Man sinkt in schimmernde Klangteppiche und es fühlt sich an, als ob man durch endlose Weiten fliegen würde; entrückte Melodien lassen die Gedanken vom Alltäglichen zum Grundlegenden abschweifen, die Wahrheit scheint plötzlich zum Greifen nah; Jón Thor Birgissons engelsgleiches Falsett drückt Sehnsucht und Melancholie in ihrer reinsten Form aus. Sigur Rós sind ihrem bewährten Stil auf dem neuen Album „Takk…“ („Danke…“) treu geblieben.
Doch Stillstand gleicht den vier Isländern nicht. Rein formal fällt auf den ersten Blick auf, dass die Songs nach der Namenlosigkeit von „( )“ wieder richtige Titel tragen und auf Isländisch anstelle der Kunstsprache Hopeländisch gesungen werden (was nicht zwangsläufig zum besseren Verstehen der Lyrics beitragen muss). Auf den zweiten Blick bemerkt man, dass sich zwischen die gewohnt genialen Songstrukturen neue Elemente gemischt haben: Plötzlich spielen Brass-Instrumente auf, „Gong“ ist dezent mit Breakbeats unterlegt. Der dritte Blick bestätigt: „Takk…“ ist das bisher eingängigste und massentauglichste Album der vier Isländer, ohne dabei etwas von deren wohlbekannten Qualitäten einzubüssen. So brilliert Jón Thor Birgissons elfenhafter Gesang im sanft beginnenden und zum fulminanten Crescendo hinstrebenden Opener „Glósóli“ (http://www.sigur-ros.is/sirkus.html : der Clip zum Song, unbedingt anzusehen!), „Milanó“ bietet mit seiner Spieldauer von 10:25 genug Platz, um die Freuden eines genialen Songkonstrukts voll auszukosten.
Sigur Rós können pathetisch sein, ohne dabei ihre Leichtigkeit einzubüssen – eine selten zu findende Eigenschaft. Ihre Musik ist eine Sache der überwältigenden Emotionen (vor allem, da die Texte für die meisten Zuhörer unverständlich sind), doch sie vollbringen auch auf „Takk…“ das Kunststück, nicht dem Kitsch zu verfallen. Mag „Takk…“ auch nicht ganz an das Meisterwerk heran kommen, das „Ágætis Byrjun“ war. Zum Träumen von Freiheit und Leichtigkeit, zum Fliegen über blühende Landschaften und zerklüftete Bergwelten, zum Eintauchen in die magische Welt von Sigur Rós reicht es allemal.
Seit 12. September 2005 im Handel.
Anspieltipps: Wie immer bei Sigur Rós gilt: unbedingt das ganze Album anhören! Höhepunkte sind innerhalb der Songs zuhauf zu finden.
Trackliste: 1)Takk…; 2) Glósóli; 3) Hoppípolla; 4) Með Blóðnasir; 5) Sé lest; 6) Sæglópur; 8) Milanó; 9) Gong; 10) Andvari; 11) Svo Hljótt; 12) Heysátan
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> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb Bio: Die Band Sigur Rós („Victory Rose“) wurde 1994 von vier jungen Isländern gegründet, Jón Thor Birgisson (Vocals, Gitarre), Kjartan Sveinsson (Keyboards), Orri Páll Dýrason (Drums) und Georg Holm (Bass). Nach ihrem ersten Album „Von“, das nur in Island veröffentlicht wurde, und dem Remix Album „Von Brigði“, gelang Sigur Rós mit „Ágætis Byrjun“ der Durchbruch. Vor allem in Nordamerika war der Hype um die vier Isländer gross, ihre US-Tour im Frühling 2001 war nach kurzer Zeit ausverkauft. Das unbetitelte Album „( )“ erschien 2002. Es bildete eine melancholischere und düsterere Nachfolge zu „Ágætis Byrjun“ und ist ganz in der von Jón Thor erfundenen Kunstsprache Hopelandic gesungen. Mit „Takk…“ erscheint 2005 das langersehnte neue Album von Sigur Rós.
Diskographie: > Von (1997)
> Von Brigði (Recycle Bin) (1998)
> Ágætis Byrjun (1999)
> ( ) (2002)
> Takk… (2005)