Die sonderbare Scout Niblett geht ihren eigenen Weg zwischen
berührenden Folkballaden und charismathischen, heftigen Schlag –und
Schreieinlagen. Ersteres gibt es mit der prominenten Unterstützung von
Bonnie „Prince“ Billy.
Und wie immer ist auch ihr grosser Bewunderer, Förderer und vor allem Kenner, der Produzent Steve Albini, mit von der Partie. Er versucht in dieselben Fussstapfen zu treten und begleitet Niblett mit Rat und Tat soweit wie möglich und sortiert ihre bunten Gedanken. Dem Hörer gegenüber ist diese Scheibe oft unverständlich, schon fast respektlos. Nach einigen Durchgängen erahnt man aber den gegenseitigen Respekt, den die beiden Macher während der Aufnahme hatten.
Besonders auffällig sind die Quantensprünge: „Kiss“ mit Bonnie „Prince“ Billy ist eine schaurige Ballade, die in einem intensiven und höchstdramatischen Strudel endet, in der die beiden Stimmen begleitet von Streichern um die Gunst des anderen kämpfen (ergreifend ist auch der Videoclip). Darauf folgt mit „Moon Lake“ ein repetives und monotones Schlagzeugstück, mit „Let Thine Heart Be Warmed” ein Song, der an Anspannung fast nicht zu überbieten ist. Der Refrain wütet dann mit Gitarren und der bekannt überbordenden Stimme.
Manchmal hat man dabei das Gefühl, dass sich Scout Niblett ein bisschen übernimmt, zu schwer ist die Strenge, trost –und freudlos, zu leicht ist darauf ihre Verletzlichkeit. Die Person ist schwer zu definieren, rätselhaft, und man schickt sie gern auf einen anderen Planeten. Dazwischen erkennt man zunehmend aber klare Zeichen und glaubt, dass dieser Stern nicht nur fremd ist, sondern dass die Welt ihn auch unbedingt zu Gesicht bekommen muss.
So singt sie mit “River Of No Return” und “Comfort You” zwei weitere Duette, die von keinen Geringeren als Marylin Monroe und Van Morisson vertont wurden.
Doch nach exzessivem Hören und vielen Versuchen die Platte einzuordnen, haben mir schliesslich die hinterhältigen und verschrobenen Songs den Weg geebnet und mich auch überzeugt. Bei “Baby Emma” zum Beispiel kreischt sie nach kurzem Intro innigst bittend und deutlich zu hoch für ihre Stimmlage. Wie sie nachher gutmütig und wiederholend die Stimme zur kaum hörbaren Geräuschkulisse herunterfahren lässt, ist tief berührend, ist angekommen, ist mir geblieben.
Seit 12. Oktober 2007 im Handel.
Anspieltipps: Do You Want To Be Buried With My People, Kiss, Let Thine Heart Be Warmed, Baby Emma
Trackliste: 1) Do You Want To Be Buried With My People; 2) Kiss; 3) Moon Lake; 4) Let Thine Heart Be Warmed; 5) Your Last Chariot; 6) Black Hearted Queen; 7) River Of No Return; 8) Nevada; 9) Baby Emma; 10) Yummy; 11) Dinosaur Egg; 12) Hide And Seek; 13) Comfort You; 14) Fishes And Honey
similar artists: Bonnie “Prince” Billy,
Cat Power,
PJ Harvey, Shannon Wright,
Joanna Newsom, Songs: Ohia, Volcano The Bear,
Scott Walker, Castanets, Nirvana
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Bio:
Die Engländerin Emma Louise Niblett hat ihren Künstlernamen vom Mädchen aus „To Kill A Mockingbird“. Sie gelangte mit einer Split-EP (mit Songs: Ohia) bei Secretly Canadian unter Vertrag und veröffentlichte auch die nächsten beiden Alben mit Steve Albini beim renommierten Label.
Oft tritt sie an Konzerten mit einer blonden Perücke auf.