Genre: Punkrock | Label: Epitaph (Phonag) | Wertung: 6.5/10
Still alive
Den Begriff „Kultstatus“ haben sie schon seit langer Zeit in der Tasche. Hätte also wirklich jemand ernsthaft erwartet, „Hard Times and Nursery Rhymes“, das neue Album von Social Distortion, würde nicht nach ihnen klingen? Eben. Auch mit längeren Auszeiten haben sie es geschafft, in den Gedächtnissen der Öffentlichkeit zu bleiben.
Manchmal muss man sich von seinem Image lösen, um nicht lächerlich dazustehen. Bei Social Distortion und Mike Ness war das nie notwendig. Für Ness ist Musik mehr als eine blosse Unterhaltungsdienstleistung. Vermutlich war das immer schon so und es hat sich bis zum heutigen Tag nicht geändert. Eigentlich kein Wunder, gilt doch „his nessness“ in der Punk-Szene nicht nur als Wegbereiter des Punkrocks, sondern auch als allgemeines Vorbild. 30 Jahre im Geschäft, und immer noch kein bisschen müde – so präsentiert sich der stets authentisch wirkende Sänger in diesen Tagen. Er pflegt seinen eigenen, unverwechselbaren Stil in sämtlichen Belangen.
Wo Ideale und Jugendkultur kommerzialisiert werden, verhalten sich Social D. wie eine gesicherte Bastion. Sie geben glaubwürdig zu verstehen, dass ihre künstlerischen Vorstellungen und die persönlichen Einstellungen existenziell mit der Musik verknüpft sind. Auf dem neuen Album geht es um Intensität, nicht um Glamour.
Der mit „Road Zombie“ betitelte, instrumentale Opener schlendert sich in bester Form in die Gehörgänge. Er reisst einen sofort mit und man sieht es funkeln. „California (Hustle and Flow)“ klingt so, wie man es hinter diesem Namen vermuten wurde – sonnig, in sich stimmend, ausgeglichen und zufrieden.
„Hard Times and Nursery Rhymes“ hat ein authentisches Gerüst, wodurch weniger gute Songs („Diamond in the Rough“, „Bakersfield“, „Writing on the Wall“) ohne Probleme mitgetragen werden. Es sind durchaus schön markante Popmelodien vorzufinden („California“, „Gimme the Sweet and Lowdown“, „Machine Gun Blues“, „Far Side of Nowhere“, „Can’t Take It With You“). Eigentlich möchte man bei diesen Klängen in die Rumpelkammer gehen, sein Skateboard herausnehmen und damit ein bisschen durch die Stadt fahren – wie in alten Tagen.
Social Distortion sind anno 2011 eine Band, die ihre Dämonen kennt, den Sprung in ein zweites Leben jedoch geschafft hat - mit Nachhaltigkeit. Es ist bestimmt kein Zufall, dass der letzte Song der Platte gerade „Still Alive“ heisst.
Seit 14. Januar 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Road Zombie
> Gimme the Sweet and Lowdown
> Machine Gun Blues
Diskographie:
> Mommy's Little Monster (1983)
> Prison Bound (1988)
> Social Distortion (1990)
> Somewhere Between Heaven and Hell (1992)
> White Light, White Heat, White Trash (1996)
> Sex, Love and Rock 'n' Roll (2004)
> Hard Times and Nursery Rhymes (2011)
Ähnliche Künstler:
> The Clash
> Bad Religion
> Dead Kennedys