Unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht Sharron Kraus
immer dann, wenn sie mit ihren sentimentalen Folksongs an Vashti Bunyan
oder Josephine Foster erinnert.
„Be bold, be bold, but not too bold“ steht auf dem Torbogen, unter dem Sharron Kraus steht. Man hat das Gefühl, dass sie durch dieses Tor getreten und in einer Zeit gelandet sei, in der der Wald noch vor Leben strotzte und Tier und Mensch miteinander sprachen. Als starke Fremde und Frau bewegt sie sich in dieser neuen Welt und passt sich nur im ersten Moment an. Ihre traditionellen Folksongs sind dabei ganz genehm, aber wirklich nichts Neues. Kraus‘ gewöhnungsbedürftige hohe Stimme und Flöte gleiten über Streicher und Gitarre. In „Brigid“ fragt sie ein Pferd für einen Ritt und nimmt für einen kurzen Moment Reissaus. Stimmen und Geigen galoppieren wild und unterstützen die omnipräsente Bilderbuchatmosphäre, den freundlichen Umgang von Mensch und Tier.
Als weiblicher Robin Hood irrt sie fortan durch die Wälder, baut in „Green Man“ die Liebe zu Bäumen und Vögel auf und erlebt in der Natur Leidenschaft und Gefühle. „July Skies“ ist eine betörende Weise: Banjo und Stimme begleiten ein Pärchen, das im Wald Unterschlupf gefunden hat, aber im immer wilder werdenden Dickicht langsam verendet. Die Angetraute säuselt ihm noch lieblich zu: „Hush, dear there’s nothing to fear / No cause for alarm“, während Maikäfer über seinen Körper gehen und ihr Schicksal im Tod schon lange besiegelt ist. Um eine tödliche Romanze geht es auch in „Robin Is Dead“, in exakten Abzählreimen wird Robin besungen und die einnehmende Flötenmelodie wird allmählich von einem aufkommenden Dröhnen begleitet und verkommt in gebetsmühlenartige Ekstase.
Erst „The Prophet“ bricht aus und ist ein Gegenpunkt zu dieser romantisch düsteren Grundstimmung. Mutig wehrt sich eine Mutter gegen die Ungerechtigkeiten ihres Priesters und sucht in der Einsamkeit ihren eigenen Priester im Herzen.
Den Liedern von Sharron Kraus mangelt es meistens nicht an textlicher Tiefe, und doch fehlt in der ganzen Tradition ein wenig Halt. Von Flöten und der sich auf erstaunlich höhen Tönen bewegenden Stimme hat man schnell genug und man ist ganz dankbar, dass zum Schluss noch „Magpie Child“ folgt, eine süsse kleine Geschichte, die sich unter anderem durch instrumentale Vielfältigkeit auszeichnet. Der Zuhörer tritt somit nicht zu missmutig durch den Torbogen und kehrt in die bekannte Welt zurück.
Seit 25. April 2008 im Handel.
Anspieltipps: Brigid, July Skies, Magpie Child
Trackliste: 1) Brigid; 2) Green Man; 3) In The Middle Of Summer; 4) July Skies; 5) Harvest Moon; 6) Would I; 7) The Prophet; 8) Thrice Toss These Oaken Ashes; 9) Robin Is Dead; 10) Ruthless And Alone; 11) Made My Home; 12) Magpie Child
similar artists: Vashti Bunyan,
Marissa Nadler, Mariee Sioux, Alasdair Roberts, Meg Baird, Tau Emerald, Rusalnaia, Espers, Josephine Foster
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Bio:
Sharron Kraus aus Oxford veröffentlicht mit „The Fox’s Wedding” ihr drittes Album. Nebenbei hat sie im letzten Jahr mit zahlreichen Projekten auf sich aufmerksam gemacht: u.a Tau Emerald mit Tara Burke (The Valerie Projekt), Leaves From Off The Tree mit Meg Baird und Helena Espvall (Espers), Rusalnaia mit Gilian Chadwick (Ex Reverie) und The Feather Gatherers mit Jon Marshall. In ihrer Musik bewegt sie sich vom traditionellen englischen Folk bis zu psychedelischem Folk eines Syd Barrett. Zu ihrem Freundeskreis darf man auch Michael Gira (Angels Of Light usw.) und David Tibet (Current 93) zählen.