Groove, Soul, Funk: The Bees entdecken sich und die Vergangenheit neu, bleiben aber bescheiden und nett.
Wieso muss sich eine Band eigentlich verändern? Schliesslich mag man Musik aus bestimmten Gründen, welche letztlich auch Merkmale eines Interpreten sind und deshalb konstant erhalten bleiben sollten. Daraus schliessend wäre es uns lieber, The Bees würden weiterhin ihren spritzigen 60s Rock- und Pop verfolgen, Hits wie „Wash In The Rain“ ablösen und nicht – wie auf „Octopus“ – für die Band neue Landschaften wie Soul und Indie in plötzlich viel komplizierterer Struktur und aufwändigeren Arrangements von sich geben. Denn wir hörten dieser Band bis anhin wegen ihrer freundlichen, bescheidenen Aufrichtigkeit und der Klarheit ihrer Werke zu und das sollte auch so bleiben. Ob diese Veränderung nun daher kommt, dass The Bees erstmals in ihrem eigenen Studio aufgenommen haben, ist zu bezweifeln, so oder so lassen sich die Engländer wieder von der Vergangenheit inspirieren, beschränken sich diesmal aber nicht auf ein Jahrzehnt, sondern interessieren sich sowohl für Marvin Gaye und Woodstock als auch für die Beach Boys, Drogentrips und erstaunlich viel Funk.
„Love In The Harbour“ glänzt mit allen neuen Eigenschaften, „Hot One“ schüttelt einem zwischenzeitlich durch und auch „Better Days“ fordert zum groovigen Mitwippen auf: Immer unaufdringlich, weiterhin bescheiden, wenn auch manchmal ein bisschen gar überschwänglich und überbesetzt. Alleine deshalb gilt es zu verkünden: „Octopus“ hat aus den Bees definitiv eine neue Band gemacht, die von nun an grössere Ambitionen innehält, mehr probiert und auch mehr riskiert, sowohl im Stil wie auch in der Struktur ihrer Songs. Trotz dieser Mutation von der kleinen zur mittelgrossen Band hinterlässt die Truppe einen erstaunlich soliden Eindruck, leistet sich kaum Ausrutscher und bietet dem Hörer ein präzises und gutes Drittwerk ab. Mir gefällt dieses groovige Imitat einer grossen Indiepopband überhaupt nicht (für mich ist es eher eine ungewollte Nachwirkung von verdorbenem Kraut), aber gut ist das allemal. Richtig gut sogar.
Seit 27. April 2007 im Handel.
Anspieltipps: Love In The Harbour; (This Is Fot The) Better Days
Trackliste: 1) Who Cares What The Question Is?; 2) Love In The Harbour; 3) Left Foot Stepdown; 4) Got To Let Go; 5) Listening Man; 6) Stand; 7) (This Is Fot The) Better Days; 8) The Ocularist; 9) Hot One!; 10) End Of The Street
similar artists: The Beta Band, Super Furry Animals, The Beatles, The Coral
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Bio:
The Bees bestehen zunächst nur aus dem Duo Paul Butler und Aaron Fletcher, die ihr Debütalbum „Sunshine Hit Me“ 2001 im Haus von Butlers Eltern aufnehmen. Es wird von We Love You 2002 veröffentlicht und prompt für den Mercury Music Prize nominiert. Erst danach wird eine richtige Band zusammengestellt, die aus sechs Mitgliedern besteht, die sich das Songwriting und die Instrumente teilen. Sie werden von Virgin gesignt und nehmen ihr zweites Album „Free The Bees“ auf, das 2004 erscheint und es, mit Hilfe hervorragender Kritiken, in die UK-Top 30 schafft. Im Frühling 2007 erscheint nun mit „Octopus“ das dritte Alben von The Bees.
Diskographie:
> Sunshine Hit Me (2002)
> Free The Bees (2004)
> Octopus (2007)