Das frisch gegründete Label Bedroom Community strotzt vor
Ideen. Nachdem Nico Muhly, Ben Frost und Produzent Valgeir Sigurðsson
(Björk, Bonnie „Prince“ Billy, Keren Ann) in diesem Jahr schon
vorgelegt haben, unterstützen sie nun gemeinsam den Doveman Sam Amidon.
Am Anfang machte eine vollgestopfte Friedenspfeife die Runde. Man suchte den passenden Strick und zog gemeinsam daran. Herausgekommen ist Folk, der sich zwischen Indianern und Cowboys nicht richtig entscheiden kann.
Sam Amidon singt mit sanfter Stimme und undeutlichen Worten und scheitert schon im ersten Song offensichtlich an den hohen Tönen. Was den geneigten Zuhörer anfangs noch stören mag, gehört zum Konzept. Die gehauchte Stimme, die wie das ganze Album sehr an das in einem Silo aufgenommene Debut der„Great Lake Swimmers“ erinnert, reiht sich spätestens im exzellenten zweiten Song „Little Johnny Brown” als Instrument nahtlos ein. Das grundsätzlich sparsame Muster wird in diesem Song mit zahlreichen elektronischen Effekten von Sigurðsson und Frost gesprengt.
“Fall On My Knees” ist ein geradezu aufmüpfiges Lo-Fi Produkt, bloss mit Fiddle und feiner Percussion vorgetragen, und im gemütlichen “Little Satchel” glänzt ein aufregendes Piano von Nico Muhly.
Man hat manchmal das Gefühl, als würde Amidon Tagebücher aus alten Zeiten vertonen, indem er den traditionellen Folk eines Robert Johnson sowie die modernen Komponenten seiner Mitstreiter verwendet.
Im besinnlichen “Saro” begibt sich Amidon als Auswanderer 1849 nach Amerika und erzählt von der neuen Welt. Er schätzt sich glücklich zu leben, fühlt sich aber schrecklich allein und vermisst seine liebe Sally. “I wish I was a poet / Could write in fine hand / I’ll write my love a letter / I’ll send it by the water.”
Ein weiterer musikalischer und lyrischer Höhepunkt ist “O Death”; darin bittet Amidon, plötzlich sehr deutlich, den personifizierten Tod um ein längeres Leben: “O Death / Please consider my age / Please don’t take me at this stage / My wealth is all that you comment / if you are moving your icy hand.”
Die abwechslungsreiche Instrumentierung ist eine wesentliche, beinahe notwendige Hilfe, da Amidon die meisten Songs in bloss einer Stimmlage und einer Melodie vorträgt. Die vermittelte Melancholie bleibt dabei trotzdem erhalten und machen “All Is Well” zu einem interessanten und schönen Beitrag an die Völkerverständigung.
Seit 23. Oktober 2007 im Handel.
Anspieltipps: Little Johnny Brown, Saro, O Death
Trackliste: 1) Sugar Baby 2) Little Johnny Brown; 3) Saro; 4) Wild Bill Jones; 5) Wedding Dress; 6) Fall On My Knees; 7) Little Satchel; 8) O Death 9) Prodigal Son 10) All Is Well
similar artists: Great Lake Swimmers,
José Gonzalez, Iron & Wine, Sun Kil Moon,
Sufjan Stevens, Eric Bachmann, Nick Drake, Robert Johnson, Red House Painters, Valgeir Sigurðsson
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Bio:
Mit Thomas Bartlett (Antony & The Johnsons) nennt sich Sam Amidon Doveman. Unter seinem eigenen Namen veröffentlichte er in diesem Jahr mit Bartlett „But Thus Chicken Proved Falsehearted“ und später beim Label Bedroom Cummunity das sehr eigene und persönliche „All Is Well“. Amidon ist mit beiden Projekten auf Tour.