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Sonic Youth - The Eternal

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von Robert Best am Montag, 8. Juni 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Noise Pop  |  Label: Matador Records (Musikvertrieb)  |  Unsere Wertung: 6.0/10

The Eternal200 Safranblüten
Afghanistan will aus dem Opium-Export aussteigen und sucht Geberländer, die in etwas anderes als in Heroinrohmaterial investieren wollen. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem früheren Kriegsgegner Russland soll intensiviert werden. 85 % der heutigen Felder Afghanistans werden mit Mohn bepflanzt. Doch das soll sich ändern: Getreide für den Eigenbedarf und Safran für den Export sollen her. Für ein Gramm Safran braucht es allerdings 200 handverlesene Blüten, flinke Hände und ein stoisches Gehirn.

Sonic Youth gehen den neuen afghanischen Weg schon seit gut 15 Jahren – jedenfalls auf dem über Geffen erschienenen Teil ihres Werks. Das war nach dem grossartigen „Washing Machine“ von 1995 fast immer mehr Safran denn Opium, mehr Filigrangewürz denn Rauschmittel.

Sonic Youth sind heute nicht mehr beim Major Geffen, dafür beim Indie Matador, was ausser den üblichen Interviewphrasen à la „mehr kreative Freiheit“ zu keinerlei Neuerungen geführt hat. Auch der Einstieg von Pavement-Bassist Mark Ibold brachte keinen nennenswerten Einfluss.

Macht aber nichts: „The Eternal“ ist ein Werk von so souveräner Durchschnittlichkeit, wie sie sich keine andere Band gestatten würde. SY müssen niemandem mehr irgendetwas beweisen (egal wie abgedroschen das klingt) und gehen ihre Aufnahmen daher mit einer Entspanntheit an, die beim Zuhören entweder nervt oder begeistert, je nach Gemüt. Nicht dass die druckvollen Protopunk-Passagen nicht mehr existierten, aber sie tragen die Stücke kaum noch (Ausnahmen: „Sacred Trickster“ und „What we know“). Auch Catchiness wie in „Thunderclap for Bobby Pyn“ ist rar, es dominiert die Elegie.

Balladen mag man Schmuckstücke wie „Antenna“ glücklicherweise dennoch nicht nennen. Dafür sind sie zu hölzern und deklamatorisch, um dann im richtigen Augenblick doch ins klassisch Melancholische zu driften. Timing spielt nach wie vor eine große Rolle bei Sonic Youth: Das kongenial betitelte „Anti-Orgasm“ etwa ist ein Lehrstück, wie man Erwartungshaltungen aufbaut und ins Leere laufen lässt. Man hört ein prägnantes Gitarrenloop zu Beginn, zählt unwillkürlich auf 4, 8 und 16, aber es kommt erst wieder, wenn man’s eben wieder vergessen hat.

Das ist so die Kunst, die einen auf „The Eternal“ freuen mag, wenn man kein ergrauter Hipster ist, der sich an den zahlreichen Referenzen, Anspielungen und Zitaten ergötzt. Denn die sind auf „The Eternal“ bis zum Anschlag drauf. Gut, die Cover-Gemälde des verstorbenen Ex-Gitarristen John Fahey, Kim Gordons und anderer sind noch im Booklet benannt. Aber um die Verweise auf Yves Klein, Uschi Obermaier, Neu! oder Noise Nomads zu bemerken, muss man schon ein ganz beschlagener Kenner sein - oder in den Kritiken von Kollegen nachschauen.

Dem SY-Kuchen aus bildender Kunst, Avantgarde-Rock, Theorie und reflektiertem Runterkommen fügt „The Eternal“ also kaum mehr als noch eine Prise von jeder Zutat hinzu. Doch wie kostbar die sind, weiss zu ermessen, wer sich im Vergleich die meisten anderen Neuerscheinungen aus der Schublade „Alternative Rock“ anhört.
 
Seit  5. Juni 2009 im Handel. 

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Sonic Youth
Anspieltipps:
> Thunderclap for Bobby Pyn
> Anti-Orgasm
> Antenna
      
Diskographie:
> Sonic Youth (Neutral/Zensor) (1982)
> Confusion Is Sex (Neutral/Zensor) (1983)
> Kill Your Idols (in D: Zensor) (1984)
> Sonic Death (Ecstatic Peace) (1984)
> Bad Moon Rising (Homestead/Blast First) (1985)
> Made In USA (Rhino)  (1986) (1994 veröffentlicht)
> Evol (SST/Blast First)  (1986)
> Sister (SST/Blast First)  (1987)
> The Whitey Album (Enigma/Blast First) als Ciccone Youth (mit Suzanne Sasic, J. Mascis und Mike Watt)  (1988)
> Daydream Nation (Enigma/Blast First)  (1988)
> Goo (DGC/Geffen) (1990)
> Dirty (DGC/Geffen) (1992)
> Experimental Jet Set, Trash And No Star (DGC/Geffen) (1994)
> Screaming Fields Of Sonic Love (DGC/Geffen) (1994)
> Washing Machine (DGC/Geffen) (1995)
> SYR1: Anagrama (Sonic Youth Records) (1997)
> SYR2: Slaapkammers met slagroom (Sonic Youth Records) (1997)
> SYR3: Invito al Ĉielo (Sonic Youth Records) (1997)
> A Thousand Leaves (DGC/Geffen) (1998)
> SYR4: Goodbye 20th Century (Sonic Youth Records) (1999)
> NYC Ghosts & Flowers (Geffen) (2000)
> SYR5: Kim Gordon mit Ikue Mori und DJ Olive (Sonic Youth Records) (2000)
> Murray Street (Geffen) (2002)
> Sonic Nurse (Geffen) (2004)
> SYR6: Koncertas Stan Brakhage Prisiminimui (Sonic Youth Records) (2005)
> Rather Ripped (Geffen) (2006)
> Destroyed Room: B-Sides And Rarities (Geffen) (2006)
> SYR7: J'Accuse Ted Hughes (Sonic Youth Records) (2008)
> SYR8: Andre Sider Af Sonic Youth (Sonic Youth Records) (2008)
> The Eternal (Matador) (2009)

Ähnliche Künstler: 
> Brigitte Fontaine
> Free Kitten
> Dinosaur Jr.
> The Breeders
> Pixies
» 1 Kommentar
1"gewürzladen"
am Dienstag, 9. Juni 2009 11:25von nico
hübsche rezi.
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