Schnitzer auf der Bühne anlässlich der Plattentaufe ihres Albums „The Debut of the Quartet“: aufgrund akuter und in eitrige Hautausschläge ausbrechende Allergien gegen ihr Werkzeug, wäre es keinem der Bandmitglieder möglich, ein Instrument anzufassen. Wie würden sie ihren Erstling in Worte fassen?
Ein Kirchenschiff mit hohen Säulen, die sich gigantisch erstrecken bis zu den kleinen glasbemalten Kuppelfenster. Kleine Teilchen in der Luft, aufgewirbelt durch einen Luftzug, welcher von oben herabströmend die Kirchenkälte durch einen hindurchtreibt. Und eben da, wo die bunten Fenster an der Kuppel Lichtbündeln Einlass gewähren, – da flammen die Teilchen auf in der Luft. Sie tanzen in den Strahlen, die sich kreuzen und das Schiff durchziehen, wie Schranken, die einem jeglichen Vorlass verwehren. Und so bleibt man stehen und schaut ganz ungläubig. Denn da, wo die Teilchen sich im honigwarmen Licht zu bewegen beginnen, da beginnt Schnitzer´s Musik.
Das wäre wohl weit übers Ziel hinausgeschossen. Zu viel Pathos, zu wenig Rock’n’Roll. Was man aber in dieser Beschreibung geflissentlich aufgreifen müsste, sind die Lichtbündel. Denn die goldigen Momente, welche „The Debut of the Quartet“ birgt, reihen sich aneinander, wie Perlen an der Schnur. Ob das jetzt die sparsamen und deshalb effizienten Synth-Tupfer sind, eine versteckte Querflöte oder ein bleierner Beat – Sachen halt, welche den Entdecker auf seiner eitlen Reise so stolz machen.
Durchwegs fallen die Bassläufe ins Ohr. Zusammen mit den Drums bilden sie ein unerschütterliches Gerüst für hübsche Melodien, welche sich daran hochranken. Teils dornig – auch in den folkigeren Momenten – aber konsequent mit dem nötigen Flair für Harmonie und Ästhetik. Ein blütengewaltiges Feuerwerk an Ah’s und Oh’s in exakt abgestecktem Rahmen. Im Kleinen wird Grosses erzeugt, nichts scheint angestrengt oder umtriebig. Alles ergibt sich ganz natürlich.
Schnitzer sind nicht da, um den neuen Hype zu nähren. Sie setzen dezidiert auf Inhalte. Hier liegt ohne Zweifel die Stärke des Zürcher Quartetts: einen im Grund einfachen Song mit Facetten und Nuancen zu versehen und ihn in unerwarteten Wendungen ganz sich selbst zu überlassen. Die Band schafft sich damit einen „Spielraum“, welchen sie auf „The Debut of the Quartet“ gut auszufüllen vermag.
Seit 20. Mai 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
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Diskographie:
> The Debut of the Quartet (2009)
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