Die kitschige, zwar nicht mutige, aber solide Version eines amerikanischen Christmas-Repertoires von Sarah McLachlan.
Erstmals in ihrer Karriere, die 1988 mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Touch“ begann, veröffentlicht die kanadische Grammy-Preisträgerin Sarah McLachlan ein Weihnachtsalbum. „Wintersong“, so der Titel des zwölf Stücke umfassenden Albums, enthält neben Coverversionen wie John Lennons „Happy Xmas (War is Over)“, Joni Mitchells „River”, Gordon Lighfoots „Song For A Winter’s Night” den Titelsong „Wintersong”, den Sarah speziell für dieses Album schrieb.
Also eigentlich die gleichen Voraussetzungen wie bei Aimee Manns Wintermärchen: Eine etablierte Künstlerin singt vorwiegend bekannte Klassiker in neuer (?) Manier. Sarah McLachlan macht das aber im Gegensatz zu ihrer Kollegin natürlich furchtbar pathetisch, kitschig und trägt (mit eigenem Chor im Opener) sehr dick auf. Demnach muss „Wintersong“ eines dieser Alben sein, die man im Januar am liebsten zum Mond schicken würde (was Punkteabzug zur Folge hat), die Adventszeit aber merklich versüssen können. Ist ja dann auch egal, ob wir nun „Happy Xmas“ zum dreihundertsten Male hören, wobei zu sagen ist, dass diese Version sicherlich eine der besseren ist. Auch aus der „Greensleeves“-Melodie macht Sarah McLachlan einen erstaunlich ansehnlichen Popsong, der wunderbar in die letzten fünf Wochen des Jahres passt. Die Neuinterpretation von Mitchells „River“ bleibt dagegen völlig wirkungslos. Umso schöner ist dafür die Eigenkomposition „Wintersong“, die einem in weihnächtliche Stuben gleiten lässt, es einem auf schneebedeckten Wiesen herumtollen erlaubt und deutlich macht, dass Sarah ruhig mehr eigene Songs hätte schreiben dürfen, denn Covers sind definitiv nicht ihre grösste Stärke. Die Interpretation von klassischen, traditionellen Weihnachtsliedern wie „I’ll Be Home For Christmas“, „The First Noel/ Mary mary“ oder „In The Bleak Mid-Winter“ gelingt ihr aber (ausser beim schrecklichen „Silent Night“) wiederum souverän und toll. Die Songs enthalten eine winterliche Frische, besitzen zwar grossen Kitsch- und Dramatikfaktor, das stört aber bei brennenden Kerzen und eingepackten Geschenkpäckchen nicht im Geringsten. „Wintersong“ ist die geeignete Platte für die schwermütigen Tage vom 25. bis zum 30. Dezember: Wenn die Familie zusammen oder zerstritten ist, wenn der Schnee die Äste bricht und man sich sein Jahr noch einmal Revue passieren lässt. Für den Morgen des ersten Festtages, als Untermalung zum Schmücken des Baumes oder als Ausklang nach einem mässigen Weihnachtsfilm. Der passendste Song aber fehlt paradoxerweise, denn was man sich zu diesen emotionalen Popsongs wünscht, sind wohl „White Christmas“.
Wäre diese Musik Schokolade, würde sie in üppig verzierter Folie am Weihnachtsbaum hängen und zu Beginn des neuen Jahres gegessen werden.
Seit 3. November 2006 im Handel.
Anspieltipps: Wintersong
Trackliste: 1) Happy Xmas (War Is Over); 2) What Child Is This? (Greensleeves); 3) River; 4) Wintersong; 5) I’ll Be Home For Chirstmas; 6) O Little Town Of Bethlehem; 7) The First Noel/Mary Mary; 8) Silent Night; 9) Song For A Winter’s Night; 10) Have Yourself A Merry Little Christmas; 11) In The Bleak Mid-Winter; 12) Christmas Time Is Here (feat. Diana Krall)
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Bio:
Sarah Ann McLachlan (* 28. Januar 1968 in Halifax) ist eine kanadische Musikerin, Sängerin und Songschreiberin.
McLachlan wurde als Kind adoptiert. Im Alter von 17 Jahren spielte sie mit der New Wave-Band October Game. Im Jahr 1988 unterschrieb sie einen Plattenvertrag mit dem Independentlabel Nettwerk. Danach zog sie nach Vancouver, wo sie ihre erste Platte „Touch“ aufgenommen hat. Ihr folgendes Album „Solace“ brachte ihr 1991 den kommerziellen Durchbruch in ihrer kanadischen Heimat; seit 1997 (Surfacing) sind ihr auch Top Ten-Notierungen in den US-Charts sicher. Im Laufe ihrer Karriere hat Sarah McLachlan über 25 Millionen Alben verkauft und drei Grammys gewonnen. Sie war die Initiatorin von Lilith Fair, einem wandernden Musikfestival, das in den Jahren 1997 bis 1999 in Kanada und den USA insgesamt über 100 Konzerte gab, bei denen ausschließlich weibliche Künstler (neben McLachlan u.a. Meredith Brooks, Sheryl Crow, Emmylou Harris, Dar Williams oder Suzanne Vega) auf der Bühne standen. Ein Teil der Einnahmen (insgesamt über 500.000 $) wurde für Frauenprojekte vor Ort gestiftet.