuladen. Der Kinderchor in „Make it Stop (September’s Children)“ mag nicht neu sein, der Beginn eher an Green Day erinnern – wenn man aber den Hintergrund des Songs kennt, dann macht es einen Unterschied. Rise Against als zuverlässig rollende Hitmaschine zu unterschätzen, wäre schlicht falsch. Sich in den Vereinigten Staaten für Homosexualität einzusetzen, bringt einem nicht nur Beifall, ist aber bitternötig. „From a nation under God“, singt McIlrath und fragt vorher: „What God would damn a heart?“. Mit seinen beiden Töchtern hat er andere Sorgen: Die neuen Technologien, die einen per Mausklick zum Freund oder Feind machen. Vielleicht sieht er diese Dinge pauschal zu düster, aber er setzt sich für die Minderheiten ein, welche tatsächlich Düsterheit erleben. Die Waisen des amerikanischen Traums. Ach ja, und das Zeugs von wegen Ausverkauf, Stadion-Hits und Major-Label, das auch gerne bei Against Me! diskutiert wird, das ist ja so was von nicht mehr Punk. „Endgame“ ist Punk, der viele Menschen erreicht. Und das ist gut so.
Seit 11. März 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Wait for Me
> Architects
> Satellite
Diskographie:
> The Unraveling (2001)
> Revolutions per Minute (2003)
> Siren Song of the Counter Culture (2004)
> The Sufferer & the Witness (2006)
> Appeal to Reason (2008)
> Endgame (2011)
Ähnliche Künstler:
> Against Me!
> The Gaslight Anthem