Angenehm zeitlos und verloren ist das erste Album von Speck Mountain. Und so droht ihm auch erhöhte Verlustgefahr!
Musik sollte nicht von Zwängen begleitet sein, und doch muss man manchmal aktiv etwas unternehmen, dass ein schönes Album nicht in der Masse von Tonträgern verschwindet oder dem Staub zum Opfer fällt. Am Beispiel von „Summer Above“ gebe ich eine mögliche Anleitung.
Aller Anfang ist schwer, denn irgendwie muss man ja auf dieses Album aufmerksam werden. Ein guter Freund sollte es dir schenken (ein schlichtes rotes Mäscheli muss als Verpackung reichen). Dann wirst du eine lange Autofahrt planen, bei der du selbstverständlich allein und nach Möglichkeit öfters auf naturnahen Nebenstrassen unterwegs bist; dann ins Gerät damit und sofort mitsingen. Das Intro des ersten Songs ist mit einer leicht anfahrenden Gitarre und einem verschwindend leisen und hohen Keyboard sehr einnehmend. Die zarte und liebliche Stimme von Marie-Claire Balabanian taucht in der Spannung auf, schwebt ohne Rücksicht darüber hinweg und wird von einem dumpfen Saxophon begleitet – dann „I am free /when i feel no one feeling me“ und ein jazziger, packender Schluss. Fühle dich hinein, singe mit, und geniesse die langen und meist sparsamen Songs, die gänzlich ohne Schlagzeug auskommen. Versuche Erinnerungen mit der Musik zu verbinden (das Cover hilft dabei) und die Freiheit, die Summer Above ausstrahlt, einzufangen.
Denn leider handelt es sich um eine relativ eintönige Angelegenheit. Songs verlieren sich in Endlosschlaufen, selbst die psychedelischen letzten zwei Minuten sind selten ergiebig. Balabanians Stimme ist ohne Begleitung nicht dominant genug, die Gitarre zu wenig selbständig, die Texte wiederholen sich. Wirklich gut ist das kurze „Stockholm“, in dem Balabanian eine süsse kurze Melodie säuselt, Briedrick an der Gitarre holpert und ein sehnsüchtiges Pfeifen die gesagten Worte erträumen lässt. Bedenke, dazwischen lagen drei Songs und fast zwanzig Minuten Spielzeit und erst jetzt merkst du, dass du diese Autofahrt nur aus einem Grund unternimmst und das Unterfangen zu scheitern droht. Leider geht es nach „Stockholm“ eher durchschnittlich weiter, abgesehen vom verführerischen „Blood Is Clean“, das plötzlich mit einem Hauch von Percussion aufkreuzt.
Bist du dann wieder zuhause, solltest du Summer Above konsequenterweise bei Dates, Geburtstagsparties, Hochzeiten und Beerdigungen abspielen.
Wenn das zu viel ist, dann komme ich zum Schluss, dass du vielleicht doch lieber eine geliebte Platte von Mazzy Star, Low oder Galaxie 500 hervor kramst, die dir kleine Dinge ins Gedächtnis zurückrufen und ohne Zwang haften blieben.
Seit 24. März 2008 im Handel.
Anspieltipps: Summer Above, Stockholm, Blood is Clean
Trackliste: 1) Summer Above; 2) Hey Moon; 3) Girl Out West; 4) Midnight Sun; 5) Stockholm; 6) Fjord Song; 7) Chlorine Fields; 8) Blood Is Clean
similar artists: Mazzy Star, Hope Sandoval, Galaxie 500, Dean & Britta, Beach House, Low, Yo La Tengo, Velvet Underground
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Bio:
Speck Mountain sind die drei Musiker Marie-Claire Balabanian (vocals, bass) Karl Briedrick (guitar, bass) und Kate Name (electric piano, organ, sax), die seit 2005 als Band existieren und ihren Namen dem ersten und letzten Wort aus Brett Easton Ellis' Buch „Glamorama“ entliehen. Nachdem das selbst produzierte Debütalbum Summer Above in New York und in Chicago aufgenommen wurde, verfielen sie der schönen Stadt Chicago und wurden ansässig.