Eine tolle Sängerin und ihre passablen, schwermütigen Lieder
durchqueren zehn Jahre Bandgeschichte und mehrere Stilrichtungen aus
verschiedenen Kulturen.
Auch Musik kann gefährlich sein. Wenn man Sally Doherty zu lange lauscht, wird einem schwindlig und irgendwann fühlt man sich ganz beduselt, als hätte man den Duft einer toxischen Pflanze zu sehr eingesogen. Mit „This Is What You Said“ beginnt der Garten aber in wunderschöner Manier mit einem kräftigen Gesteck aus lila Blumen. Dieser Song entstammt aus dem 2000er Album „On The Outside“. Auf „Edge Of Spring“ befinden sich indes Songs aus fünf Alben sowie drei unveröffentlichte Tracks. Einer dieser ist „The Shore“, auch so ein Treibsand aus Seerosen und Orchideen. Der Hintergrundchor tut das Seine bei und lässt einem in englischen Gärten küssen und tanzen.
Doch die Freude kann nicht durchgehend fortgesetzt werden, so sind doch einige Songs auf „Edge Of Spring“ viel zu wenig aussagekräftig und besitzen kaum Wiedererkennbarkeit, was auf einer Best Of doch eher überrascht. Der einzige rote Faden auf hohem Niveau ist die durchwegs tolle Stimme von Sally Doherty, welche mehrsprachig, vielseitig und wohlklingend über den Flöten, Celli, Geigen, Gitarren und Klavieren schwebt. Bei den Liedern dagegen ist die Unkonstante klar auszumachen: Je neuer die Songs sind, umso süffiger und vielschichtiger klingen sie. „Gold“ aus 2000 und „La Llorana“ aus 2002 können auf ihre jeweils sehr eigene Art überzeugen, „I Am River“ aus 1996 dagegen ist ein folkloristisches Wirrwarr, schamanisch bekehrend, aber nicht wirklich berauschend. Der darauffolgende Pop von „An Open Boat“ klingt schon wieder viel schöner und süsser. Leider ist es bei dieser hohen Anzahl an Songs aber so, dass jeder Song, wäre er als Opener gesetzt, mehr beglücken könnte. Die Stimme von Doherty ist so präsent, die Songs trotz chronologischer Divergenz von zehn Jahren allesamt so ähnlich klingend (wenn auch im Genre sehr weit auseinanderliegend), dass man diese Kollektion nicht allzu lange und nicht allzu oft hören kann. Das wird zum automatischen, unbewussten Reflex und hat nichts mit „wollen“ zu tun. „Edge of Spring“ ist einfach etwas zu anstrengend. Am Ende läuft man nicht mehr im botanischen Garten herum, sondern kämpft im Laub gegen das Ertrinken an.
Wäre diese Musik Schokolade, wäre sie mit grüner Lebensmittelfarbe bemalt, viel zu süss und würde einem Stunden nach dem Verzehr eine leichte Verwirrung und Benebelung hinterlassen.
Seit 10. August 2006 im Handel.
Anspieltipps: This Is What She Said; Gold; Black Is The Color; An Open Boat
Trackliste: 1) This Is What She Said; 2) The Shore; 3) La Llorona; 4) Gold; 5) Mourning 1; 6) O Caminho; 7) Our Senses; 8) Low Lowlands Of Holland; 9) The Endless Night; 10) Some Never Know; 11) Lagan Love; 12) I Am River; 13) An Open Boat; 14) Silver; 15) Black Is The Colour; 16) Voice; 17) One Voice 1
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Bio:
Als Sally Doherty an der Universität war, begann sie so richtig damit, verschiedene Musikstile auszuprobieren. Sie wollte damals Filmemacherin werden, hatte aber schon damals ihre eigene Band, für welche sie Songs komponierte. Ihr erstes Album brachte sie 1996 heraus, das zweite „Sleepy Memory“ folgte zwei Jahre darauf. Im selben Jahr bekam sie die Möglichkeit für BBC TV und BBC Radio zu arbeiten. 2000 folgten dann gleich zwei Alben: „Empire of Earth“ (BBC TV Music) und „On The Outside“. Mit ihrer Latinojazz-Band tourte sie 2005, wo Sally mit Los Amores auch ein Album veröffentlichte.