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Sébastien Tellier - My God Is Blue

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von Paul Klur am Samstag, 4. August 2012 in Neuerscheinungen   

Genre: Electro, Pop, New Age  |  Label: Record Makers (Namskeio)  |  Unsere Wertung: 7.5/10

My God Is BluePersonal Jesus
Als ob das nicht schon längst überfällig gewesen wäre: Nach „Politics“ und „Sexuality“ widmet sich einer der außergewöhnlichsten Künstler Frankreichs nun der Spiritualität.

Begegnungen mit diesem wahrhaftigen Entertainer sind immer etwas Besonderes. Viele werden seinen sensationellen Auftritt mit „Divine“ beim Eurovision Song Contest 2008 in Erinnerung haben. Die bärtige Gestalt, die da aus dem Golfcaddy stieg und für Frankreich ein bezauberndes Electropop-Stück auf die Bühne brachte, musste in Erinnerung bleiben. Der Öffentlichkeit in seinem Heimatland war diese Performance allerdings ein beträchtlicher Dorn im Auge, denn „Divine“ war englischsprachig.

Vier  Jahre später: Der erste Eindruck von Telliers neuem Album, eine bombastische, epische Komposition namens „Pépito Bleu“ sorgt für eine weitere faustdicke Überraschung. Das hatte die beinahe in Kitsch hinüberkippende Wucht des New Age und war so nicht vorherzusehen, auch wenn sich herausstellte, dass das Gesamtwerk „My God Is Blue“ auch andere Sparten bedient – selbst der androgyne Hochglanz-Pop von Michael Jackson steht Pate, nachzuhören in „The Colour of Your Mind“. Vom heissblütigen Synthie-Pop des Vorgängers scheint dennoch nur der frivole Beat von „Cochon Ville“ übrig geblieben zu sein.

Musikalisch hatte sich in Telliers Schaffen noch nie zuvor das abgezeichnet, was seine Bühnenpräsenz schon seit Jahren auf mehr oder minder satirische Weise ausdrückte: Die Beschäftigung mit der Religion und insbesondere die humoristische Konfrontation mit der christlichen Figur, der er nun mal zweifellos optisch ähnelt: Jesus. Man kann nicht nur das famose Cover sondern auch Worte wie „Dans la lumière des étoiles, les dieux m'ont fait gourou“ als Statement dazu verstehen. Ohne Scheu treibt Tellier seine Arrangements thematisch passend, mit Samples von Kirchenorgel und Chören auf und über die Spitze. Ein wunderbares Crossover stellt beispielsweise „Russian Attractions“ dar. Sicher, das überschreitet auch mal die Grenze zur Parodie, aber das ist bei „My God Is Blue“ kein Ersatz für starke Musik. Im Gegenteil, aus diesen ausgeklügelten Verbindungen entsteht hier, und das ist das größte Faszinosum, erstaunlich hörbare und absolut einzigartige Popmusik.

Seit  8. Juni 2012 im Handel.

> Hören und Kaufen > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Pépito Bleu
> Russian Attractions

Diskographie:
> L´incroyable verité (2001)
> Politics (2004)
> Sexuality (2008)
> My God Is Blue (2012)

Ähnliche Künstler:

> Daft Punk
> Vangelis
> Air
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