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Ryan Adams - Cold Roses (2005) (Lost Highway/Universal Music)

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von Magdalena Oehen am Mittwoch, 1. Juni 2005 in Neuerscheinungen   
Gratwanderung

Ryan Adams - Cold Roses (2005)  (Lost Highway/Universal Music)Den Country-Liebhabern lastet das längst verstaubte Image der in Cowboystiefeln aufgemachten Rednecks beim Square-Dance an. Ryan Adams, schon als Leader seiner früheren Band Whiskeytown mit dem Attribut "Retter des Genre" ausgestattet, hat mit "Cold Roses" ein wunderbares Werk geschaffen, das vielleicht sogar harte Country-Hater-Herzen zu erweichen vermag.
(P.S.: Ein Fall ist mir tatsächlich schon bekannt!)

Country Altmeister wie Johnny Cash oder Loretta Lynn in den gleichen Topf zu werfen wie vermeintliche Country-Pop-Kücken LeeAnn Rymes oder Shania Twain (allein der Name sendet kalte Schauer von Horror durch meine Glieder...), kann man als Sünde bezeichnen. Es ist ungemein schwer, in diesem Musikstil die Grenze zwischen Kitsch und Kunst auszumachen. Ryan Adams hat sich mit seinem Doppelalbum "Cold Roses" zusammen mit seiner neuen Begleitband/Co-Writers The Cardinals auf die Gratwanderung begeben.
"Cold Roses" ist noch countryesker ausgefallen als seine Vorgänger, die Songs dabei aber weder schmalztriefend noch schnulzig-geschmacklos, sondern sorgfältig und beizeiten mit E-Gitarre aufgemischt instrumentiert - wobei die Steel Gitarre natürlich keinesfalls fehlen darf. Was Ryan Adams' Songwriting angeht, kann einem der Arme leid tun. Nicht was die Qualität der Lyrics anbelangt, in dieser Hinsicht hat er mit "Meadowlake Street" etwas vom Schönsten geschaffen, das mir je zu Ohren gekommen ist. Aber Ryan Adams scheint von Liebeskummer und Sehnsucht geradezu gepeinigt zu sein, resigniert singt er "I ain't afraid of hurt, I've had so much it feels just like normal to me now", und verzweifelt "lonely nights multiplied by the blues that I can't resolve". Ja, die Liebe scheint ein schier unlösbares Rätsel für den sonst erfolgsverwöhnten Ryan Adams zu sein. Doch wenn der Herzschmerz ihn zu solchen lyrischen und musikalischen Höchstleistungen anspornt, kann ich, und des Eigennutzes dieser Aussage bin ich mir bewusst, dem Leiden des Herrn Adams durchaus eine positive Seite abgewinnen. Vor allem, da er in up-tempo Songs wie "Life Is Beautiful" (zugegebenermassen ein etwas plumper Titel) und "Beatiful Sorta" seine ihm verbleibende Liebe zum Leben äussert.
Durch die Omnipräsenz von Liebeskummer und Herzschmerz und die sehr gefühlvolle Interpretation durch Ryan Adams bewegt sich auch dieses Country-Album an der Grenze zum Kitsch. Man kann es sehen wie mit dem Honig: Entweder liebt man diese klebrig-süsse, tropfende Konsistenz, oder eben nicht. Ich für meinen Teil mag Honig sehr.


Seit 3. Mai 2005 im Handel.

Anspieltipps: Magnolia Mountain, Meadowlake Street
similar artists: Whiskeytown, Wilco

> Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Geboren 1974 in Jacksonville, kam Ryan Adams schon von klein auf mit Country in Berührung. Mit 15 Jahren begann er sich für Punk zu interessieren und gründete seine erste Band The Patty Duke Syndrome. Um ein grösseres Publikum zu erreichen, zog die Band nach Raleigh, wo Ryan Adams bald klar wurde, dass er sich von hartem Punkrock abwenden und seine Vorliebe für Country und melodiösen Pop in seine Musik einfliessen lassen möchte. So gründete er 1994 Whiskeytown, die mit ihrem Debüt "Faithless Streets" (1996) grossen Anklang fanden. Trotz Plattenvertrag bei einem Major Label kamen Whiskeytown aufgrund von zwischenmenschlichen Problemen nicht über zwei Alben heraus und Ryan Adams beschloss, auf Solopfaden weiterzugehen. Sein Solodebüt "Heartbreaker" (2000), aufgenommen mit der Hilfe von Gillian Welch und David Rawlings, gefiel Kritikern und Publikum und verschaffte ihm einen Vertrag beim Americana-Label "Lost Highways". Es folgten mehrere Alben und Kollaborationen mit solch namhaften Künstlern wie Emmylou Harris und Lucinda Williams, die Ryan Adams' Ruf als grossartiger Singer/Songwriter festigten. 2005 erscheint sein Doppelalbum "Cold Roses".

Ryan Adams - Cold Roses (2005)  (Lost Highway/Universal Music)
Diskographie:
> Heartbreaker (2000)
> Gold (2001)
> Demolition (2002)
> Rock'n'Roll (2003)
> Love Is Hell (2004)
> Cold Roses (2005)


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