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Sickcity - Arkham

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von Robert Best am Mittwoch, 14. Oktober 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Postnuklearer Diskoschranz  |  Label: Little Teddy Recordings  |  Unsere Wertung: 9.0/10

ArkhamAusgehzwang und Zwangsneurose
Wer sagt denn, dass Musiker heute nicht mehr in „Schubladen“ gesteckt werden möchten? Eine Band aus München greift dem erfindungsfaulen Kritiker vor und nennt ihren Musikstil gleich selbst „Postnuklearen Diskoschranz“ sowie ihr Debüt-Album nach der Heimatstadt des Bösewichts bei Batman „Arkham” und sich selbst genau wie eine kanadische Rockband: Sick City.

Wenn es da mal nicht zu einem folgenschweren Rechtsstreit um den Namen kommt. Dabei ist hier eigentlich nur Amtsanmassung oder Irreführung im Spiel (die beiden sexiesten Straftatbestände ever also), denn das Quartett aus München bedient vermutlich eine Zielgruppe, die den kanadischen Kuttenträgern viel zu sehr aus kreischenden Indiemädchen besteht.

Und die, wie wir wissen, sind ja die Multiplikatoren schlechthin. Denen wollen die Jungs gefallen, überspielen ihnen ihre Lieblingslieder auf Leerkassetten und schauen ihnen beim verzückten Tanzen zu. Das passiert im Grossraum München nun schon seit bald anderthalb Jahren, könnte aber weiter um sich greifen.

Denn „Arkham“ ist ein Album von ausuferndem Ideenreichtum und bewegt sowohl textlich als auch musikalisch zielsicher zwischen Ausgehzwang und Zwangsneurose. Die Grundpfeiler sind Britpop und Indierock, dieses etwas heruntergekommene Wortpaar, darüber und darunter werden eingängigste Keyboardkaskaden geschichtet und gerne mal Steadybeats angeworfen, wie man sie etwa aus den besten 80er-Songs der „Ärzte“ kennt. Der Sänger ist ein passionierter Geschichtenerzähler, der seine Texte gleich gut und inbrünstig brüllen, flüstern, singen wie auch nahelegen, unterjubeln und eintrichtern kann. Am Schlagzeug sitzt ein Mann mit vielen Armen und einigem Rhythmusgefühl, wahrscheinlich der indische Gott, der im Westen so populär ist (Shiva? Vishnu?). Und zwischendrin werden immer wieder Industrial und Rave aus dem Ärmel geschüttelt.

Direkt der Einstiegssong „United We Fall“ ist eine furiose stadiontaugliche Hymne, wie sie furioser, hymnischer und stadiontauglicher kaum machbar ist. Nur unwesentlich uncooler, nämlich textlich und dramaturgisch, ist Nummer 2 „Cocaine“, eine mehr am Britpop der 90er orientierter Mitsingmoritat. Und egal wo, man schwelgt in Melodieverliebtheit  und Überschwang.

Das macht sich auch im einzigen Song mit deutschen Texten (und charmanter Schlagseite in Schlagergefilde) bezahlt: „Hals über Kopf“ passt prima aufs Album und dürfte bei einem sich schon länger ankündigenden Revival deutschsprachigen Pops auf dem angelsächsischen Markt Sick Citys Türöffner sein. Downtempo-Nummern dürfen natürlich auch nicht fehlen, wobei sich „Julia“ mit Walzertakt, gekonnt gestelztem Gesang und kontrolliertem Offensivwahnsinn besser macht als „My Daddy Said“, das sich für meine Begriffe eine Spur zu sehr im Anekdotentum gefällt. Doch nach Hits und Single-Kandidaten muss man auf „Arkham“ nicht lange suchen. Entschieden hat man sich zunächst für einen Videoclip zum Titelsong, der beim desolaten Zustand des derzeitigen Musikfernsehens aber sicher für immer nur online zu sehen bleiben wird.

Seit  31.Juli 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label  > Vertrieb

SickcityAnspieltipps:
> United We Fall
> Julia
> No Sports
> Arkham
> Pretty Boy

Diskographie:
> United We Fall EP (2008)
> Arkham (2009)

Ähnliche Künstler:
> Franz Ferdinand
> Suede
> Late of the Pier
> Underworld
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