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Speech Debelle - Speech Therapy

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von Tobias Imbach am Montag, 15. Juni 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Hip-Hop  |  Label: Big Dada (Musikvertrieb)  |  Unsere Wertung: 8.0/10

Speech TherapySeelenleben
Speech Debelle macht ihren Einstand mit einem zeitlosen und sehr britischen Rap-Album, weit weg von Grime & Dubstep.

Das zweitletzte Stück auf “Speech Therapy“ stand ganz am Anfang. Als Speech Debelle vor Jahren beim besten UK-Rap-Label anklopfte, spielte sie "Finish This Album" vor. Die Leute bei Big Dada waren davon offenbar so begeistert, dass sie die damals 20-Jährige nicht mehr gingen liessen und sie unter ihre Fittiche nahmen.

Fünf Jahre sind mittlerweile vergangen - auch fünf Jahre Produktionszeit. Speech Debelles Debüt “Speech Therapy“ ist nun erschienen und zeugt in jeder seiner 50 Minuten von viel Feingefühl und Sorgfalt. Viel Raum gewährte Produzent Wayne Lotek der akustischen Gitarre, die dem gesamten Album sehr natürlichen Charakter verleiht und das Label dazu verleitet, zu behaupten, dass Hip Hop noch nie so geklungen hätte wie auf “Speech Therapy“. Und vielleicht stimmt das auch: Solch umwerfende Schönheit wie in den von folkiger Sanftmut verwöhnten “Spinnin" und “Live and Learn“ müsste eigentlich auch Indie-Folk-Fans zu Begeisterungsstürmen hinreissen lassen – was,  wenn auch nicht neu, sicher selten wäre. 

Die Produktion ist eine der grössten Stärken von “Speech Therapy“ Die mit viel Geschmack gewählten und tadellos gespielten Instrumente haben Hip Hop-untypische Präsenz. Ganz in britischer Manier werden Stile vermählt, so weist das grandiose “Daddy's Little Girl“ in jamaikanische Gefilde, während “Buddy Love“ mit seinen lässigen Reggae-Rhythmen definitiv dort ankommt. Das düstere “Bad Boy“ besticht mit entfernt schreienden E-Gitarren, himmlischen Streichern im Refrain und einem Taktwechsel mit D&B-Shuffles gegen Ende des Stücks. Cooler Jazz-Swing und die in der Popmusik viel zu selten gehörte Klarinette machen “The Key“ zum Hit. Die relativ starken Jazz-Anleihen erinnern stellenweise (vor allem auch in “Better Days“ mit Micachu) an einzelne Stücke des Cinematic Orchestras, die ja auch bereits mit UK-Rappern wie Roots Manuva kollaborierten. Letzterer setzt im Refrain von “Wheels In Motion“ übrigens auch auf diesem Album melodische Akzente.

Und trotz diesem beachtlichen musikalischen Gehalt bleibt Speech Debelle genügend Raum, um sich völlig zu entfalten: Mit klarer Artikulation und gewinnendem Flow gewährt sie einen intimen Einblicke in ihr Seelenleben. Selbst wenn es um etwas so Triviales wie Freunde auf Facebook gehen soll, sind ihre Worte immer von einer Art nüchterner Eleganz geprägt, die Weghören kaum gestattet. Meist aber erzählt sie düstere, ergreifende und erwachsene Geschichten aus dem Alltag, die ganz im Gegensatz zu ihrer jugendlichen und sanften Stimme stehen ... und die dem Albumtitel schliessliche auch Sinn geben.

Seit. 5. Juni 2009 im Handel

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Speech Debelle
Anspieltipps:
> The Key
> Spinnin'
> Daddy's Little Girl
 
Diskographie:
> Speech Therapy (2009)

Ähnliche Künstler:
> Jean Grae
> The Cinematic Orchestra
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