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The Bambi Molesters – As the Dark Wave Swells

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von Philipp Gautschi am Mittwoch, 16. Juni 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Surfrock  |  Label: Glitterhouse Records (Irascible)  |  Unsere Wertung: 8.5/10

Surfekurs für Fortgeschrittene
Instrumentaler Surf-Rock aus Kroatien? Vorerst staunte ich auch, mittlerweile kennt die Begeisterung kaum Grenzen.

Eine erste Unbekannte bildet der Begriff Surfrock. Das Genre stammt aus Kalifornien; Ende 50er Anfang 60er Jahre dürfte hinkommen; entstanden aus instrumentalem Rock’n’Roll; verwandt mit Garage-Rock und Rockabilly. Soviel dazu.

Eine zweite Unbekannte in Bezug auf Rockmusik: Kroatien. Bis anhin weiss ich, dass es dort wunderschöne Nationalparks und steinige, naturbelassene Strände gibt, also eher ein Reise- als Musikexportland. Musikalisch assoziiert man Kroatien leider reflexartig mit dem Eurovision Song Contest, als eines der unzähligen Ostblockländer mit trällernder, vollbusiger Wasserstoffpuppe oder so.

Nun kommt eine vierköpfige Band aus ebenjenem Kroatien daher und knallt mit "As the Dark Wave Swells" ein ungeheuerlich lässiges Surfrock-Album hin. Sämtliche Kroatien- Klischees verblassen genauso wie mein Gesicht vor erstaunen. Dalibor Pavicic und Dinko Tomljanovic spielen Gitarre als gäbe es kein Morgen. Die Rhythmusfraktion  mit Lada Furlan Zaborac (Bass) und Hrovje Zaborac (Schlagzeug) sorgt für den nötigen Drive. Unzählige Gastmusiker, welche Orgeln, Trompeten, Saxophone, Mellotrone, oder Streichinstrumente bedienen, bereichern das Album. Die Band existiert bereits seit 1995 und wurde von Michael Stipe als ’beste Surfrock-Band der Welt’ bezeichnet. Mit R.E.M. ging die Band gar auf Tour.

Der Vergleich ist mittlerweile zwar ein alter, doch auch diese Band liefert das absolut passende Material, um einen Tarantino-Film gebührend zu untermalen. Auf dem Kill Bill-Soundtrack wären die Bambi Molesters genauso gut aufgehoben gewesen wie an der Seite des grossartigen Ennio Morricone

Mit "As the Dark Wave Swells" startet das Album sogleich mit dem Titelsong. Unterkühlt, ja gar unglaublich cool (hier passt dieses Trash-Wort tatsächlich), Western-Atmosphäre, seidenfeine Streicher-Arrangements treffen auf Mariachi-Trompeten, zwei Gitarren schweben auf einem dichten, dezenten Bassteppich. Eigenwillig friedlich. Nächster Höhepunkt ist "Wrong Turn". Das Gitarrenspiel wiederum messerscharf, teilweise liefern sich beide Gitarren packende Duelle, dezente Orgelklänge im Hintergrund. Rock’n’Roll. ’Lazy Girls Hangout’, wie der Titel verrät, zum abhängen, die Gitarren scheu bekifft, träge, verträumt, trotzdem fesselnd. Nun, insgesamt ändert sich im Verlauf des Albums nicht viel, die Gitarren spielen die Hauptrolle, werden jedoch, wie beim instrumentalen Rock normalerweise üblich, nie flächig, laut oder böse. Absolut solides Handwerk, kaum fassbare Kreativität, packende Melodien, instrumentell Vielfältig, hochinteressante Spielereien, souverän arrangiert, abgeklärt, unaufdringlich, manchmal frech, allerfeinste Unterhaltung mit Niveau.

Musik für lange Autofahrten in gleissender Hitze; oder altmodischer: Musik für ausgedehnte Ausritte per Pferd in kroatischen Steppen an Winnetous Seite; oder nasser: Musik für den Ritt auf der perfekten Welle, nachts in silberblau schimmerndem Wasser. Ich kann weder reiten noch surfen und fahre selten Auto, also muss die 2te Klasse der SBB, morgens um 7 zwischen Luzern und Zürich herhalten und yeah: es fühlt (bzw. hört) sich sogar an, als würde ich (zusammen mit all den anderen netten Pendlern) auf einer Welle nach Zürich reiten oder gleiten.

Seit  24. Mai 2010 im Handel. 

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
The Bambi Molesters
Anspieltipps:

> As the Dark Wave Swells
> Wrong Turn
> Lazy Girls Hangout
> Rising East

Diskographie:
> Dumb Loud Hollow Twang (1998)
> Intensity (1999)
> Sonic Bullets: 13 From the Hip (2001)
> As the Dark Wave Swells (2010)

Ähnliche Künstler:

> Laika & the Cosmonauts
> Man or Astro-Man?
> The Chantays
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