“Also
so richtig poppig ist das ja nicht”, sagte kürzlich ein Freund über die
pompösen Londoner Newcomer Tape The Radio. Und mit einem Schlag waren
alle bisherigen Überlegungen über den Haufen geworfen.
„Heartache and Fear“ ist zuerst einmal ein sehr dynamisches Debüt, dem man seine fünf Jahre Entstehungszeit gleichwohl anmerkt. Das soll nicht heißen, dass es nach schwerer Geburt klingt – im Gegenteil, die Produktion ist kraftvoll und auf den Punkt. Eigentlich ist das aber auch zu erwarten, wenn eine Band ein halbes Jahrzent braucht, um ihr erstes Album auf den Markt zu bringen, aber so ein langer Vorlauf kann ja auch nützlich sein, zum Beispiel um mit Jim Lowe, unter anderem Produzent der Foo Fighters, und Alan Moulder, der beispielsweise für den Mix bei Depeche Mode und The Killers verantwortlich zeichnete, prominente Unterstützung bei der Technik an Bord zu holen. Ihren Sound scheinen Tape The Radio in dieser Zeit ebenfalls gefunden zu haben, der auf den Eckpfeilern grosser Vorbilder wie The Cure oder Muse fusst. Das Trio dekliniert jedoch das gesamte Spektrum der Stimmungen durch, auch wenn es der Titel anders andeutet: Oft ist es zwar schroffe Dramatik, in Songs wie dem Titeltrack oder „A Desert Track“, mal aber auch unverbrauchte Energie, wie bei „Save a Life“, welche die Songs trägt. Dabei wollen sie es aber immer gerne weitschweifig, sensibel und vor allem hymnisch.
Bleibt immer noch die Frage, ob Tape The Radio ihre eigene Musik in Zukunft aus dem Radio mitschneiden werden. Das seltsame an dieser Musik ist nämlich ihre Wirkung: Von „Heartache and Fear“ wird man oftmals geradezu überwältigt, von den vielen Hooklines und den häufig auf Eingängigkeit getrimmten Melodien. So erhebend und wahnsinnig eingängig das für den Moment ist, Ohrwürmer produziert diese Platte nicht. Denn seltsamerweise verfliegen diese ganzen Eindrücke auch wieder so schnell, wie sie gekommen sind. Zuerst also doch Pop, ziemlich gewaltiger sogar. Nur eine halbe Stunde danach eben nicht mehr. Prinzipiell ist das ja auch nichts Schlimmes, denn gerade so wird dieses Album noch interessanter und gewinnt an Halbwertszeit.
Mehr erinnernswerte Melodien hätten aber trotzdem nicht schaden können, denn die Qualität und Frische im Songwriting sinkt ab der Mitte dann zumeist auf Mittelmass ab. Ob dieser Band eine grosse Zukunft bevorsteht, kann also noch niemand beantworten, ein feinfühliges, ordentliches Debüt ist aber schon mal einiges wert. Fans der hymnischen, aber nicht allzu simpler Musik zwischen Rock und Pop sollten Tape The Radio deswegen auf jeden Fall eine Chance geben.
Seit 2. September 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Heartache and Fear
> Save a Life
Diskographie:
> Heartache and Fear (2011)
Ähnliche Künstler:
> Snow Patrol
> The Cure
> U2