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Sigur Rós – Valtari

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von Michael Messerli am Samstag, 19. Mai 2012 in Neuerscheinungen   

Genre: Postrock |  Label: Parlophone (EMI)  |  Unsere Wertung: 5.5/10

ValtariDen Zauberstab verlegt
Sigur Rós haben ihre eigene Vorstellung einer Dampfwalze. Sie hatten aber auch immer ihre eigene Vorstellung von Musik. „Valtari“ wird niemanden überraschen, geht aber definitiv nicht den Weg des geringsten Widerstands.

Die Isländer gehören zu den wenigen Bands der letzten 20 Jahre, die es tatsächlich geschafft haben, Musik anders zu spielen. Dass dies auch mit ihrer Herkunft zusammenhängt, das lässt sich spätestens seit „Heima“ nicht mehr abstreiten. Die Sprache, die Klänge, die Vielfalt an Ideen bei der Instrumentierung. Und trotzdem: Auch solche Bands kommen beim sechsten Album an ihre Grenzen. Der Überraschungseffekt ist weg und die eigentliche Sperrigkeit dieser Musik wich auf „Með suð í eyrum við spilum endalaust“ endgültig zugänglicheren Liedern. Seit ihrem grossen Meisterwerk „Ágætis byrjun“ haben Sigur Rós kein einziges Album aufgenommen, dass die Qualität dieser Band in Frage gestellt hätte. Im Gegenteil: Eigentlich war jedes davon ein kleines Schmuckstück. „Valtari“ nun aber kämpft mit Widerständen. Bei der Entstehung, bei der Zusammensetzung und als Gesamtwerk. Die Band hat schon im Vorfeld zugegeben, dass es nicht einfach war, einen roten Faden zu finden.

Leider hört man das „Valtari“ an. Das Album wirkt orientierungslos, verliert sich in einzelnen Momenten. Postrock mit sehr langem Atem, dem diesmal leider die Höhepunkte fehlen. Die Songs sind einzeln und für sich genommen nach wie vor mehrheitlich wunderschöne Beispiele einzigartiger Musik – allen voran „Varúð“, das sich positiv abhebt. Die Band hat aber offensichtlich nicht den Tritt gefunden, ein Album mit neuen und frischen Ideen anzugehen, losgelöst und befreit, wie sie auf dem Vorgänger klangen. Unfertig wirkt „Valtari“ und wie Stückwerk, da vieles von früheren Ideen übernommen oder eingesetzt wurde und auf Teufel komm raus ein Album sein musste. Schlagzeuger Orri Páll Dýrason kommt eigentlich nie zum Zug, von einer Dampfwalze kann keine Rede sein und so passt auch der Albumtitel nicht. Der Titeltrack ist bestes Beispiel: Grandios beginnt der Song, entwickelt sich aber nicht mehr weiter. Und es geht dem ganzen Album so. Wäre der Titeltrack ein Stück unter acht dynamischeren, wäre er ein absolutes Highlight. Aber die Verschlafenheit von „Valtari“ lässt zu diesem Zeitpunkt keine Jubelschreie mehr zu. Ein Song wie „Rembihnútur“ ist für Sigur Rós keine Anstrengung mehr, am Schluss bereits fast plump. Der Beginn mit „Ég anda“ klingt sehr vielversprechend. Sigur Rós haben es sicher versucht. Wenn am Schluss aber „Fjögur píanó“ nicht einmal mehr der Einzigartigkeit der Band Rechnung trägt, sondern belanglos vor sich hin klimpert und unmotiviert ausläuft, dann muss man leider zugeben: Diesmal sind sie gescheitert.


Seit  25. Mai 2012 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Ég anda
> Varúð
> Varðeldur

Diskographie:
> Von (1997)
> Ágætis byrjun (1998)
> (  ) (2002)
> Takk... (2005)
> Með suð í eyrum við spilum endalaust (2008)
> Valtari (2012)

Ähnliche Künstler:
> Godspeed You! Black Emperor
> Múm
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