Tarwater - Spider Smile |
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| von Rafael Werner am Freitag, 20. April 2007 in Neuerscheinungen | |
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Genre: Electronica Label: Morr Music CH-Vertrieb: Namskeio Unsere Wertung:
Sich während dem Wühlen in einer Ramschbox in Musik verliebenEs geht lange, bis der Fluss fliesst und noch länger bis der erste Gedanke zu dieser schwer fassbaren, elektronischen Musik ausformuliert werden kann. Im Opener „Shirley Temple“ wird man nämlich nicht wie auf unzähligen anderen Werken anbiedernd empfangen, sondern ist als Zuhörer allerhöchstens Statist. Tarwater machen ihre Sache gut und bieten in dieser Zeit mit einer arrogant abgeklärten, bedingungslosen Scheibe fast schon eine Überraschung. Bernd Jestram und Ronald Lippok (nicht zu verwechseln mit Morgenstern – Kollege und Bruder Robert Lippok) sind immer noch Klangtüftler und suchen nach wie vor nicht nach der perfekten Melodie, denn diese würden sie auch nicht finden, sondern nach der ultimativen Atmosphäre, nach dem Moment wo die Stoffe ineinander fliessen, wo Autos, Strassen, Bäume, Gräser und Häuser sich verflüssigen und geschmolzen sowie gerührt als Cocktail getrunken werden können. Das kann eingängiger Elektropop werden („World Of Things To Touch“) oder sprödes Raumfüllen sein („Witch Park“), das kann einem in die asiatischen Hochgebirge entführen („A Marriage In Belmont“) oder nach rhythmisch cleverem Vorwippen klingen („Lower Manhatten Pantoum“). Immer aber kann einem nichts passieren, in diesen Tracks von „Spider Smile“ kann man nicht fallen, weil sie nicht fähig sind, zu überraschen. Hier liegt der Negativpunkt dieser Ignoranz gegenüber dem Hörer: Was zwar einerseits souverän und gelassen daherkommt, ist andererseits überhaupt nicht fähig den Konsumenten zu fordern, ihn zu peinigen oder zu entzücken. Keine Reaktion ist auch eine Reaktion, aber eben: Keine. Dann bewegen sich Tarwater schnell im absoluten Nichts, weil die Strassen und Bäume nun doch nicht flüssig sind, weil die Menschen nicht hinhören, ohne aufgefordert zu werden und weil fehlende Spannung (was nicht fehlender Aufbau bedeutet) immer das Ende bedeutet – in der Wirklichkeit. Die identische, statische Gefühlsleere finden wir auf lyrischer Ebene wo Tarwater nicht über zwar wahre, aber schon zu oft gehörte Standardfloskeln („Home is where your heart is“, gut zu wissen) hinauskommen. Und letztlich ist auch das versponnene Klangwirrwarr (am besten veranschaulicht in „Roderick Usher“) nichts weiter als eine Floskel: Eine formelhafte Redewendung oder einfach nur nichts sagende (inhaltsarme) Worte. Beruhigend ist dann aber die Tatsache, dass Tarwater diese dezente und gepflegte Langeweile selbst bemerkt zu haben scheinen und bereits auf „Arkestra“ mit Rasseln, Vogelgeräuschen und beinahe popähnlichen Melodien erfolgreich versuchen prägender zu werden, was dann auf „When Love Was The Law In Los Angeles“ gar seinen melodischen Höhepunkt findet. Auf „Sweet Home Under White Clouds” handeln Tarwater dann wieder nach gängigem Muster, aber so viel anspruchsvoller und komplexer, dass ein hervorragendes Luftorgan entsteht, welches als weisser, schleichender Nebel durch die Metropolen dieser Welt ziehen sollte. Der eine oder andere würde verblüfft nachrennen. Seit 20. April 2007 im Handel. Anspieltipps: When Love Was The Law In Los Angeles; Sweet Home Under White Clouds
Trackliste: 1) Shirley Temple; 2) World Of Things To Touch; 3) Witch Park; 4) A Marriage In Belmont; 5) Lower Manhatten Pantoum; 6) Roderick Usher; 7) Arkestra; 8) When Love Was The Law In Los Angeles,; 9) Easy Sermon; 10) Sweet Home Under White Clouds; 11) When Tomorrow Comes
similar artists: Tiga, Broadcast, Jan Jelinek, Robert Lippok, To Roccoco Rot> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb Bio: Hinter dem Berliner Bandprojekt Tarwater stecken die beiden Klangtüftler Bernd Jestram und Ronald Lippok. Vom englischen Magazin "Jockey Slut" als Erben des Krautrocks bezeichnet, bastelt das Duo seit Mitte der Neunziger an ihrer eigenen Version von groovender Elektronik, die vor Gesangsspuren und herkömmlichem Instrumenteneinsatz nicht zurück schreckt. 1996 erschien das Debutalbum "11/6 12/10" auf dem Berliner Kitty Yo-Label. Der Einsatz von Loops und Samples in das Kompositionsgeflecht von dunklen Elektrosounds, handgespielten Instrumenten und Sprechgesang katapultierte die Band in die Post Rock-Ecke und in die Nähe von Bands wie Tortoise und Kreidler. Mit dem '98er Release "Silur" wurde die DJ-Legende John Peel auf die Berliner aufmerksam und lud sie gleich zwei mal zu einer der berühmten Sessions nach London ein. Die internationale Musikpresse zeigte sich ebenfalls begeistert und das englische Kultlabel Mute signte die Band für die USA, wo sie sogleich eine Konzertreise starteten. Mitte 2002 erschien ihr viertes Longplay-Werk "Dwellers On The Threshold". m April dieses Jahres erschien Tarwater neustes Werk „Spider Smile“. Diskographie: > 11/6 12/10 (1996) > Silur (1998) > Animals, Suns & Atoms (2000) > Dwellers On The Threshold (2002) > The Needle Was Travelling (2005) > Spider Smile (2007)
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