Mit zehn Jahren spielte er in einer Band namens „Destroyers“, die sich getreu ihren Vorbildern „Kiss“ schwarz-weiss schminkten und ordentlich rockten. Glücklicherweise nervte der junge Drummer seine Eltern mit dem ewigen Getrommele ziemlich bald und so lernte er autodidaktisch Trompete, Gitarre und Klavier zu spielen. „Glücklicherweise“, weil er so nicht in der überbesetzten Riege nordischer Hardrocker verloren ging und sein Album „Robert Post“ zu den positiven Erscheinungen des bisherigen Musikjahres gezählt werden darf. Der musikalisch begabte und interessierte Robert entpuppte sich nämlich als waschechter Singer/Songwriter mit künstlerisch wertvollen Gegensätzen vom Schmusebarden bis zum Punkrocker.
„There`s One Thing“ macht den Anfang und überzeugt als ehrlicher Selfmade-Folk. Vielleicht eine Spur zu poppig, aber allemal ein leichtes Hörvergnügen, dem sich die in Norwegen bekannte Single „Got None“ nahtlos anschliesst. „Silence Makes Him Sick“, dritter Track und erstes Highlight, ist ein bisschen Südstaaten-Rock, ein bisschen Britpop. Erstmals erhält der verspielte, eher harmlose Poprock aus den ersten beiden Tracks ein ernsthafteres Gesicht und erinnert sich in einer (dezent) härteren Gangart an die brachialen Töne der Jugend. Post(!)wendend folgt mit „High Tide“ ein bedächtiges Stück und wahres Kunstwerk, da unsäglich gelangweilt gesungen und doch tief berührend.
Robert bewegt sich mit einer erstaunlichen Souveränität zwischen britisch-rotzigem Indie-Rock und naivem Folk-Pop, spielt eine sehr authentische Musik und neigt manchmal sogar zu ekstatischen Intermezzos und überbordenden Schlussspurts („Big Boat“), um kurz danach wieder als wehmütiger Kastrat („Come Home“) aufzutreten.
Robert Post legt mit seinem gleichnamigen Debüt ein abwechslungsreiches und detailliertes Werk vor, auf dem es manch’ schöne Lyrics, Melodien und Bridges zu entdecken gibt. Gespannt darf man auch sein, ob sich hier ein künftiger Star zum ersten Mal vorgestellt hat, oder ob Post ein Insidertipp bleiben wird. Fest steht, dass man von einem Musiker, der mit seiner ersten Scheibe bereits ein derart routiniertes Werk abgeliefert hat, noch viel erwarten kann.
Seit 25. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: Silence Makes Him Sick; Big Boat
Trackliste: 1) There`s One Thing; 2) Got None; 3) Silence Makes Him Sick; 4) High Tide; 5) More & More; 6) Big Boat; 7) New Born; 8) Everything Is Fine; 9) Ocean & A Teat; 10) Come Home
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Bio:
Geboren in einem winzigkleinen und riesenkalten Dorf im Westen Norwegens wuchs Robert Post in einer eher ereignislosen Gegend auf. Da er bis zu seinem achten Lebensjahr nie einen Fernseher sah, musste er der Langeweile mit jenen Mitteln entgegenwirken, die sich gerade boten. Zufälligerweise verfügte sein Elternhaus über einen erstaunlichen Fundus an Instrumenten, welcher er sich annahm und sich bald als talentiert herausstellte. Dadurch motiviert, die Mädchen beeindrucken zu wollen, startete er früh als Songwriter und spielte mit zehn in der Hardrock-Band „Destroyers“ und nahm mit fünfzehn ein Grunge-Album auf.
Später, zu einer Zeit, als seine Musikerkarriere nirgends hin zu führen schien, hatte er eine Reihe von verschiedenen Jobs, darunter auch Taxifahrer.
Mehr oder minder zufällig landete einst ein hohes Tier der englischen Musikindustrie als Fahrgast auf seiner Rückbank und wurde sogleich mit einem handgefertigten Demotape zugedröhnt. Den Rest der Geschichte könnt ihr euch denken, wenn wir heute über seine CD schreiben…