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von Florentin Jäggi am Mittwoch, 17. Februar 2010 in Neuerscheinungen
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Genre: Desert Blues, Mali Blues | Label: Glitterhouse (Irascible) | Unsere Wertung: 8.5/10
An der Peripherie der Peripherie
Obschon
Tamikrest auf ihrem Debüt-Album auch Einflüsse von Rock- und
Reggaemusik zelebrieren, klingt es primär nach Malis Bluesvorbildern.
„Adagh“ besticht mit seiner Eleganz und ist weit mehr als nur Mittel
zum Zweck, um auf die missliche Lage der Tuareg hinzuweisen.
Dass es das Album einer Band wie Tamikrest bis zu uns schafft, ist wieder mal dem Hause Glitterhouse zu verdanken. Ein Label, das nicht nur nach der Schönheit im Leisen und Unbekannten sucht, sondern seine Fundsachen auch mit gewissen finanziellen Risiken veröffentlicht. Wie viel Mühe in dieses Werk investiert wurde, zeigt sich etwa darin, dass die in Tamascheq verfassten Texte ins Englische und Französische übersetzt wurden. Sie charakterisieren den Sänger, Texter und Gitarristen Ousmane Ag Mossa als nachdenklichen und gewissenhaften Menschen, der vom Schmerz seines Volkes gezeichnet ist. Dürreperioden, Rassismus, fehlende Bildung und Kriege sind nur einige Probleme, mit denen die Tuareg in Mali zu kämpfen haben. Zwar wünscht sich auch Ag Mossa die Autonomie seines Volkes, doch sieht er sich gleichzeitig in Differenz zu den Widerstandskriegern. Seine Songs sind sowohl textlich als auch musikalisch eher sanftmütige Protestlieder, in denen die Liebe immer wieder eine wichtige Rolle spielt. Ohne persönliche Werte, die es anzustreben lohnt, fehlen auch Sinn und Antrieb zum Widerstand.
Besonders leise und schön ist „Aratane N’Adagh“, in welchem Ag Mossa die grösste Angst der Kinder von Adagh besingt – ihren Mangel an Bildung. Dezentes Feedback, sanfte Perkussion, und feines Gitarren-Picking begleiten den Sänger und gestalten ein eher kühles Klangbild. Etwas öfter klingen Tamikrest jedoch nach heissen Tagen und staubigen Landschaften. Dass E-Gitarren hier ebenso gut hinpassen wie in die amerikanischen Südstaaten, wissen wir spätestens seit Tinariwens grandiosem Album „Amassakoul“. Das eingängige „Tamiditin“ klingt gar so, als habe ihnen Neil Young eine seiner zerschundenen Gitarren überlassen. Definitiv beteiligt am Tamikrest-Sound war Chris Eckmann, Sänger der ebenso guten wie sträflich ignorierten Walkabouts, dem die Band am Festival Au Désert über den Weg lief. Dass das Album auch in Europa auf offene Ohren stossen könnte, ist wohl gerade auf dessen Verbindungen zu Glitterhouse zurückzuführen. Die Vorzeichen stehen auf Grund der musikalischen Prägungen – Ag Mossa hat zum Beispiel die Dire Straits gehört – zumindest nicht schlecht. Die Afro-Rhythmen, die von mehreren Stimmen getragene orientalische Melodik und das an Ali Farka Touré angelehnte Gitarrenspiel bezeugen aber immer noch einen starken Bezug auf regionale Vorbilder. Dass Tamikrest ihre Einflüsse elegant und geschmackvoll zu einem eigenen Sound vermengen, versteht sich bei solchen Referenzen schon beinahe von selbst. Bleibt letztlich nur zu hoffen, dass das Album nicht ignoriert wird.
Ab 19. Februar 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Outamachek
> Tamiditin
> Aratane N’Adagh
Diskographie:
> Adagh (2010)
Ähnliche Künstler:
> Tinariwen
> Ali Farka Touré
> Amadou & Mariam
> Boubacar Traoré
> Neil Young
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