Als ich im Sommer 04 durch Skandinavien lümmelte und mir ein
Plattenhändler in Stockholm mit lobenden Worten die erste EP der
Zuckerpflaumenfee andrehte, dachte ich noch „Ha! Geheimtipp!“ - zwei
Jahre später, zweites Album, gleiche Musik und tokio-hotelsche
Verhältnisse an den Konzerten…
„Mando Diao sind Rockpop und wir sind Poprock! Wenn man uns nicht mag, soll man sich ein Mando Diao Album kaufen, damit das Geld in der Familie bleibt.“, meint Victor Norén. Na ja, die Hochnäsigkeit muss wohl im Erbgut der Familie Norén genauso dominant sein wie die Fähigkeit, eingängig-schnulzige Melodien auf Tonträger zu bringen und damit Massen zu begeistern. Meine Euphorie hält sich in Grenzen, das bisschen Yeah, Ooh und Aah kennt man schon, die Melodien tönen gleich wie immer und aufgrund der hier vermehrt und kräftiger eingesetzten Gitarren wird die Verwandtschaft mit dem (auf der Bühne zwischenzeitlich ideen- und kraftlos erscheinenden) Hauptact noch offensichtlicher. Natürlich darf man das Gehörte nicht a priori verdammen, schreiben die jungen Schweden doch den Soundtrack für die wilde, emotionsbestimmte und spassige Lebensphase ihrer noch jüngeren, meist weiblichen Zuhörer. Da bedient man sich mit grossen Kellen am bewährten Buffet der Beatles und Oasis, trägt eine lässige Frisur und noch lässigere Lederjacken und der Erfolg ist so gut wie garantiert. Je länger man seine Aufmerksamkeit dem Album widmet, erscheint es beinahe ein bisschen frech, wie da von den grössten Pilzköpfen aller Zeiten abgeschaut wird; die Liedchen sind meist zweistimmig geträllert, die Harmonien sind zum verwechseln ähnlich und in ’Visible Karma’ taucht gar eine Sitar auf. Trotzdem schaffen es die Jungspunde, ihre freche Eigenart zu wahren, sie spielen klebrige Balladen (’My Saviour, My Secret’) rockige Kracher (’Last Chance’), muntere Hüpfburgen (’Marigold’) und poppige Kurzlebigkeit (’The Soul of the Sun’, ’Illusion of Conclusion’) mit einer Selbstverständlich- und Eingängigkeit, dass man gar ins Staunen geraten könnte. Das Bigmacmenüextradick im Fladenbrot für den jugendlichen Zuhörer, ein kalorienarmes Naturejoghurt für den anspruchsvollen Musikfanatiker. Schlussendlich fehlt doch der Anspruch, nach fünfmaligem Durchhören verleidet der Spass endgültig und man sehnt sich nach weniger Pop, weniger Vernunft, mehr Eigenart, mehr Verwirrung, mehr Komplexität, mehr Chaos und mehr Krankheit.
Seit 18. August 2006 im Handel.
Anspieltipps: Last Chance, Visible Karma
Trackliste: 1) Last Chance; 2) She; 3) Don’t Wake Us Up; 4) The Soul Of The Sun; 5) Marigold; 6) Visible Karma; 7) Illusion Of Conclusion; 8) My Saviour, My Secret; 9) Back Where We Belong; 10) Left, Right, Black, White; 11) Day One; 12) It Takes Time, It Takes Two; 13) Let Me Try; 14) Love Bird
similar artists: Mando Diao,
The Kooks, Oasis, The Subways,
Arctic Monkeys
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Bio:
1998 (also noch vor Mando Diao), im zarten Alter von 13 Jahren, begannen Victor und Carl Norén sowie Kristian Gidlund (dr.) im schwedischen Borlänge Lieder von Oasis und den Beatles nachzuspielen. Da dies einigermassen gut gelang und Schulkamerad Jonas Karlsson zwar keine Ahnung von Gitarren, dafür aber einen lässigen Haarschnitt trug, wurde dieser in die Band aufgenommen und man probte weiter. Kleine Konzerte im eigenen Kuhkaff, kamen beim Publikum an und man spielte schon bald, verstärkt durch Bassist David Hebert, in Stockholm. Ohne je ein Demo aufgenommen zu haben, wurde die Truppe von Sony (Schweden & Japan) bzw. von Universal (Deutschland) gesignt und ab ging die Post.
Diskographie:
> Stay Young EP (2004)
> Young and Armed (2005)
> First Round First Minute (2006)