Ben Chasnys gibt den Unkundigen und Unzufriedenen
nochmals eine Chance und lässt beim zehnten Album in zehn Jahren alle
Sinne zum Zug kommen. Herzlich willkommen, Zugang gewährt.
Doch bevor die Party eröffnet ist, tobt er sich in seinem Element noch ein bisschen aus. Der Opener „Alone With The Alone” ist genau das, wofür er sich seit geraumer Zeit einen Namen gemacht hat. Die akustische Gitarre plätschert dahin, die Becken werden arhythmisch gespielt, ein Gitarrensolo brettert und zwei Minuten lang wird der Titel hingehaucht. Ben Chasny vollbringt das Kunststück, einen einzigartigen Sound zu erzeugen und bereitet sich auf die kommenden Leute vor, als würde er wissen, wie die Party ausgeht. Im Schnelldurchgang und vermischt spielt er sich durch.
Als ersten Besucher stellt sich Elisa Ambrogia vor. Sie begleitet Chasny auf dem ungewöhlich sparsamen und folkigen “Strangled Road” im Duett. Chasny präsentiert sich dabei als Songwriter und überlässt das Gitarrensolo deshalb dem ebenfalls versierten und nicht unbekannten Bonnie “Prince” Billy-Freund und Chavez-Gitarristen Matt Sweney.
Melancholisch ruhig geht es weiter. Beim ersten Glas Wein unter den wenigen Gästen erinnert er sich an den Vorabend, an die unmittelbare Vergangenheit. Die Gläser klingen, aber das Herz brodelt. Die Cymbals klirren, die Gitarren dröhnen, “Jade Like Wine”. Im festlichen Winter denkt er an den düsteren Herbst zurück.
Spätestens bei “Coming To Get You” hat sich die Mehrheit der Festgemeinde eingefunden. Zögerliches Antasten, Wiedererkennen, sich in der Masse unwohl fühlen, Streit und Wut treten auf. “It ain’t between who we know” merkt man beiläufig. Doch nach der vierten Minute wird alles aufgehoben, am Tisch gerüttelt, den Emotionen freien Lauf gelassen, Chasny haut mittendrin auf den Putz. Alle geniessen die bittersüsse Stimmung. “Goddess Atonment” ist ohne Worte, ein Pianist tritt auf, man umarmt sich, tanzt mal umschlungen, mal versucht man sich frei. An diesen Moment wird man sich erinnern, wenn es sogar noch länger dauern dürfte.
Six Organs Of Admittance sind offener und zugänglicher geworden. Man sieht aber beim Titelsong zum Beispiel, dass Chasny nicht alles überzeugend übermitteln kann.
Abschliessend sagt er zwar anmutig “Goodnight”, aber am Boden türmen sich die Resten und auf den Sofas liegen die Freunde. Doch man kennt ihn langsam, schon nächstes Jahr wird es wieder bunt.
Seit 26. November 2007 im Handel.
Anspieltipps: Jade Like Wine, Goddess Atonement
Trackliste: 1) Alone With The Alone; 2) Strangled Road; 3) Jade Like Wine; 4) Coming To Get You; 5) Goddess Atonement; 6) Final Wing; 7) Shelter From The Ash; 8) Goodnight
similar artists: Thee Silver Mt. Zion, Eagles, Castanets, Bert Jansch, Espers, Vetiver, Pink Floyd,
Randall Of Nazareth
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Bio:
Als Gitarrist von Plague Lounge oder festes Mitglied von Comets On Fire kennt man den Kalifornier Ben Chasny. 1998 gab es das erste Lebenszeichen von Six Organs Of Admittance. Sein Stil, experimenteller Rock mit verschiedensten Perkussionsinstrumenten, vollzieht er auf all seinen Alben und zog schon schnell die Aufmerksamkeit von Drag City auf sich.