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Sallie Ford & The Sound Outside – Dirty Radio

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von Carla Engler am Freitag, 30. Dezember 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Rock'n'Roll / Blues  |  Label: Partisan Records (Irascible)  |  Unsere Wertung: 7.0/10

Dirty RadioTanz Bär, tanz!
Sallie Ford schart ihre drei Jungs um sich, tanzt fingerschnippend auf dem Rock'n'Roll-Tanzparkett und macht aus stählernen, muskulösen Männerbeinen tanzende Spaghetti-Beine.

Der Beginn macht das locker dahingroovende, nach altbekannten Rock'n'Roll-Mustern aufgebaute „I Swear“. Innert Sekunden hat man das Gefühl, Schlaghosen tragend, schnippend und mit einer Elvis-Tolle auf dem Kopf ein paar Runden auf der örtlichen Rollschuhbahn zu laufen. So gar nicht normal. Beim ersten Einsatz von /it all sounds the same/ kann man dann anschliessend gar nicht anders als wild gestikulierend mitzusingen, da Sallie Fords kraftvoll expressive, teilweise ein bisschen nörgelnde Stimme so sehr an Freshness erinnert, dass man einfach mitmachen muss. Das Gleiche gilt für /bullshit/, /people/ und etwaige /dirty radio/'s. Als Ausfader des Songs fungiert dann gegen Ende ein beachiger Gitarrenpart, den man passenderweise mit einer etwas gebückten Körperhaltung untermalt, währendem man abwechselnd mal das linke, mal das rechte Bein anzieht und John Travoltas horizontalen Piece-Finger-Tanz darbietet. Beim anschliessenden „Danger“ peitscht Sallie Fords Stimme dann mal richtig auf Hochtouren, zeigt sie hier schliesslich auch ihre in Rock'n'Roll verpackten Vibrato-Künste. Während /now all I wanna do / is hold your hand and / tell everyone that / you`re my man/, kneift man sich die Augen ausdrucksvoll zusammen, runzelt die Stirn und tut unvermittelt so, als ob man diesen Satz gerade „seinem“ (seit drei Jahren – „wir gehens langsam an) Halbtags-Lover an den Kopf wirft. Dazu empfiehlt es sich ein alkoholisches Getränk auf Ex zu kippen um die dramatische Seite der Verszeile zu unterstreichen.

Das unerbittlich stampfende „Cage“ fordert anschliessend vor allem Bein-Einsatz und bei den gospelartigen Chor-Einsätzen heisst es wieder: Du! Klatsch und sing mit! Dabei empfiehlt es sich rückwärts zu tanzen und sich beim Gitarren-Break so schnell wies geht um die eigene Achse zu drehen, damit man sich möglichst auf Upper-Drogen fühlt. Auch hier schleicht sich zwar das Gefühl ein den gleichen Song-Aufbau schon ein paar mal in Grossmutters alter Schallplattenkiste gefunden zu haben – auch in dem einen oder anderen Tarantino Film – trotzdem versprüht Cage eine gewisse Coolness, die man Sallie Ford auch über die restliche Plattenlänge hinweg einfach nicht absprechen kann. Denn auch die darauffolgenden ruhigeren Songs „Poison Milk“, „Against The Law“ und „Thirteen Years Old“ scheinen vor allem eins zu sein: ziemlich oldschool – ziemlich cool. Auch wenn hier das Tanzbein für einmal nicht wie verrückt zuckt, lösen die ruhig dahinplätschernden Songs ein grosses, sentimentales, „ich will dramatisch mitsingen“ - Gefühl aus. Schön. Gegen Ende wird dann mit „This Crew“ erneut das Tanzparkett angezündet. Nervös zuckende Beine, nervös zuckende Schultern und nervös zuckende Hände, die auf dem eigenen, oder fremden Kopf, wie wild im Takt trommeln.

Ja. Sallie Ford & The Sound Outside haben auf „Dirty Radio“ einen Heidenspass. Die Frage ist nur, mit was sie bei der nächsten Platte auftrumpfen wollen, denn stetig gebrauchten Rock'n'Roll- und Blues-Schemen gehen schnell mal die Puste aus. Nichtsdestotrotz vermag die Platte aber eine unglaubliche Bewegungs-Euphorie auszulösen. Und wieso an morgen denken, wenn man doch heute mit einer Schmalzlocke im Gesicht den Twist tanzen kann. Also: Setzt Euch eine Tolle auf und tanzt!

Seit  23. Mai 2011 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Cage
> Where Did You Go?

Diskographie:
> Dirty Radio (2011)

Ähnliche Künstler:
> Sharon Jones
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