Für ihr neues Album „Real Emotional Trash“ greifen Stephen Malkmus & The Jicks in die Saiten.
Schon viel wurde spekuliert über Stephen Malkmus und seine Präferenzen: Ist er nun begnadeter Songschreiber oder leidenschaftlicher Gitarrist? Sein innerer Konflikt hat sich schon zu Pavement-Zeiten in seiner Musik niedergeschlagen - man denke nur an die gespaltene Fangemeide im Hinblick auf die Frage „Crooked Rain vs. Wowee Zowee?“ - und scheint sich auch mit dem Beginn seiner Zusammenarbeit mit den Jicks nicht gelöst zu haben. War das eher mittelmässige „Face the Truth“ von 2005 noch in der Songschreiber-Schublade unterzubringen, tendieren The Jicks und ihr berühmter Mitspieler mit „Real Emotional Trash“ nun doch wieder Richtung Gitarren-Musik, und das bekommt ihnen richtig gut.
„Of all my stoned digressions/some have mutated into the truth“, singt Stephen Malkmus im Opener „Dragonfly Pie“ und das ist so ziemlich das letzte Verständliche und einigermassen Sinnvolle, das er für den Rest des Songs von sich gibt. Dann folgen Gemurmel und verzerrte Gitarrenspielereien, mit solcher Experimentier- und Spielfreude vorgetragen, dass das Liebhaberherz im Takt mithüpft. Tatsächlich schleicht sich des Öfteren das Gefühl ein, dass man unverhofft in das Wohnzimmer der Band hineinversetzt und Zeuge einer Jam-Session wird. Das Improvisierte und Spontane zieht sich durch das ganze Album: Gitarrensolos, die sich über Minuten hinziehen und dahin geworfene Vocals („Hopscotch Willie“) bestätigen den Eindruck. Natürlich hat Stephen Malkmus seine poetische Singer-Songwriter-Seite nicht vollkommen vergessen, doch sind die folkigen Momente wie im Titeltrack „Real Emotional Trash“ oder „Gardenia“ beileibe nicht diejenigen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vielmehr sind es die experimentellen und ins Psychedelische abdriftenden Passagen, die sich zu wahren Höhenflügen steigern und sich im Kopf festsetzen.
Stephen Malkmus & The Jicks haben mit „Real Emotional Trash“ ein tolles Stück Musik produziert, das nicht nur gitarrenverliebten „Crooked Rain“-Fans gefallen dürfte.
Seit 4. März 2008 im Handel
Anspieltipps: Hopscotch Willie, Real Emotional Trash
Trackliste: 1) Dragonfly Pie; 2) Hopscotch Willie; 3) Cold Son; 4) Real Emotional Trash; 5) Out of Reaches; 6) Baltimore; 7) Gardenia; 8) Elmo Delmo; 9) We Can’t Help You; 10) Wicked Wanda
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Bio:
Stephen Malkmus wurde 1966 in Santa Monica, Kalifornien geboren und vermochte sich schon von klein auf für die Musik von Buddy Holly und Fleetwood Mac zu begeistern. Während des Studiums gründete er seine erste Band Ectoslavia und zog bald mit seinen beiden Bandmitgliedern nach New York, wo sich die Band in Silver Jews umbenannte. Nach einem Wiedersehen mit seinem Kindergartenfreund Scott Kannberg gründeten die beiden mit drei anderen Freunden die "Most British American Band" Pavement, die mit ihrem Debütalbum "Slanted And Enchanted" beinahe Kultstatus erreichten. Nach mehreren Pavement-Alben wurde 2000 traurigerweise der Split der Band publik und Stephen Malkmus widmete sich seinen eigenen Projekten. 2001 veröffentlichte er sein Solodebüt mit der schlichten Betitelung "Stephen Malkmus", das trotz der Mithilfe von The Jicks ein mehr oder weniger gelungener Pavement-Abklatsch blieb. 2003 brachte er sein zweites Werk "Pig Lib" heraus, diesmal unter dem Namen Stephen Malkmus & The Jicks und mit einer grösseren Ideenvielfalt als sein Vorgänger. Sein drittes Soloalbum "Face The Truth" erschien 2005, drei Jahre später erscheint „Real Emotional Trash“.