Stereolab? Um wen handelt es sich bei dieser Band, welche seit einer guten Dekade mit umtriebiger Popmusik auf die Hörerschaft schiesst?
Zunächst: schiessen ist in diesem Kontext sicherlich eine ungünstige Wortwahl. Schiessen erregt unverzüglich Aufmerksamkeit. Menschen gehen in Deckung, bisweilen bricht Panik aus. Sowas ist bei Stereolab nicht nur unvorstellbar. Es mutet geradzu grotesk an, Stereolab in irgendeiner Weise mit Aufregung und Ereignis im herkömmlichen Sinn in Verbindung zu bringen.
Das meint OOS:
Obwohl kein Track auf dem Album richtig herausstechen mag, hat man trotzdem ein durchgängigen roten Faden. Die Rezeption der Songs ist immer in etwa dieselbe, aber durch das intelligente Songwriting wird es selten langweilig. Nichts wirklich Neues von Stereolab, eher zurück zur soliden Musik für Freunde von Chanson, Gainsbourg und Hammond.
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Die stereolab’sche Unscheinbarkeit ist nicht zu verwechseln mit Bescheidenheit. Denn die fehlt in ihrer Musik. Ihre Songs führen uns durch die Library Music der Siebziger-Jahre. Sofort ist nach dieser Erkenntnis der frühe und grossartige Sound-Tüftler und Produzent Joe Meek als wichtige Referenz zu nennen. Synths, Bass und Drum Machines ergeben eine zupackende und zugleich luftig-leichte Rhythmik, welche charakteristisch für den Stereolab-Sound steht. Dieser Orbit Swing, was meiner Meinung nach eine treffende Bezeichnung für Stereolab’s Musik ist, wird von einer unkonventionellen Melodieführung weiter aufgezogen. Es entsteht die Geräuschkulisse, welche an Bord der Raumpatrouille Orion vor allerlei drohenden Gefahren warnte. In ihrer neuen Umgebung vermag sie nun Zeit und Raum umzugestalten. In höchst eigenartiger Weise wähnt man sich zurück in die Zukunft versetzt. Dieses Gefühl macht einen Grossteil der Faszination von stereolab’schen Klangkreationen aus. Die Musik der frühen Sci-Fi TV-Serien hatte eine weitere Skurrilität zu bieten, welche auf "Chemical Chords" wiederzufinden ist: kindliche Melodien. Von Laetitia Sadier dargeboten, wirken sie in einer Weise unbeschwert, welche einen unweigerlich an Huxley’s Soma, die Zufriedenheitsdroge denken lässt. Auffallend hübsch arrangierte Bläser und die trockene Krautrock-Ästhetik ergänzen diesen Unwirklichkeits-Reigen hervorragend.
Der Hang zur Unscheinbarkeit ist auf "Chemical Chords" Programm. Stereolab schaffen das Meisterstück, Unscheinbarkeit möglichst prätentiös zu verpacken.
Dennoch bleibt "Chemical Chords" ein Album, welches man nicht zu denjenigen für die berühmte Insel dazu zählt. Man müsste sich darum sorgen, dass diese Musik einem plötzlich zum Ereignis würde. Zum Ereignis, welches den eigensinnigen Charme eines im Vergleich sehr guten Stereolab-Albums umgehend zerstören könnte. Und das ist in jedem Fall zu verhindern. Denn mit "Chemical Chords" haben Stereolab wieder zu ihrer Höchstform gefunden.
Seit 15. August 2008 im Handel.
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Anspieltipps:
> Valley Hi!
> Nous Vous Demandons Pardons
Diskographie:
> Peng! (1992)
> Transient Random-Noise Bursts with Announcements (1993)
> The Groop Playes “Space Age Bachelor Pad Music” (1993)
> Mars Audiac Quintet (1994)
> Emperor Tomato Ketchup (1996)
> Dots and Loops (1997)
> Cobra and Phases Group Play Voltage in the Milky Night (1999)
> Sound-Dust (2001)
> Margerine Eclipse (2004)
> Fab Four Suture (2006)
> Chemical Chords (2008)
Ähnliche Künstler:
> Broadcast
> Pram
> Bat For Lashes
Inspiration:
> Joe Meek and The Blue Men
> The Free Design
> Sci-Fi Library Music such as Kosmos: Eastern Germany’s Adventures in Space; Luke Vibert’s Nuggets; Star Maidens – The Girls from Space; Cinemaphonic – Electro Soul
> Juan Garcia Esquivel
> Neu!
> Can