…war die Welt noch im Gleichgewicht: Die Hosen trug man
knapp unter den Schultern, die Krawatten waren pink, die Frisuren
irgendwo zwischen Dauerwelle und Vokuhila, und die Musik, sowie der
entsprechende Tanzstil schlicht genial.
Und ich gebe hier offen zu, dass seit Kurzem wieder Eurythmics, The Police, Billy Idol, Talk Talk, A-Ha, Bonnie Tyler, Corey Hart, die alten Depeche Mode, Soft Cell, The Cure, Killing Joke uvm. durch meine Boxen poltern. Das musikalisch wohl großartigste Jahrzehnt verdient es, aufgearbeitet zu werden. Die Ballad Bombs waren damals vor allem im deutschsprachigen Raum eine Grösse. Wegen Problemen mit dem damaligen Label, welches die Rechte für ’And Then We Danced’ zurückhielt, konnte diese Perle des New Wave erst jetzt veröffentlicht bzw. neu aufgesetzt werden. Dass eine Welle rockiger New Wave-Bands seit gut zwei Jahren die Tanzflächen weltweit zum Brodeln bringt, ist allgemein bekannt. Der Zeitpunkt für eine Neuveröffentlichung dieser verlorengeglaubten Knaller, die man getrost als musikalischen Ursprung der heutigen Hypebands bezeichnen darf, kann nicht besser gewählt sein. Man hört hier äußerst selten Gitarren und Schlagzeuge, dafür umso mehr staubtrockene, brutal kitschige Synthies, welche Beats von sich geben, wie es nur in den 80ern möglich war. Darüber werden mit lässigen Männerstimmen teils packende, meist traurige Melodien geträllert. Nur schon die Tatsache, dass der zweithöchste Musikgott (nach einem alkoholkranken Adonis, der zwischenzeitlich unter dem Pseudonym Da Hoff für Furore sorgt), nämlich Mathias Reim, für die Produktion einiger Songs dieses Albums zuständig war, verdient Lob in höchsten Tönen. Sein Smashhit ’Verdammt ich lieb dich’ entstand jedoch erst einige Jahre später. Die Ballad Bombs liefern, wie es der Bandname verspricht, ein paar nette Balladen mit trister Grundstimmung und mechanisch-monotonen Synthies (’Life Is A Lousy Piece Of Shit’). Ja, auch Industrial wurde damals erfunden (’Mind the gap’). Mir persönlich gefallen die Tanzhämmer (’You and I’, ’All I Need’, ’Change It All’), die gut und gerne vor oder nach ’Just can’t get enough’ von Depeche Mode, Bonnie Tylers ’Holding for a hero’ oder Ähnlichem laufen könnten. Im Unterschied zu den genannten Bands verbleiben die Ballad Bombs beinahe ausschließlich bei Moll-Akkorden und düsterer Grundstimmung, handelt die Musik doch trotz all den zum Tanz auffordernden Synthies meist von weniger spaßigen Themen wie Selbstzweifel, Todesängsten, gescheiterten Beziehungen oder AIDS. Trotz all der guten Musik muss ich zugeben, dass eine gewisse Tendenz zum Verleiden nicht zu leugnen ist. Auch die teilweise schleimig-schwule Klebrigkeit der Songs sowie die kitschige Instrumentierung können mit der Zeit gewaltig nerven. Trotz allem, die 80er sind alles andere als tot und wer gerne tanzen will, wie es die heute knapp 40jährigen in ihren besten Jahren taten, sollte sich die Platte anschaffen.
Seit 2. Februar 2007 im Handel.
Anspieltipps: All I Need, Change It All, Pretty Face, Life Is A Lousy Piece Of Shit
Trackliste: 1) You And I; 2) All I Need; 3) Change It All; 4) Do It (2007 Remix); 5) Pretty Face; 6) Youn Europeans; 7) Call Me; 8) Life Is A Lousy Piece Of Shit; 9) Mind The Gap (2007 Remix); 10) Take Me; 11) Be Near Me; 12) You’re In My Mind; 13) Angry Young Man; 14) Mr. Smeagol; 15) Yust Your Death ; 16) March Of Ballad Bombs
similar artists: Depeche Mode (früher),
Killing Joke (früher), Joy Division, Talk Talk, She wants Revenge,
IamX
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Bio:
Die Ballad Bombs sind eine aus Göttingen stammende New Wave / Goth-Punk Band bestehend aus Armin ’Jeff’ Johnert, Mark Walter und Stephan Schönrock. Die Band wurde bereits 1986 gegründet. Damals lebten die drei in einer heruntergekommenen Gegend in einer Art Punk-WG, welche gleichzeitig als Übungsraum diente. Sie wurden rasch zur angesagtesten Band der Stadt. 1987 und 1988 wurden die Ballad Bombs gar zur Band des Jahres gewählt. Nach einer 12’’ (It's Not The Time/ Do It als The Fynecry) und dem Tape Mini-Album ‘Dirty Rats’ folgten die Aufnahmen zu ’And Then We Danced’. Leider zerstritt die Band sich mit dem damaligen Label Membran, was eine Veröffentlichung verhinderte. Zwischenzeitlich sind die Rechte am damals produzierten Material wieder in den Händen der Musiker, sodass das Album mit leichter Verspätung doch noch veröffentlicht werden konnte. Weitere Aufnahmen sind in Planung.