Tonrosen, Dunstwolken und lange, epische Popschwergewichte:
Gut gemacht, aber nicht greifbar und so anstrengend wie ermüdend.
Songs Of Green Pheasant ist ein Plural. Dahinter befindet sich, wie könnte es anders sein, eine einzelne Person, nämlich Duncan Sumpner. Auf „Aerial Days“ tut er alles, um dem Albumnamen in keinster Weise gerecht zu werden. Die sieben Songs lange Platte ist nämlich alles andere als luftig: Die Stimme wird oft mit Hall unterlegt, redet schwer und verschwommen. Die Geräusche tönen nach dunklen Orten, die Gitarren färben nur punktuell mal einen Abschnitt in Schwarz ein, die Melodien wirken schwermütig und hilflos. Man könnte auch von einer umgekehrten Tragödie sprechen, denn die Lieder sind keineswegs im Jammerton verfasst worden, klingen aber trotzdem fürchterlich unglücklich und unzufrieden.
„Remembering And Forgetting“ ist das erste richtige Epos auf „Aerial Days“ und wird von Minute zu Minute schwerer. Es klingt wie der aufsteigende Rauch im Industrieviertel. Die entsprechende Fabrik stellt indes Steinblumen her. In „Wolves Amongst Snowmen“ wird man diese wieder erkennen; das eigentlich schöne, blühende Leben verbirgt sich hinter breitem, voluminösem Gewand von Rhythmus, Melodie und Treibsand. „Aerial Days“ ist keine Einladung, sondern eine Ausladung. Und am Besten in denjenigen Momenten zu hören, wo dunkle Wolken den Himmel zieren, eine Absage einer langersehnten Reise eintrifft oder der Strom einfach so abstellt. Hinzuzufügen ist, dass die sieben Songs nicht nur schwer, sondern auch schwer fassbar sind. Sie sprudeln nicht gerade vor Energie und auch wenn allerlei Geräusche vorkommen, ist diese Musik stets das Gegenteil von Innovation. „Auch Stars Form Birds“ ist so eine unverschiebbare Statue, kann dann aber – wie durch ein Wunder – plötzlich zu sprechen beginnen und verändert dabei seine Farbe. „Dear Prudence“ fehlt dann endgültig der neue Impuls und die Dunstwolke wird zum dicken Nebel, ermüdend, starr und unattraktiv. Eigentlich ist das der beste Song auf diesem Album, aber die Anstrengung wird mit der Zeit einfach viel zu gross. Sumpner bleibt musikalisch nach wie vor auf hohem Niveau, wie eigentlich permanent auf „Aerial Days“.
Nichtsdestotrotz erscheint es mir unklar, wie man diese Musik wirklich mögen kann. Sie ist zwar in allen rationalen Kategorien gut bis sehr gut, aber in weiter Ferne bleiben unbewusste Reize, das gewisse Etwas, demnach die Individualität und die eigentliche Schönheit. „Aerial Days“ ist mehr Konstrukt als Handlung, mehr Schale als Frucht und mehr gut als schön.
Seit 10. November 2006 im Handel.
Anspieltipps: Remembering And Forgetting; Wolves Amonst Snowmen; Dear Prudence
Trackliste: 1) Pink By White; 2) Remembering And Forgetting; 3) Wolves Amongst Snowmen; 4) Stars Form Birds; 5) Dear Prudence; 6) Wintered; 7) Brody Jacket
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Bio:
Songs Of Green Pheasant ist das Soloprojket von Duncan Sumpner, einem 30-jährigen Songwriter und Lehrer aus Sheffield. Für sein erstes Album nahm er in seiner Küche unter Benutzung von Gitarre, Bass, Drumcomputer und weiteren Zutaten 10 Stücke auf einer 4-Spur-Maschine auf und schickte das Tape nach Brighton zum Label mit dem exzellenten und völlig schubladenfreien Geschmack, zu Fat Cat. Die waren begeistert, forderten ein "uncompressed master" (das Original war wegen Bandrauschens digital nachbehandelt worden) und staunten, was dann (noch) unter den nebligen Noiseschichten an Feinheiten und Musik und Text hervorkam.
Ein Jahr später, 2006, erscheint nun das Nachfolgewerk „Aerial Days“.