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Spoon - Transference

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von Gilles Brunner am Montag, 18. Januar 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Alternative/Indie Rock  |  Label: Merge Records (Phonag) |  Unsere Wertung: 8.5/10

TransferenceErfolg en masse? Nicht unbedingt...
Zweieinhalb Jahre nach dem innovativ betitelten Gax5 legen Spoon ihr 7. Album ab.

Machen wir uns nichts vor, wer Spoon mit „Gax5“ kennen und lieben gelernt hat, der wird von „Transference“ wohl etwas überrumpelt in der ersten Stunde. War ersteres sicherlich eines der zugänglichsten und poppigsten Alben, das Spoon je herausgebracht haben, schlagen sie mit der neuen Scheibe in produktionstechnischer Hinsicht wieder drastisch einen anderen Weg ein. Allerdings sollte das denjenigen, die mit dem ganzen Werk von Spoon vertraut sind, weniger Probleme bereiten. Erdiger, rauher ist’s geworden, erinnert teils an „A Series of Sneaks“, teils aber auch an „Gimme Fiction“ und streift im Grossen und Ganzen ein wenig den gesamten Spoon-Katalog.

Britt Daniel und Co. durften mit „A Series of Sneaks“ für kurze Zeit die Obhut eines Majorlabels geniessen, wurden dann aber schnell wieder zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Sehr zu Unrecht aus musikalischer Hinsicht, da das Album trotz mangelnder Verkaufszahlen (für Mainstreamverhältnisse jedenfalls) wohl eines der mit Abstand besten Werke ist, das die Band bis dato veröffentlicht hat. Nichtsdestotrotz fand man unter Merge Records ein neues Zuhause und seitdem wird Qualitätsware am laufenden Band produziert. So sehen es jedenfalls viele Kritiker und eine enge Anhängerschaft an treuen Fans.

Als 2007 „Gax5“ erschien, war man versucht  einen grösseren Mainstreamerfolg zu prognostizieren. Das Album hielt sich respektabel, schaffte es in den Top 200 der Billboard auf Platz 10 und auf Platz 1 der Independent Alben. Eine positive Resonanz ausserhalb des Fankreises war also auch vorhanden. Nun hängt in der Hinsicht bezüglich des Erreichens einer grösseren Masse sehr viel vom neuen Album ab und Spoon scheinen dieser Möglichkeit mit Transference den Mittelfinger zeigen zu wollen.

Die eingängigen Popsongs, die man vor allem auf „Girls Can Tell“ und „Gax5“ vorfindet, gehören der Vergangenheit an. Man ist als Hörer wieder etwas gefördert und Spoon enttäuschen nicht. Ganz im Gegenteil: „Transference“ ist ein roher, ungeschliffener Diamant. „Before Destruction“, der Opener des Albums, eröffnet mit rauen Akkustikgitarrentönen und driftet stellenweise in Lo-Fi Gegenden ab (manche mögen sich vielleicht an den Abklang des Songs „Metal Detektor“ erinnern), Daniels Stimme bleibt so cool wie eh und je.

Ein weiteres Highlight ist zweifelsfrei „The Mystery Zone“. Von seiner Eingängigkeit und angehauchten Monotonie her würde er wunderbar auf „Gimme Fiction“ passen. Auf den ersten Hördurchgang möchte man meinen, es passiere schon gar nichts für die 5 Minuten, die der Song andauert. Das stimmt so natürlich nicht ganz, denn Daniel fügt hier und da immer mal wieder ein neues Detail hinzu, was sich für solche, die sich beim Musikhören nicht ungern etwas anstrengen, schliesslich auch als lohnenswert herausstellen wird.
„Who Makes Your Money“ erweist sich als weiteres Beispiel für die herrliche Densität, die die Band auf „Transference“ stellenweise kreiert. Der Song hält sich eher ruhig, aber die Gitarrenpassage in der Mitte erfreut bei jedem Durchgang ungemein. Mit den rockigeren Stücken wie „Is Love Forever“, „Trouble Comes Running“ und „Got Nuffin“ erinnert die Band an „A Series of Sneaks“ oder „Telephono“, ohne sich aber selbst zu kopieren. Vor allem „Trouble Comes Running“ entpuppt sich als Paradebeispiel für die bewerte Formel einen Song aufs Wesentliche zu beschränken und ihn dafür so effizient wie möglich zu halten.

Spoon mögen mit ihrem neusten Werk ihren Fankreis nicht durchgreifend erweitern – falls überhaupt. Die gelegentliche Monotonie und das Unspektakuläre, mit dem die Band arbeitet um die Stimmung des Albums zu setzen, könnten für einige Anlass  sein, sich zu beschweren. Dies dürfte allerdings nicht wirklich problematisch sein, denn davon mal abgesehen ist den Musikern rund um Britt Daniel und Jim Eno hier definitiv wieder ein grossartiger Wurf gelungen.

Seit 19. Januar 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label

Anspieltipps:Spoon
> Before Destruction
> The Mystery Zone
> Written in Reverse
> Trouble Comes Running
> Got Nuffin

Diskographie:
> Telephono (1996)
> A Series of Sneaks (1998)
> Girls Can Tell (2001)
> Kill the Moonlight (2002)
> Gimme Fiction (2005)
> Ga Ga Ga Ga Ga (2007)
> Transference (2010)

Ähnliche Künstler:
> Archers of Loaf
> American Princes
> White Rabbits
> Sound Team
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