Fugo, unsere Liebsten aus dem Wonnekanton, bringen
zusammen mit Squarewell aus den (im Vergleich mit dem Aargau geradezu
lächerlich erscheinenden) Staaten eine hörenswerte Split-CD raus.
Und ich muss gleich zu Beginn grauenhaft ehrlich sein: Fugo sind, obwohl nur mit drei B-Seiten und einem Remix auf dem Album vertreten, die Besseren. Squarewell rocken zwar gigantisch, schreien, was die Kehlen hergeben, malträtieren das Schlagzeug und reissen die Gitarren, holpern und stolpern jedoch des Öfteren über ihre eigenen Stücke. Mit der leider etwas zu heftig amerikanisch-leidenden Stimme Jeff Drakes kann der hier Humpelnde wenig anfangen (ja, einige der scheu rockenden Bands aus dem Reich der vernünftigen Automobile haben meiner Ansicht nach ein Heul- bzw. Gesangsproblem). Trotz allem lass ich Squarewell noch mal mit einem blauen Knie davonkommen. Die meist hart rockenden, teils gar punkenden Stücke sind ziemlich chaotisch (und das soll nun im positiven Sinne verstanden werden), rhythmisch abwechslungsreich und gekonnt gespielt. Dass ihr Part ab und zu leicht holprig oder verstopft erscheint, wird mit zwei zugedrückten Augen verziehen.
Doch nun zu Fugo. Auch sie machen im ersten Moment einen ziemlich harten Eindruck, doch erste Eindrücke täuschen meistens. Die sehr geilen Tempo- sowie Stimmwechsel, die Vielfalt an Ideen, die brachiale Gitarrengewalt im Wechselspiel mit den verträumten Melodien und die ständigen Taktwechsel stellen Squarewell jedoch bös in den Schatten. Fugo spielen etwa das Gegenteil von Mondrians Kunst. Man durchschaut ihren Plan kaum bis gar nicht (obwohl ich, ehrlich gesagt, auch den Mondrian nicht ganz schnalle), was ihren Stücken unheimliche Spannung, Fülle und Gefühl verleiht. M.) ist ein französisch gesungenes Meisterwerk in düsteren Farben; verwirrend, verträumt, todtraurig und verschachtelt, dann wieder erleichternd, zuversichtlich und melodiös. Jenseits von horizontalen und vertikalen Linien mit roten, blauen und gelben Rechtecken. Die vertonte bipolare affektive Störung, sehr sympathisch. Dann der Crowded Remix von P.). Das sonst schon abscheulich packende Unding einer Fertigmacher-Melodie wurde elektronisch verfeinert und noch ein Spürchen trauriger vorgetragen, ein deutscher Metzger würde (mit mir und im Kanon) hocherfreut ’Houdeeee’ rufen. F.) würde in der Modebranche üblicherweise als klassischer Zweiteiler bezeichnet werden, rasselt genau zwei Minuten lang ziemlich grob durch die Gassen, kleidet sich ab 2.00 kurz um und gibt dem Hörer dann mit einem Riff, welches problemlos auch dem Ebelhäuser’schen Handgelenk entwichen sein könnte, den Rest.
Ja, ich danke den Bands für ihre sehr gelungene Zusammenarbeit, wobei etwa 75% des Lobs an Fugo gehen.
Seit 29. Januar 2007 im Handel.
Anspieltipps: M.), P.) Crowded Remix
Trackliste: 1) Die We Have A Choice?; 2) Pacing A Perimeter; 3) I’t’s Fall, But Nothing Has Changed; 4) Fleeting Stratagem; 5) Synthetic Sensations; 6) C.); 7) M.); 8) P.) Crowded Remix; 9) F.)
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Bio:
Squarewell:
Jeff Drake (Gesang) und Martin Kehl (Schlagzeug) fanden nach Auflösung der Band „My Life Denial“ im Jahr 2003 in Paul Dailey (Bass), Matt Jaggers und Brandon Duggins (beide Gitarre) neue Mitstreiter und gründeten die Band Squarewell. 2004 veröffentlichten sie das Album „Two Toy Model“. Dailey wurde am Bass durch Bryan Jones ausgewechselt. Als die Band im Sommer 2006 von einer Europa-Tour zurückkam, verliess Gitarrist Duggins die Band. Statt ihn zu ersetzen, spielt fortan Jeff Drake zusätzlich Gitarre. Via Koi Records und Engineer Records veröffentlicht die Band eine limitierte 7“Picture Disc. Die Band nahm ausserdem im letzten Jahr in den Black Lodge Recording Studios weitere Songs auf, die auf einer EP ebenfalls durch Engineer Records aktuell veröffentlicht werden. Zwei Songs davon („Did We Have A Choice?” und „It’s Fall, But Nothing Has Changed”) finden sich ebenfalls auf der hier rezensierten Split-CD mit Fugo wieder.
Fugo:
Fugo entstanden im Dezember 2000, als Gitarrist und Exitmusic-Schreiberling Michael Rothen den Schlagzeuger Stefan Hell in Aarau traf. Nach den selbstproduzierten Demoversionen A.) bis F.) 2001 suchten die beiden einen Bassisten der ihrem Stil und Können getreu war und wurden in Roman Donzé fündig. Die Stücke G.) bis O.) entstanden 2003, P.) bis T.) 2004. 2004 begann dann die Zusammenarbeit mit dem in Alternativrockkreisen wohlbekannten Label EngineerRecords UK/USA. Dank finanzieller Unterstützung vom Kuratorium des Kantons Aargau sowie dem Kulturdepartement der Stadt Aarau konnte Aie Anfangs 2005 bei somarecords.ch aufgenommen und in den USA bei Reto Peter abgemischt werden. Seit August 2005 sind Fugo zu viert zu dritt. Christian Kyburz ersetzt bis heute Stefan Hell an den Drums, welcher bis heute nicht offiziell die Band verlassen hat. 2006 haben Fugo die Songs für die hier rezensierte Split-CD mit Squarewell augearbeitet und aufgenommen, sowie diverse Konzerte gespielt. Im Herbst wurde Fugo erneut ein Förderbeitrag vom Aargauer Kuratorium als CD-Produktionsbeitrag zugesprochen. Aktuell schreibt die Band Songs für das nächste Album, das ungefähr Ende 2007 erscheinen soll.