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Sébastien Tellier - Sexuality

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von Tobias Imbach am Montag, 31. März 2008 in Neuerscheinungen   
Genre: Electronica, Songwriter, Soul
Label: Record Makers
CH-Vertrieb: Namskeio
Unsere Wertung:Sébastien Tellier - Sexuality


Oberflächlichkeiten
SexualityMit „Sexuality“ verpasst sich Sébastien Tellier eine neue Identität – neu ist auf seinem trägen dritten Album sonst allerdings nichts.

Der gelungenen Zusammenstellung “Sessions/Universe“ folgt ein Konzeptalbum, auf dem sich Sébastien Tellier gemeinsam mit Daft Punk-Hälfte Guy-Manuel De Homem-Christo einer Thematik annimmt, zu der scheinbar doch noch nicht alles gesagt worden ist. Die Aufnahmen dazu erweisen sich allerdings relativ bald als weit weniger abenteuerlich als die vorigen Alben Telliers, dadurch aber auch um einiges zugänglicher.
Das instrumentale “Sexual Sportswear“ ging als erste Singleauskopplung dem Album voraus – Tellier lässt es in dem siebenminütigen Schlummerlied zu einem Rendezvous von Giorgio Moroders “Scarface“-Thema mit Jean Michel Jarres “Oxygene“ kommen. Das resultiert in den wohlklingendsten Momenten des Albums, aber zieht sich viel zu sehr in die Länge und ödet bald an. Hierzu darf allerdings auf jeden Fall der meisterliche Remix von SebastiAN empfohlen werden.

Retro-Synthieklänge und Drummachine-Reliquien kommen durchgehend zum Einsatz und mischen sich mit den Melodien und der Leichtigkeit europäischer Softporno-Soundtracks aus den 70ern und 80ern. Das hat in den besten Momenten durchaus Charme, wirkt aber meist schlicht zu abgedroschen, um goutiert zu werden. Wortfolgen wie “You're my lover, here's my jizz“ in dem mit nicht wirklich lustvollen Stöhnlauten verzierten “Pomme“ zu lauschen ist ein eher zweifelhaftes Vergnügen und dürfte mit einem Schulterzucken als unsäglicher Müll abgetan werden – eine etwas entspanntere Herangehensweise dürfte aber auch eine heimliche Freude an den trashigen Begebenheiten wecken.

Der französische Beitrag zum anstehenden Eurovision-Contest in Belgrad findet sich des weiteren ebenfalls auf “Sexuality“ – “Divine“ ist eine geschmackslose Billig-Disconummer, die sofort an 80er-Synth-Pop-Acts wie Art of Noise erinnern lässt. Ziemlich übel, aber schrecklich eingängig und charmant.

Er sei zu faul, um Hits zu schreiben meinte der charismatische Franzose einmal. Die gibt es auf “Sexuality“ zwar trotzdem wieder zu hören, aber alle sind sie schnell wieder vergessen. Tellier verliert sich in Oberflächlichkeiten und stellt damit all jene auf eine Geduldsprobe, die mehr vom Schlage eines “La ritournelle“ oder “Fantino“ erwarten.


Seit  15. März 2008 im Handel.

Anspieltipps:
Roche, Look, L'amour et la violence
Trackliste: 1) Roche; 2) Kilometer; 3) Look; 4) Divine; 5) Pomme; 6) Une heure; 7) Sexual sportswear; 8) Elle; 9) Fingers of steel; 10) Manty; 11) L'amour et la violence

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Der französische Singer/Songwriter Sébastien Tellier wuchs in Paris auf und veröffentlichte sein erstes Album “The Incredible Truth“ 2001 auf dem Records Maker-Label von Air. Die französischen Downtempo-Meister, die zu jenem Zeitpunkt eben ihr zweites Album veröffentlicht hatten, begleitete Tellier auf ihrer Tournee. Den Grossteil der Instrumente spielte Tellier selbst ein, der Mix aus LoFi-Folk und elektronischer Musik wirkte noch sehr rau. Weitere Berühmtheit verschaffte die Verwendung von dem Stück “Fantino“ im Soundtrack zu Sofia Coppolas “Lost in Translation“. Im Jahr 2004 erschien das Album “Politics“, auf welchem Tellier mit dem Übersong “La ritournelle“ ein regelrechter Glücksgriff gelang. Akustische Neuinterpretationen seiner Songs gab es auf der Compilation “Sessions“ zu hören, auf dem Ableger für den britischen Markt “Universe“ fanden sich zudem auch Teile seines Soundtracks zum französischen Film “Narco“ von 2004. Im Jahr 2007 machte sich Sébastien Tellier gemeinsam mit seinem Pariser Nachbarn Guy-Manuel de Homem-Christo von Daft Punk an sein drittes reguläres Album “Sexuality“, das im Frühjahr 2008 erscheinen sollte und den ersten rein englischsprachigen Titel enthält, mit dem Frankreich am Eurovision Song Contest vertreten sein wird.

Sébastien Tellier
Diskographie:
> L'incroyable Vérité (2001)
> Politics (2004)
> Sessions (2006)
> Universe (2006)
> Sexuality (2008)


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