In dieser Zeit hat sich einiges im Leben der Emilie Wälti, wie sie mit bürgerlichen Namen heisst, getan. Endlose Lobdudeleien in den Medien, gefeierte Konzerte im In- und Ausland, u.a. Kollaborationen mit den Industrial-Legenden „The Young Gods“ oder dem Trompeter Erik Truffaz. Dazu kam eine Rolle in Micha Lewinskys Film "Der Freund". Sophie war vermutlich omnipräsenter als mancher Bundesrat.
„Monday’s Ghost“ ist unüberhörbar anders geworden, denn die Musik ist nur selten so radikal reduziert wie damals bei ihren Schlafzimmeraufnahmen. „Sophie Hunger Blues“ erinnert noch am stärksten an diese Skizzen. Man meint, den weiblichen Geist des jungen Bob Dylan zu hören, vor allem was die Instrumentierung und Phrasierung betrifft. Ihrem musikalischen Vorbild erweist sie dann auch gleich eine persönliche Hommage; „I'll let you be part of my dream if I can be part of yours“ wird passend am Ende des Blues rezitiert.
Dass Sophie Hunger jedoch viel mehr ist, als nur ein Abklatsch Zimmermanns beweisen die anderen 13 Songs. Vielfältiger und vor allem kräftiger instrumentiert; Stimmig farbig, wie die Blätter auf den momentan herbstlichen Bäumen. Dazu seufzt, schreit, singt und erzählt Sophie in akzentfreiem Englisch ihre Protestlieder die, wenn man dem Interview mit DRS 3 glauben darf, eigentlich gar keine sind („Protest Song“). Unterstützt wird sie von hervorragenden Musikern, die sich nicht scheuen, auch mal eine Posaune oder Flöte hervorzunehmen.
Richtig toll wirds dann aber, wenn Sophie und Band es wie in „The Tourist“ krachen lassen und somit den Pathos anderer Songs für einmal verdrängen. Eine Hymne, die in sämtlichen Radioplaylists dieser Welt aufgenommen werden sollte. „I'm not Holding a Treasure, I'm Waving, Screaming“. Da kann es einem schon mal den Atem vor Verzücktheit verschlagen. Oder dann, wenn in „Rise and Fall“ das „Guggisberglied“ kurz, aber in einer paranoid-nervösen Adaption aus dem Nichts auftaucht. Mit „Walzer für Niemand“ und „Spiegelbild“, einem Duett mit Stephan Eicher, finden sich noch zwei weitere Deutsche, respektive in Mundart gesungene Songs, auf einem äusserst gelungenen Album.
Vor zwei Jahren spielte Sophie Hunger noch regelmässig im kleinen aber feinen Zürcher Helsinki Club. Spätestens 2009 wird sich dies dank „Monday’s Ghost“ endgültig ändern. Dann, wenn die eine oder andere grössere Bühne Europas nach ihr schreien wird, ja muss. Grosse Bühnen behagen ihr angeblich sowieso viel mehr.
Seit 10. Oktober 2008 im Handel.
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Anspieltipps:
> The Tourist
> Rise and Fall
> Walzer für Niemand
Diskographie:
> Sketches on Sea (2006)
> Monday’s Ghost (2008)
Ähnliche Künstler:
> Fisher
> Feist
> Bob Dylan
> Cat Power