Knapp
zwei Jahrzente nach der Gründung gibt es nun die erste Retrospektive
der Dunkelfolk-Band aus Denver, die sich vor sechs Jahren „wegen
politischer und spiritueller Differenzen“ auflöste.
Religion war immer ein wichtiges Thema für Sänger David Eugene Edwards. Kein Wunder, zog er doch nach dem frühen Tod seines Vaters stets mit seinem Grossvater, einem der berühmten Feuer- und Schwefel-Prediger durchs Land. Tatsächlich scheinen diese Erfahrungen Edwards nachhaltig beeinflusst zu haben, und so kann man hier, geführt von seiner bebender Stimme, eine akustische Reise durch die karge Prärie der Vereinigten Staaten antreten. Die Begleiter auf diesem Trip haben sich über die Jahre hinweg allerdings geändert: Neben archaischem Instrumentarium wie einer alten Concertina (die später, wohl während einer Tour, einfach auseinander fiel) und dem Banjo, das von Anfang an dabei war, kamen mit der Zeit oft auch angriffslustige elektrische Gitarren dazu, was besonders das zur Jahrtausendwende erschienene „Secret South“ zu einer bemerkenswerten Mixtur aus Krach und Country machte, und teilweise sehr an die Western-Soundtracks des meisterhaften Ennio Morricone erinnerte. Die erste Hälfte von „Yours Truly“, die einen von Fans ausgesuchten Querschnitt durch die Diskografie gibt, ist aber auch deswegen interessant, weil sich zeigt, wie gut schon die ersten Alben waren: „Sackcloth´n Ashes“, das Debüt, ist mit knochigen Country-Epen wie „Black Soul Choir“ und „American Wheeze“ vertreten.
Der zweite Teil ist eine chronologische Zusammenstellung von Raritäten: Singles, Cover-Versionen, Demos und Radio Sessions. Dadurch sind auch fünf Lieder in nur unwesentlich abgeänderter Form doppelt vertreten, was vielleicht vermeidbar gewesen wäre. Vorher kaum bekannte Seltenheiten machen das aber wieder wett, „The Partisan“ zum Beispiel ist eine brilliante Coverversion der französischen Wiederstandshymne. In Zusammenarbeit mit Noir Desir gelang es Sixteen Horsepower, dieses Dokument des Kriegsgrauens noch langsamer und druckvoller als das Original zu spielen. Und auch das kräftig lärmende The Gun Club-Cover „Fire Spirit“, ursprünglich die B-Seite, kann auf ganzer Linie zu überzeugen und zeigt mal wieder, wie reizvoll es ist, wenn die aufgekratzte Atmosphäre des Punk und Grunge mitschwingen.
Besonders beeindruckend ist es, was Sixteen Horsepower mit all dem losgetreten haben. Auf dem Pioniergeist der ersten Tage beruht eine ganze Reihe von Bands, deren Sound wir als Doomfolk, Gothic Country und unter vielen anderen Namen kennen. Und da wären natürlich noch US Christmas, Crippled Black Phoenix und viele ähnliche Gruppen, die an der Schnittstelle von Psychedelik und Folk operieren, welche Sixteen Horsepower auf ihren späteren Alben bereits erforschten. Hat man noch nichts von dieser Band im Regal stehen, und ist modernen Interpretationen des Folk und Country nicht partout abgeneigt, hat man hiermit die Gelegenheit, sich einen umfassenden Überblick über eine der außergewöhnlichsten und wichtigsten Bands des Genres ins Haus zu holen.
Seit 2. September 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Cinder Alley
> The Partisan
Diskographie:
> 16 Horsepower EP (1995)
> Sackcloth ´N´ Ashes (1995)
> Low Estate (1997)
> Secret South (2000)
> Folklore (2002)
> Olden (2003)
Ähnliche Künstler:
> Wovenhand
> Nick Cave & The Bad Seeds
> Crippled Black Phoenix
> Lilium