The Appleseed Cast waren spätestens seit „Two
Conversations“ diejenige Band, die mit ihren Klängen die blausten Meere
und schönsten Sonnenuntergänge in meine Tagträume zeichnete. Selbst
wenn sie dazu Feuerwerk-Raketen in den Himmel aufsteigen liessen,
verloren sie sich nie im Kitsch. Ich weiss nicht, wie gross Horizonte
in Lawrence, Kansas sind, aber sie müssten eigentlich gigantisch sein.
Doch wir dürfen nicht vergessen, dass The Appleseed Cast auch immer
eine Band der Veränderung gewesen ist. Alles begann in den späten
Neunzigern, als Emo noch kein Vorwand und in erster Linie Indie-Rock
war. Damals zählte sie mit Gruppen wie Sunny Day Real Estate oder
Mineral zu den Speerspitzen des so genannten Mid-West-Emo, ein Stil,
der heute leider mehrheitlich in der Suppe aus fett produzierten
Gitarrenbrettern untergegangen ist. Was danach kam - Ausflüge zu
Emo-Opern und ein Weg hin zu epischen Popsongs auf „Two Conversations“.
Insgeheim hatte ich gehofft, dass sich The Appleseed Cast nicht mehr
verändern würden. Nun also ein neues Werk. Vieles hätten wir den
Musikern aus Kansas zugetraut, kaum aber die Transformation zu
„Peregrine“. The Appleseed Cast sind auch heute noch unmissverständlich
The Appleseed Cast. Salopp ausgedrückt sind sie vor allem sperriger
geworden. Nicht, dass die Amerikaner ihren Songs keinen Raum mehr geben
würden, eher schon, haben sie den Raum doch viel dichter kultiviert.
Mehr Noten, mehr Drumschläge, mehr Geklimper. Die Melodien sind wie
immer gross, aber ihr Fluss wird des Öfteren unterbrochen. Den Ausdruck
„laid back“ kann die Band nur noch zeitlich begrenzt für sich
beanspruchen, Landschaftsbilder werden von einer kalkulierten Formel in
den Hintergrund gedrängt. Fans der zweiten und dritten Stunde werden
sich vielleicht ob der schweren Ladung erdrückt oder bedrängt fühlen.
So war’s bei mir. Es wird sich legen.
Glücklicherweise gibt es sie noch, Songs, überdimensional wie
Outback-Horizonte. Von „Sunlit And Ascending“ bis zu „Song 3“ wähnen
wir uns in einer imaginären Hängematte. Es sind Lieder, die Fernweh
auslösen. Später werden sie uns vielleicht einmal daran erinnern, wie
schön’s doch früher war, als wir noch nicht am anderen Ende der Welt
verweilten. Man muss diese Band einfach mögen. So wie sie einmal war,
wie sie heute ist und wie sie einmal sein wird. Auf, zu neuen Ufern.
„I’ve got a dream for us!“
Seit 17. März 2006 im Handel.
Anspieltipps: Sunlit And Ascending; February; An Orange And A Blue; Song 3
Trackliste: 1) Ceremony; 2) Woodland Hunter (Part I); 3) Here We
Are (Families In The Hallways); 4) Silas’ Knife; 5) Mountain Halo; 6)
Sunlit And Ascending; 7) February; 8) An Orange And A Blue; 9) Song 3;
10) Woodland Hunter (Part II); 11) Peregrine; 12) A Fate Delivered; 13)
The Clock And The Storm
similar artists: A Red Season Shade, The Gloria Record, Sunny Day Real Estate, Mineral, Giardini di Mirò
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Bio:
Die Appleseed Cast starten ihre musikalischen Experimente in der
zweiten Hälfte der Neunziger. Sie touren um die Welt mit Bands wie den
Get Up Kids, Cursive, Jimmy Eat World, The International Noise
Conspiracy und den Mates Of State. Die Band hat im Laufe ihrer
Bandgeschichte einen eindrücklichen musikalischen Wandel vollzogen.
„Mare Vitalis“ wird als Meilenstein in ihrer Karriere angesehen. Das
Album bildet einen Übergang von punk- zu poporientierter Musik.
Peregrine ist ihre fünfte Full-Lenth-Platte, produziert von John
Congelton (Explosions In The Sky). Die heutige Besetzung basiert auf
den Gründungsmitgliedern Chris Crisci und Aaron Pillar, dazu gekommen
sind Bassist Marc Young und Drummer Nathan Richardson.
Diskographie:
> The End of The Ring Wars (1998)
> Mare Vitalis (200)
> Low Level Owl I (2001)
> Low Level Owl II (2001)
> Lost Songs (2002)
> Two Conversations (2003)
> Peregrine (2006)