Zu ihrem 10-jährigen Bandjubiläum haben Scumbucket ihr Debutalbum
Heliophobe komplett neu eingespielt und produziert. Das Ergebnis lässt
nicht nur Fanherzen höher schlagen.
Scumbucket entstanden, als Kurt Ebelhäuser, Dylan Kennedy und Michael Fritsche im Sommer 1996 „in musikalischer Sicht miteinander rumblödelten“. Aus dieser Blödelei entstand ein Song und kurz darauf sollte die Band einen Auftritt hinlegen, welcher sie dazu zwang, mehr Material einzuspielen. Der Name Scumbucket stammt von einem Pferd aus einem Dokumentarfilm und wurde genauso spontan gewählt wie die Band gegründet wurde. 1997 gingen sie mit Guido Lucas ins mittlerweile legendäre BluBox Studio und spielten 15 Tracks an einem Tag ein, jagten diese anschliessend mehr oder minder sinnvollerweise durch einen 8-Spur Recorder, fügten weitere Gitarrenspuren dazu und fertig war das qualitativ schwache, chaotische, jedoch ungeheuer druckvolle Debutalbum. Da das Teil vergriffen und die Songs, trotz holpriger Qualität sackstark sind, entschied sich die Band zehn Jahre später, die Stücke nochmals komplett einzuspielen, mit zusätzlichen Textzeilen, Melodien und Ideen zu versehen und die gierige Masse entsprechend zu beglücken. Wie es sich für Scumbucket gehört, sind mittlerweile 13 Jahre vergangen, doch das Ergebnis ist endlich erhältlich.
Und dieses lässt sich hören. Und wie…heiliger Gitarrengott. Im Pressehinweis beschreibt Dylan Kennedy das Ergebnis der Überarbeitung als „super-digitalen-hau-dich-weg-Sound“. Damit trifft er den Nagel so ziemlich auf den Kopf. Im Vergleich zum Original aus dem Jahr 1997 (als Bewunderer habe ich dieses über Umwege und viel zu teuer schon vor geraumer Zeit ergattert) klingt Heliophobia sauberer, dichter, gewaltiger und, was ich kaum für möglich hielt, tatsächlich noch eine Spur wuchtiger. Wer Scumbucket erst seit „Kiss Than Kind“ kennt, wird ob der teilweise brutalen Härte des Albums erschrecken. Praktisch jeder Song auf „Heliophobia“ geht direkt ins Genick (obwohl mich das nicht minder heftige Riff in „Images of Devils Burn“ noch immer völlig kaputtmacht) und zaubert dem Genreliebhaber ein dämlich-glückliches Grinsen ins Gesicht. Wer auf die typischen, kilometerbreiten Gitarrenwände und die schaurig-düsteren Melodien von Scumbucket steht, wird in „Heliophobia“ mit Sicherheit ein neues Lieblingsalbum finden.
Die Grundstruktur der Songs, d.h. die Gitarrenläufe, die Melodien und der Aufbau wurde insgesamt und grösstenteils beibehalten. Bei jedem Stück erkennt das geschulte bzw. an Scumbucket adaptierte Ohr jedoch neue Finessen, klitze- bis mittelkleine Abweichungen, Verfeinerungen, Aus- und Anbauten. Diese fügen sich souverän in die vorhandenen Strukturen und fallen nur Kennern des ursprünglichen Albums auf. So erscheint „Diss my Naff (Part1.)“ um Spuren gewaltiger (ich wusste gar nicht, dass der jeweils sehr kühl wirkende Kurt Ebelhäuser so wunderbar schreien kann). „Blame“ erhielt einen ruhigen, verzerrten neuen Schlussteil mit einem gefühlvollen, ausgiebigem und total bekifften Gitarrensolo. Das düstere „Drag“ artete auf der ursprünglichen Version in einer endlos scheinenden, knallharten Repetition des Gitarrenthemas sowie synthetischem Geflirre aus, die neue Version klingt klarer, heller und statt brachialer Gitarrengewalt folgt nach gut zwei Minuten ein gesungener, wunderbar psychedelischer Part. Auch „Doc Store“, an sich ein Presslufthammer von Song, endet psychedelisch-verträumt, wobei das „neue Ende“ des Songs dem aktuellen Schaffen („Kiss Than Kind“, wenn man ein vierjähriges Album als aktuell betiteln darf…) der Koblenzer verhältnismässig nahe kommt.
Nach einer kurzen Beschreibung der ersten drei Songs könnte ich jetzt jedes Stück mit dem Seziermesser zerlegen und der geschätzten Leserschaft sämtliche Finessen, Änderungen und Spielereien in mundgerechten, oder gar vorgekauten Happen servieren. Darauf wird verzichtet und mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass „Heliophobia“ wohl eine der wuchtigsten Platten des europäischen Alternativerock aus den glorreichen 90ern ist. Im Februar des nächsten Jahres (nach Scumbucket’scher Zeitrechnung also etwa im Herbst 2011 :-) ist bereits ein neues Album angekündigt. Wer darauf nicht mehr warten mag, darf sich von „Heliophobia“ gerne das Genick brechen lassen oder aber seiner Plattensammlung einen sehr netten Gefallen tun.
Seit 6. November 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
Alle Songs, keine Schwachstellen erkennbar
Diskographie:
> Heliophobe (1997)
> Batuu (1998)
> Finistra (2000)
> Aficionados (2002)
> Dia Castado/Otro Día EP (2002)
> Kiss than Kind (2005)
> Heliophobia (2009)
Ähnliche Künstler:
> Blackmail
> Ken