Warum darf Mark Kozelek 76 Minuten lang die altbekannte Leier spielen? Eine kurze und spontane Wertschätzung:
Nach 15 Sekunden erhallt seine Stimme und hält wie keine andere die unfassbare Traurigkeit bis zum Schluss aufrecht. War sie bei den Red House Painters noch veränderlicher, auch nicht ganz so nasal, schafft er es, uns mit offenen Augen durch die Nacht zu wiegen. In manchen Momenten überrascht er mit einem vergleichsweise kraftvollen „I slept with her so many nights / We moved together heavenly / So close the North Pacific slept / You too were once beside me“ (Moorestown).
Seine Texte sprechen von Verlust und Vergessen, vor allem von Momenten, die weit zurückliegen, aber gerade deswegen dem Erzähler zusetzen. Die Nostalgie ist sein wichtigstes Instrument und jedes schmerzliche, aber auch schöne Wort, nimmt Bezug zu damals: „To put on my father's wool coat / To smell my mother's fragrances and perfumes / To find my young brothers and sisters / To never leave or let them go“ (Lost Verses)
Seine Band ist ein eingesessenes Kollektiv. Wahrscheinlich müssen zwischen den Gefährten keine grossen Worte fallen und trotzdem hat Kozelek stets seine Musiker an seiner Seite gebraucht. Zusätzlich liess er sich dieses Mal von Benjamin Gibbard (Death Cab For Cutie) und Bonnie “Prince” Billy bei drei Refrains begleiten. Zusammen schluchzen sie bei „Unlit Hallway”: “Breathe my love / Wake my health” und erzeugen Bilder wie das vorliegende Cover von April: Wie dunkle, wackelnde Lichtschimmer, wie Menschen, die sich beinahe manisch und am Rande durchs Leben bewegen.
April hat kein „Carry Me Ohio“ oder einen „Katy's Song“, aber ist seit dem offiziellen Zweitling Red House Painters 1 (auch als Rollercoaster bekannt), das beste Kozelek Album bisher.
Nur in einem Punkt übertraf er sich fünfzehn Jahre später: Die Länge geht hier vollends in Ordnung, nein, muss sogar sein.
Seit 4. April 2008 im Handel.
Anspieltipps: Lost Verses, Unlit Hallway, Moorestown
Trackliste: 1) Lost Verses; 2) The Light; 3) Lucky Man; 4) Unlit Hallway; 5) Heron Blue; 6) Moorestown; 7) Harper Road; 8) Tonight The Sky; 9) Like The River; 10) Tonight In Bilbao; 11) Blue Orchids
similar artists: Red House Painters, Mark Kozelek, American Music Club, Mark Eitzel,
Damien Jurado,
Jeff Buckley, Neil Young, Low,
Songs: Ohia
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Bio:
Mark Kozelek, der Kopf der legendären Red House Painters aus San Francisco, die zwischen 1992 bis 2001 sechs wegweisende Platten veröffentlichten, gründete 2003, auf seinem eigenen Label Caldo Verde, die nach einem Boxer benannte Band Sun Kil Moon, die mit Anthony Koutsos (drums) und Phil Carney (guitar) zwei alte Red House Painters, sowie Tim Mooney (drums; American Music Club) und Geoff Stansfield (bass; Black Lab) an Bord hatten. Nach der bisher bestverkauften Kozelek-Platte „Ghosts Of The Great Highway”, erschien zwei Jahre spatter “Tiny Cities”, ein reines Coveralbum voller Modest Mouse Stücke. Nebenbei schreibt Mark Kozelek immer wieder Songs unter eigenem Namen und machte mit Alan Sparhawk von Low eine Platte als Retribution Gospel Choir.
Ein Denkmal setzte er sich zudem selbst, als er bei Almost Famous in der Band Stillwater den Musiker Larry Fellows spielte. Danach tauchte er auch in den Filmen Vanilla Sky und Shopgirl auf.