Auch wenn der Sänger von Madrugada mit dieser Aufgabe
eigentlich nicht ins kalte Wasser geschubst wird, so richtig gelingen
will die Ersatzrolle nicht. Gut ist seine zweite Soloplatte "Exiles"
schon, aber nicht annähernd so, wie eine des Herrn Cave; nein, nein,
nein! Trotzdem, auf in die französische Seeschlacht vor La Rochelle!
Wirklich ganz falsch macht Hoyem nichts; richtig sogar einiges. Das Ziel, ein Album zu produzieren, welches sich künftig in der Reihe der Wichtigen einstellen dürfte, wurde dann doch einigermassen deutlich verfehlt. Nett könnte das lieb-böse Prädikat für "Exiles" sein - eine Art "Nick Cave And The Bad Seeds-Light-Version". Folgende Gründe sprechen dafür:
1.Der angedeutete Spannungsbogen auf "Exiles" wird immer und immer wieder durch mittelmässige und teils sogar stark abfallende Songs abgebaut und muss stets mühsam von Neuem erzeugt werden.
2.Die sehr wohl markante und angenehme Stimme des Madrugada-Sängers passt teils ganz schlecht in die gewählte Soundkulisse der Band bzw. umgekehrt.
3.Die Musiker offerieren ferner teils unnötig unpräzise, meist zu wenig abgehangene, schlicht zu wenig nach hinten gespielte Instrumentalarbeit. Dies ist neben obgenannten Aspekten ein weiterer Grund, warum das Feuer zumeist lediglich lau lodert.
4.Die Produktion hätte einen Zusammenstreicher benötigt (Head?), welcher alle die 4.5 bis 5 Minuten-Songs gestrafft und frisch gehalten hätte – lang dauernde Songs sind mitunter etwas vom Schwierigsten.
Nun, nach diesen vier Ungeboten noch eine Bemerkung zwecks Schadensbegrenzung/Reputation: 3.5 Punkte oder eben Sterne, das sind nicht wenige. Verstehen wir uns bitte richtig; Sivert Hoyem hat z.T. ganz wunderbare Songs für "Exiles" verfasst (gerade z.B. den Titeltrack), aber irgendwie war die Umsetzung dann scheinbar zu wenig kritisch oder zu hastig erfolgt. "Exiles" hätte wirklich auf einfache Weise besser, sicher stimmiger geraten können. Wären noch zwei, drei Songs ins Exil geschickt und durch bessere ersetzt worden, dann aber Hut ab!
Der Mann kann was, solo oder mit Madrugada. Ich für meinen Teil bleibe wohl nach "Exiles" dabei und werde künftig lieber Madrugadas "Industrial Silence" oder eben den Backkatalog des Herrn Cave auflegen...
Seit 30. März 2007 im Handel.
Anspieltipps: Love, Leave Me Alone; Exiles; Arcadians
Trackliste: 1) Love, Leave Me Alone; 2) January 3rd; 3) Don't Pass Me By; 4) Exiles; 5) Arcadians; 6) Into The Sea; 7) Just A Little Closer Now; 8) Horseshoes; 9) Black Cross; 10) I've Been Meaning To Sing You The Song
similar artists: Madrugada, Johnny Cash, Michael Stipe, Nick Cave
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Bio:
Wer in 200 Jahre alten Büchern seine Inspirationsquelle sieht, wird wohl verdammt dazu sein, fasziniert und inspiriert über die kriegerische Vergangenheit der Menschheit zu berichten. Bei Sivert Hoyem – der uns allen bekannte Sänger der norwegischen No. 1 Band Madrugada – ist das eben so. Im Falle von "Exiles" küsste ihn die Muse – getarnt als die Schiffsschlacht vor La Rochelle – mit der Absicht, heroische Musik entstehen zu lassen.
Die Solo-Pfade dienen dem ansonsten bereits sehr erfolgreichen und beschäftigten Sänger von Madrugada um Überdruck bzgl. Kreativität abzubauen. So kam es, dass die Stücke zu "Exiles" vornehmlich in der Weihnachtspause 2005, nach einem ausgefüllten Tourjahr Madrugadas (The Deep End), entstanden. Zusammen mit seinem Partner In Crime – Fredrik Viklund – dem Produzenten Head (u.a. P.J. Harvey, Marianne Faithfull) entstand der zweite Solowurf in Norwegen.