Mit „The Story Is Complete,…“ legen uns die Berliner
Siva ein gelungenes Gitarrenpop-Debut vor, mit dem nicht bloss Freunde
der melancholischen Seite von Jimmy Eat World warm werden dürften.
Diese CD macht bereits ungehört viel Freude. Das wunderschön gestaltete Digipak ist entsprechend dem Albumtitel wie ein Buch gestaltet, liest sich hochkant und lebt neben offen interpretierbaren Textfragmenten insbesondere von den farblich fein abgestimmten Illustrationen von Romy Büchel, die auch in gedruckter Form viel von der Handschrift der Künstlerin rüberbringen.
„Opinion Leader“, der erste Song des Albums, beginnt relaxt mit Piano und erinnert mich mit dem Einsatz des synthetischen Beats, der sanft gesungen Strophe und dem leichten Gitarrengezupfe etwas an die belgischen Talente von The Go Find. Sehr gelungen ist die Kombination aus elektronischen Beats und dem organisch klingenden Schlagzeugsound. Die etwas vertrackte Rhythmik wird mit dem Anschlagmuster der Gitarre aufgenommen und die vereinzelt hereinbrechenden verzerrten Akkordteile machen „Opinion Leader“ zum repräsentativen Opener mit starkem, abwechslungsreichem Songwriting.
Die meisten der Songs bestehen aus dem Grundgerüst von Gitarre und Gesang. Eigentlich klassische Popsongs, dazu kommen aber allerlei andere Einflüsse, die dem Sound zu mehr eigener Identität verhelfen, wobei Siva in dieser Hinsicht wohl noch nicht am Ziel angelangt sind. Sehr deutlich vernehmbar ist beispielsweise die Verwandtschaft einiger Titel (Sleepie, Backdoors / Trapdoors) zu Radiohead, was sich sowohl beim Gesang, wie auch dem Einsatz der Elektronik niederschlägt. Gelungen finde ich die postrockigen Stilelemente, mit denen einige Songs zum Ende hin instrumental ausgebaut werden. Der Gefahr, den Song dabei zu verlieren entgehen Siva meist – leider aber nicht beim Schlusstrack des Albums „Backdoors / Trapdoors“. Bei diesem Stück hätte ich mir gewünscht, dass die Band nach dreieinhalb Minuten dem Ende entgegenrockt, statt zusammenzusacken und einen nochmals so langen, zwar ordentlich gemachten, aber dennoch unspektakulär und radiokopflastigen Schluss zu konstruieren. Live kommt das vielleicht ganz ok rüber, als Abschluss des Albums ist dieser letzte Eindruck einfach nur dommage!
Wenn man sich allerdings die turbulente Entstehungsgeschichte des Albums vor Augen führt und die zahlreichen gelungen Kompositionen als Massstab nimmt, wird schnell deutlich, dass Siva ein grosses Potenzial haben und wohl noch längst nicht alles Pulver verschossen haben. Als Beispiel möchte ich „Gift Of Reading Palms“ aufführen, zu dem man von der Gitarre mit einem Shuffle Rhythmus eingeladen wird, bevor einen das vertrackte Schlagzeug an der Nase herumführt. Im Refrain wird man dann aber mit breiten Akkorden und offenen Armen empfangen. Ein vielseitiger Song im 6/8 Takt, mit schönen Melodien, gelungenen Breaks und einem tollen Feeling – mein Favorit.
Während man bei Jimmy Eat World mittlerweile den Eindruck bekommt, dass diese opulenten Produktionen grosse Hallen fast schon brauchen, fühlt man sich bei Siva irgendwie freundlich aufgenommen, das Feeling der Songs ist auf reduzierte, aber berührende Art eingefangen, schafft eine angenehm intime Atmosphäre und macht „The Story Is Complete, But I Think We’ve Lost The Book“ zu einem gelungenen und vielversprechenden Debut.
Seit 9. November 2007 im Handel.
Anspieltipps: Opinion Leader; We’re Off Air; Gift Of Reading Palms
Trackliste: 1) Opinion Leader; 2) We’re Off Air; 3) This House Is Empty; 4) Duo Loss; 5) Sleepie; 6) Nibiru; 7) Open; 8) Gift Of Reading Palms; 9) Method: Acting; 10) Backdoors / Trapdoors
similar artists: Jimmy Eat World,
The Go Find, Aerogramme
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Bio:
Siva aus Berlin veröffentlichten ihr selbstbetiteltes Debutalbum im CD-R Format in Eigenvertrieb. Das hier besprochene Album ist das offizielle Debutalbum und erscheint auf Devil Duck Records. In den Jahren dazwischen hat die Band jeweils Aufnahmen anlässlich von Tourneen ebenfalls im CD-R Format hergestellt und verkauft.
Die Entstehung von „The Story Is Complete,…“ hat eine längere Geschichte: Anfangs 2006, damals noch als Trio mit Laptop, begaben sich Siva in die Obhut von Thom Kastning (Kate Mosh, Sinnbus Network) um mit den Aufnahmen zu beginnen. Durch den Kontakt zu Nils Frahm, der heute für die Keyboards bei Siva zuständig ist, ergaben sich plötzlich neue soundtechnische Möglichkeiten, die die Band ins Album einfliessen lassen wollte. Aus Zeitgründen verliessen allerdings zwei Mitglieder die Band – Andreas Bonkowski (Gesang, Gitarre) und Nils standen mit einem fertigen Album aber ohne Band da. In der Folge stiessen Sebastian Singwald (Keyboards, Bass) und Jens Gathemann (Schlagzeug) zu Siva. Endlich wieder fähig live zu spielen, machte die Band 2007 ausgiebig davon Gebrauch, unter anderem als Support von Portugal. The Man. Diese Tage ist nun ihr vielversprechendes „Debutalbum The Story Is Complete But I Think We’ve Lost The Book“ erschienen.