DFA1979-Bassist Jesse F. Keeler machte nach nur einem Album mit dem ehemaligen DFA1979-Produzenten Al-P gemeinsame Sache. Daraus entstand das Electroclash-Projekt MSTRKRFT. Nun hat es auch Sebastien Grainger fertig gebracht, ein eigenes Teil rauszubringen. Unterstützt wird er von den Mountains, doch den grossen Brocken der Arbeit (Einspielen, Mixen und Produzieren) hat er selbst übernommen.
Der erste Eindruck ist relativ ernüchternd. Zwar blieb Grainger, im Gegensatz zu seinem ehemaligen Kumpel, dem Genre treu. Der Opener ’Love Can Be So Mean’ tönt verdächtig nach DFA1979, es fehlen schlicht die übermässig dicken Eier von damals. Man könnte auch von DFA1979 ’light’ oder ’kalorienfrei’ oder ’ohne Altersfreigabe’ sprechen. Stimmlich exakt wie damals, musikalisch eine grobe Spur braver. Der zweite Eindruck bzw. der zweite Song ’Who Do We Care For?’ treibt die Gedanken dann unweigerlich in Richtung: Hat denn nicht ein gewisser Josh Homme schon mal so was gespielt? Tatsächlich, der Link zu QOTSA ist nicht zu überhören. Guter Stonerrock, doch das kennen wir schon. Dabei bleibt Grainger auch für gewisse Zeit. Durchwegs angenehme Rocksongs, doch die Spur Wahnsinn und Raubaukentum von DFA 1979 wird kräftig vermisst. Klar kann man nicht erwarten, dass überhaupt irgend jemand an ’You’re A Woman, I’m A Machine’ anknüpfen kann oder soll, trotzdem hätte ich von Grainger ein bisschen mehr Druck erhofft. Die Songs rocken zwar durchwegs anständig, teilweise wird gar geschrieen und gepoltert, trotzdem schimmert hie und da zuviel Pop durch. ’(Are There) Ways To Come Home’ z.B. schlägt erstaunlich sanfte Saiten an und überzeugt dank QOTSA-Aufbau sowie freundlichem Gitarrensolo. ’Niagara’ poltert dann während ganzen 1:28 Minuten gewaltig. Da leuchtet die chaotische Komponente von damals kurz und heftig wieder auf.
’(I Am Like A) River’ wird leicht elektronisch und erinnert stark an das Album ’Red Bedroom’ von The Fever. Das gefällt gut, bietet aber wiederum genau gar nichts Neues. In ’Love Is Not A Contest’ taucht dann sogar ein Piano auf, das Stück wird zur pompösen Rockballade. ’Renegade Silence’ beendet die Platte dann mit klebrig-kitschigem Disco-Funk und es wird einem bewusst, dass Herr Gainger anscheinend erwachsen geworden ist und trotzdem nicht genau weiss, was er denn tun soll.
Früher war halt doch alles besser. Ich schliesse mit dem Fazit: Insgesamt erstaunlich angenehmes Album, welches vielseitig und entsprechend schwer zu schubladisieren ist, sich gut ’so nebenbei’ hören lässt, jedoch keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Seit 13. März 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> (I Am Like A) River
> (Are There) Ways To Come Home
Diskographie
> Sebastien Grainger and the Mountains (2009)
Ähnliche Künstler:
> Death From Above 1979
> Queens Of The Stone Age
> Johnossi
> The Fever