Genre: Nordic Electronic | Label: Pias (Musikvertrieb) | Unsere Wertung: 7.0/10
Alte Wurzeln
Röyksopp hat wieder den alten Weg eingeschlagen und ist jetzt erwachsener – aber auch melancholischer.
Der erste Titel des Albums lautet "...And the forest began to sing". Ein poetischer Name, der weitere acht verträumte Songs einführt. Darunter "Coming Home", welches stark an die einlullenden Melodien von Air erinnert. "Senior" hat tatsächlich was von einer Rückkehr, vielleicht nicht ganz die erwartete Rückkehr zum Ursprung, zum so hochgepreisten "Melody A.M", aber doch ziemlich nah dran. Verglichen zu Röyksopp's letztem Album, "Junior", ist "Senior" wahrlich eine erwachsene Version, ruhiger, besonnener. So erklärt es auch das norwegische Duo auf ihrer Website: "Senior" sei ein "counterpart" zu "Junior", ein zusammenhängendes Assemblement aus reifen Tracks – keine einzelne Songs, die man aus der Masse rauspickt, sondern ein einziges Stück Musik, welches am Band gehört werden soll. Eine aussterbende Idee, und Röyksopp weiss es: "Quite a “brave” & stupid thing to do in this day & age of iPods." Und tatsächlich braucht man mehrmaliges Hören, um die Songs auseinander zu halten. Das Album ist relativ fliessend, obwohl es die Übergänge von einem Track zum andern nicht immer sind.
"Senior" ist ein dunkles Album. Kein fröhliches Rumgepiepse, sondern düstere Klänge, manchmal schneller ("Tricky Two") dann wieder ruhiger ("Senior Living"). Wenn Piepen, dann möglichst dissonnant, an eine Intensivstation erinnernd ("The Drug"). Es liegt auf fast allen Songs etwas Makaberes, Tödliches, ein beunruhigendes Rauschen im Hintergrund. Auch auf "Forsaken Cowboy", das mit einem lockeren Beat daherkommt, wie ein trabendes Pferd, beherrschen sphärische Klänge den Fond. Nicht unangenehm, nicht beängstigend, aber die vorerst angenommene Unbeschwertheit dämpfend. "The Alcoholic" wirkt verspielt, leicht, locker – und doch sind auch hier die Töne nicht ganz stimmig. Sie sind etwas verzerrt verglichen zum Vogelgezwitscher, dass diesen Titel wie eine verblassende, aber positive Erinnerung klingen lässt. Der Soundtrack zu einer nach und nach einsetzenden Leere.
„Senior“ stimmt den Hörenden nachdenklich. Im Gegensatz zu früheren Alben kommen hier überhaupt keine Texte vor. So lassen die Titel der Tracks Freiraum zu Interpretationen, was auch mal eine gute Sache ist. Augen schliessen und abtauchen, obwohl man vielleicht etwas müder, vielleicht etwas älter wieder aufwacht.
Seit 10. September 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> The Alcoholic
> Forsaken Cowboy
Diskographie:
> Melody A.M. (2001)
> The Understanding (2005)
> Junior (2009)
> Senior (2010)
Ähnliche Künstler:
> Air
> Goldfrapp
> The Knife