Genre: Free Jazz, Post-Rock | Label: Tomlab | Unsere Wertung: 7.5/10
Eine Kiste Konterbier
„Halllo exit music, da wir in Zeiten der Krise nur noch begrenzt Promos
als Tonträger versenden können, hier ein Link zum Skeletons-Album.“ Die
Musikindustrie liegt danieder und sorgt sich – Stichwort „Raubkopien“ -
um die Absatzmöglichkeiten ihrer Produkte.
Heute bekommt nicht mehr jeder dahergelaufene Musikkritiker mit herzlichen Grüssen sein Rezensionsexemplar zugeschickt. Also ein Link. Ohne Download-Möglichkeit. Das ist weder praktisch noch stilvoll, muss ein Album, das rezensiert wird, doch eigentlich jederzeit zugänglich sein und sich in verschiedensten Situation erproben lassen. Wie ein Bier, das du, wenn du es wirklich testen willst, nicht nur als Einzelflasche kaufst, sondern am besten gleich in der Kiste, um es nicht nur zum Abendbrot, sondern auch auf dem Weg in den Club zu trinken, wenn du besoffen nach Hause kommst sowie am nächsten Morgen als Konterdrink.
Doch schon beim ersten Durchlauf von „Money“ kommen Zweifel auf, ob sich dieses Album überhaupt so universell einsetzen ließe wie ein frisches Pils. Wenn wir schon bei der Gerstensaftmetapher bleiben (die wir aber, Ehrenwort, gleich wieder loswerden), dann können die Skeletons nur eine Disziplin: das Konterbier am Morgen. Anders als verkatert, also ziemlich interesselos, kann und sollte man sich die Platte nicht anhören. Dann aber unbedingt. (Dazu reiche man ein kühles Bierchen. Nun gut.) Hier trieft es nur so von Krautrockrhythmik und Freejazz-Durchgeknalltheit. Dazu schmachtet und croont ein Sänger, der als Wiedergeburt von David Byrne und Morrissey durchginge, wären die beiden heute nicht eine Art statesmen geworden, sondern gestorben.
Dass „Money“ wie ein Konzeptalbum klingt, ist dann auch nicht weiter abwegig und vor allem der überbordend zu Schau gestellten Musikalität geschuldet. Für den Hausgebrauch ist das manchmal doch zu ausfasernd, und beim Geschirrabwaschen könnte da schon mal ein Teller zerspringen, was zu bösen Verletzungen führen kann. Die Skeletons toppen locker alle 7/8 und disharmonische Strukturen, die in letzter Zeit ja auch auf anderen Indie-Veröffentlichungen Eingang fanden. Was anderes als Hits kann dem Quintett aus Ohio trotzdem nicht herausspringen.
„The Things“ etwa ist so einer: tanzbar wie ein Walzer und verstörend wie ein Molotow-Cocktail. Oder der letzte Song „Eleven ITLL Rain“: zart schmelzender Gesang trifft auf nervösen Bass und melancholische Bläser, alles explodiert in einem großen Big-Bang-Tumult, fängt sich wieder und klingt besoffen torkelnd, dabei aber überaus majestätisch aus mit der großen Wahrheit: „A memory’s still a memory, if you saw it on TV or in a dream or if you heard it on the streets.“
Seit 07. Oktober 2008 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Anspieltipps:
> The Things
> Dripper
> Eleven ITLL Rain
Diskographie:
> Life and the Afterbirth (Shinkoyo, 2003)
> I'm At The Top Of The World (Shinkoyo, 2004)
> Git (Ghostly International, 2005)
> Lucas (Ghostly International, 2007)
> Deity of Hair (free release on skeletons.tv, 2007)
> Money (Tomlab, 2008)
Ähnliche Künstler:
> Can
> Talking Heads
» 1 Kommentar
1Kommentar am Samstag, 17. Januar 2009 16:52
übrigens live am EAR WE ARE in der alten Juragarage in Biel zu bestaunen, 5-7.2.09 - www.earweare.ch
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