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Ron Sexsmith - Long Player Late Bloomer

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von Philippe Feer am Samstag, 26. Februar 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Pop, Singer/Songwriter  |  Label: Cooking Vinyl (Phonag)  |  Unsere Wertung: 4.5/10

Long Player Late BloomerSpätsünder
Als Zusammenfassung für die Karriere von Ron Sexsmith trifft der Titel „Long Player Late Bloomer“ den Nagel ganz genau auf den Kopf. Nur spürt selbst der geübte Hörer erst im zweiten Augenblick auch eine Gefahr darin:  wenn der gute Sexsmith nämlich den Bloomer in sich zu ernst nimmt und ihn ausbrechen lässt.

Wenn ich an die Musik von Ron Sexmsith denke, dann höre ich die ersten Worte des Songs „Hard Bargain“ auf dem bisher erfolgreichsten und wohl auch besten seiner zahlreichen Alben „Retriever“: „I'm a bit rundown, but I'm okay...“ Wundervoll arrangiert und selbst  in den ruhigsten Momenten melodiös und berührend. Der Zauber seiner Musik liegt darin, dass man die Songs des nicht nur äusserlich verschupften wirkenden Mannes, jederzeit abnimmt, voller Liebe und Schönheit stehen sie für das vermeintliche naive Produkt eines genialen, tief greifenden Popmusikers.

Und so machte mir nie Sorgen um das beständige Bubeli, nie, bis zum heutigen Tag. Dieser Auftakt „Get in Line“ ist kaum zu glauben: Ein süffig-seichter Popsong inklusive verzerrter Stimme, überproduziert von Hardrock-Spezialist Bob Rock. Ein regelrechter Schock. Und es geht auch beim zweiten Song zu fröhlich weiter: "The Reason Why" gibt Antworten statt Fragen zu stellen. Und gerade das will man von Sexsmith nicht. Wenig Gefühl in der Stimme, eine ausstaffierte hüpfige Folklore mitsamt Gitarrensolo und gedimmter Bridge. Erst der der dritte Song "Believe It When I See It" schaltet nicht nur einen Gang tiefer, sondern lässt den Songwriter hinter dem Song spüren. Auch wenn das Level schnell wieder erreicht ist, nimmt man das Schwelgen hierbei ein wenig ernst, hat man zwischendurch einen durchschnittlichen Song aus dem letzten Album "Exit Stragey for the Soul" gehört. Zu denen auch das gelungene "No Help at All" gehört. Guter Soul.

Mit der eingefunden Langeweile schielt der Tracklist-Lesende auf den Titelsong "Late Bloomer", welcher eventuell als Idee die Wurzel der Durchschnittsware ist. Und tatsächlich fragt man sich schon, ob Sexsmith für die Verse auf diesem Song einfach mal das das schöne Studiofeeling spüren wollte. Derart auf den fetzig schmachtenden Refrain ausgerichtet, bleibt man noch mehr an den gewohnt guten Melodien hängen. Den Stempel Klassiker kann er sich aber hier nie aufdrücken lassen, obwohl er sich dafür wohl noch nie so angestrengt hat wie auf dieser schwachen Scheibe.

Wesentlich reduzierter geht es auf dem zweiten Teil zu und her. Aber richtig gut wird es erst mit den beiden letzten Songs, die das in den Startlöchern stehende Gehüpfe schon gar nicht mehr auftauchen lassen und als Indiz für das nächste Album hoffen lassen. Die  böse Zunge behauptet, dass das herzig blumige "Love Shines" mit wenig Pomp, aber viel Rhythmusgefühl und das spartanisch soulige Gutenachtlied "Nowadays" von Bob Rock auf die hintersten Plätze verbannt wurde...

Lieber Ronald Eldon Sexsmith, wenn man in einigen Jahren noch sagen wird, dass du ein Long Player bist, dann wird man nicht dieses Album meinen, es hoffentlich wieder vergessen haben und wissen, dass deine Songs von selbst blühen.

Seit 25. Februar 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> No Help at All
> Love Shines
> Nowadays

Diskographie:

> Grand Opera Lane (1991)
> Ron Sexmith (1995)
> Other Songs (1997)
> Whereabouts (1999)
> Blue Boy (2001)
> Cobblestone Runway (2002)
> Rarities (2003)
> Retriever (2004)
> Time Being (2006)
> Exit Strategy for the Soul (2008)
> Long Player Late Bloomer (2011)

Ähnliche Künstler:
> Paul Simon
> Paul Mc Cartney
> Damien Rice
> Teitur
> Elliott Smith
> Badly Drawn Boy
> Elvis Costello
> Divine Comedy
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