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Snow Patrol – Eyes Open (2006)

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von Rudolf J. Merkle am Mittwoch, 14. Juni 2006 in Neuerscheinungen   
Genre: Rock/Pop
Label: Polydor/Fiction-Records
CH-Vertrieb: Universal Music
Unsere Wertung:Snow Patrol – Eyes Open (2006)

Beherrschter, sich verkaufender, glatter Britpop.
Snow Patrol – Eyes Open (2006)Snow Patrol haben ihren Nummer-Eins-Hit. Na also.

Wir freuen uns mit den sympathischen britischen bzw. irischen bzw. schottischen Musikern darob, dass sie Mitte Mai mit der Single-Auskopplung ‚You're All I Have’ die Spitze der britischen Charts gestürmt haben. Bravo.
Das vorliegende Album bestätigt die bisherigen Arbeiten des Quintetts: Bisweilen haarscharf an der Grenze zum Kitsch operierend (wo das Ohr hinhört, schwelgen Streicher), basierend auf einer nicht weiter störenden, nach Charisma strebenden Stimme des Sängers Gary Lightbody, wird einem allgemein zugängliche Unterhaltungsmusik mit Gitarre (‚It's Beginning To Get To Me’), poppig eingesetzter Rhythmusinstrumentierung und netten dezenten elektronischen Einsprengseln (,Shut Your Eyes’) geboten, oftmals zugegebenermassen mit einem Drive, der einen unversehens im Takt bewegen lässt (,Headlights On Dark Roads’; ‚It's Beginning To Get To Me’) – alles qualitativ hoch stehend produziert.
Sollte bei Gelegenheit ein Mangel an ‚Bravo-Best-of-Love-Songs“ festzustellen sein, springen Snow Patrol problemlos in die Bresche (‚Chasing Cars’; ‚You Could Be Happy’; ‚The Finish Line’); allerdings ist zu diesem Behufe mit Vorteil auf ‚Run’ des vorigen Albums zurückzugreifen – derart viel akustische Weichspülerei gab’s selbst in den bis zur Grenze des Erträglichen romantischen Achtzigern nicht besser. Die Kindermelodie zu Beginn von ‚ You Could Be Happy’ lässt den Rezensenten allerdings die gute Laune etwas vergessen: Nein, wie man solche Sequenzen intelligent verwendet, haben The Smiths in ‚Asleep’ vor Dekaden trefflich vorgemacht.
Das doch alles in allem berührende Duett mit Martha Wainwright (‚Set The Fire To The Third Bar’) zeigt, dass sich zwei Stimmen durchaus zu ergänzen vermögen. Natürlich ist auch dieser Titel kitschig – na und? Wir erlaben uns an der Feinfühligkeit für die Melodie, eingedenk der Tatsache, dass diese Attitüde nichts mit tatsächlich interessanter Musik zu schaffen hat. Na und?
Bisweilen sind die Stücke – mit Verlaub – gar episch-ausladend angelegt. Dem grossen Tamtam im Intro folgt eine abgeschmackte Idee, die man von U2 in den Achtzigern – und neuerdings wieder vermehrt – offen gesagt besser gehört hat (‚Open Your Eyes’). Das riecht nach banalem Kopieren des Kathedralstils der Vorbilder und muss nun wirklich nicht sein. War übrigens die Chor-Passage in ,Shut Your Eyes’ gleichermassen als ein aufplusterndes musikalisches Element gedacht? Auch das muss nicht sein. Die pathetische Geste wird nicht vollständig misslingen, wenn sie mit einer der passenden Melodie nicht allzu lange temperiert zelebriert wird (,Chasing Cars’).
Nach eigenem Bekunden hat sich Sänger und Songwriter Lightbody die Texte nachgerade abgerungen und ist mit dem Resultat zufrieden. Er scheint ein selbstzufriedener Mensch zu sein: „All this feels strange and untrue/And I won’t waste a minute without you …“. Solch erhebenden Inhaltes sind die meisten Lieder. Hmh, da lese man mit mehr Gewinn gute Lyriker.
Nun gut, ‚Open Eyes’ ist ein angenehmes, nettes, flockiges, nie aufdringliches Album, das sicherlich keinen Anspruch auf Innovation zu erheben hat. Es wird einige Leute reich machen, aber keine bleibenden Spuren hinterlassen. Das ist nicht weiter schlimm, das ist auch nicht grossartig. Es ist zu konstatieren.

Unsere Ansicht: unbedingt selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.


Seit 28. April 2006 im Handel.

Anspieltipps: Chasing Cars; Shut Your Eyes; Set The Fire To The Third Bar
Trackliste: 1) You're All I Have; 2) Hands Open; 3) Chasing Cars; 4) Shut Your Eyes; 5) It's Beginning To Get To Me; 6) You Could Be Happy; 7) Make This Go On Forever; 8) Set The Fire To The Third Bar; 9) Headlights On Dark Roads; 10) Open Your Eyes; 11) The Finish Line
similar artists: The Killers, U2

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:

Der Sänger und Kreativchef Lightbody und der Drummer Quinn, beide ursprünglich Iren, haben sich 1994 in Dundee zusammengetan. Der Bassist McClelland verliess vor ‚Eyes Open’ die Band, und wurde ersetzt durch Paul Wilson. Darüber hinaus stiess mit Tom Simpson ein weiteres Mitglied dazu.
1997 publizierten das Trio Lightbody/Quinn/McClelland unter dem Namen Polar Bear auf dem Electric Honey-Label aus Glasgow. Als Snow Patrol veröffentlichten sie zwei weitere Alben: ‚Music For Polar Bears’ (1998) und ‚When It’s All Over We Still Have To Clear Up’ aus dem Jahr 2001. Zwei Jahre darauf wechselten sie zu Polydor/Fiction-Records und begannen mit der Arbeit an ‚Final Straw’. Mit dem Album gelang unter der Ägide des Produzenten Garret Lee der Durchbruch. Unter anderem waren Snow Patrol auch als Supporter von U2 (‚Vertigo-Tour’) tätig.

Snowpatrol
Diskographie:
> Music For Polar Bears (1998)
> When It’s All Over We Still Have To Clear Up (2001)
> Final Straw (2004)
> Eyes Open (2006)


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