Genre: Singer/Songwriter | Label: Atlantic (Warner Music) | Unsere Wertung: 8.0/10
Mel and Collie
Wird man melancholisch, weil man dementsprechende Musik hört, oder hört man derartige Musik, weil man sich genau in disem Zustand befindet?
Als Robert Francis‘ „Darkness“ erste Bekanntschaft mit meinen Ohren gemacht hatte – so muss ich gestehen – war ich auf Anhieb beeindruckt. Eine faszinierende Farbenpracht weitete sich vor meinen Augen aus, als ich im Zug zwischen Montreux und Villeneuve aus dem Fenster blickte. Das gelb-rötlich Gefärbte Sonnenlicht – die Sonne kündigte ihren Abschied an für den Tag – reflektierte im See und die leisen Pianoklänge zu Beginn des erwähnten Liedes sorgten dafür, dass die zeitunglesenden Funktionäre und die Hektik im Zug immer weiter in geistige Abwesenheit rückten.
Als dann die Sonne dem blossen Auge nicht mehr sichtbar war, ertönten die ersten Klänge von „Junebug“ und beförderten meine Eindrücke in zwiespältige Gegenden. Nach einer eher spärlichen Produktion auf seinem Debut „One by One“, ertönte bei mir erst ein Alarmsignal im Bereich der „Überproduktion“. Wollte Francis nun etwa auch, dem Erfolg nachjagend, eine radiofreundlichere Nummer nach der anderen abwerfen?
„Nightfall“ belehrte mich eines besseren und die anfänglich negativeren Eindrücke wichen mit dem gänzlichen Schwinden des Tageslichtes allmählich wieder zurück. Ryan Adams schoss es mir durch die Denkerstube und tatsächlich entwickelt sich bei weiterem Hören eine immer schwieriger zu ignorierende Parallele zu Adams.
Francis fand für seinen Zweitling u.a. Unterstützung bei seiner Schwester, deren Stimme sicherlich eine Bereicherung für dieses Album ist. Das ist vor allem auch gut auf „One by One“ zu hören, dem Titeltrack seines Debutalbums, der hier allerdings in einer leicht veränderten und zwei Minuten kürzeren Version auftritt. Des Weiteren konnte der junge Musiker nebst seiner Schwester auch Ry Cooder für einen kleinen Gastauftritt für sich gewinnen. Freunde von Buena Vista Social Club werden dabei allerdings nicht auf ihre Kosten kommen, gehen sie davon aus, dass Francis und Cooder eine legere Latinonummer spielen.
Robert Francis machte so einiges richtig mit seinem zweiten Album, so auch das Erscheinungsdatum im Herbst. Falls Robin Proper-Sheppard von
Sophia richtig lag mit „People Are Like Seasons“, dann sollte man für „Before Nightfall“ ohne jeglichen Zweifel bereit sein.
Seit 20. Oktober 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Darkness
> Nightfall
> One by One
> Hallways
Diskographie:
> One by One (2007)
> Before Nightfall (2009)
Ähnliche Künstler:
> Ryan Adams
> Jackie Greene
> Matthew Barber
> Will Dailey