Duncan Attwood von Blueneck sagte: ’’People who like to lose themselves in the place within will like our music.’’ Da kann man nur zustimmen und sich wunderbar verlieren.
Kürzlich wurde an dieser Stelle auf das wunderbar-düstere Album „The Heritage“ von Her Name Is Calla aufmerksam gemacht. Nun soll mit „The Fallen Host“ von Blueneck eine weitere, genauso düstere Produktion aus dem Hause Denovali besprochen werden. Langsam aber sicher nerven mich all die zugegebenermassen schönen wie auch zutreffenden, in Rezensionen wie dieser tausendfach kopierten Floskeln von wegen ’sphärische Klanglandschaften’, ’verträumter Gesang’, ’Kraft aus Ruhe’, ’verzauberndes Violinenspiel’, ’fragile Schönheit’, ’pompöse Gitarrenwände’ oder gar ’meditative Seelenwanderung’. Doch die Suche nach präzisen Worten gestaltet sich tatsächlich mit jedem Album des Genres zunehmend schwierig. Worauf will man den interessierten Leser denn hinweisen, ausser dass es sich auch bei Bluenecks neuem Streich um ein wiederum wunderschönes, von Verzweiflung, Schwermut und Dunkelheit triefendes Unding zwischen ebenjenem ’verzauberndem Violinenspiel’ und den üblichen ’pompösen Gitarrenwänden’ handelt?
Ausser das unter Kennern bereits als offizieller Samenlöser des Jahres hochgejubelte „Lilitu“, welches eine gewisse Pop-Affinität nicht verleugnen kann und deswegen wahrscheinlich so hohe Wellen schlägt, gehen die einzelnen Songs im Gesamtwerk unter. Dies schätzt der versierte Postrock-Konsument jeweils sehr. Vielleicht könnte man auch Nuancen betonen. Wenig Gesang, jedoch klug eingesetzt und in jauchzender Harmonie mit der ungeheuerlich trägen Grundstimmung. Wenig Übersicht und Struktur, grossartige Dramaturgie. Der Zeitaufwand bis man das Album bzw. seine Feinheiten erfassen und geniessen kann, fällt entsprechend hoch aus. Auch dies gefällt dem Heavy-User des Genres. Einzelne Gitarrenparts kommen deutlich wuchtiger daher als z.B. bei den doch verwandt klingenden Her Name Is Calla und schliessen die Songs jeweils bravourös ab (z.B. „Revelations“).
’The Fallen Host’ bietet somit alles, was man von einem grossartigen Postrock-Album erwarten darf…schon wieder und immer noch. Wie immer empfehle ich ein Album wie dieses allen Depressiven oder denen, die es gerne werden möchten. Liebhaber des Genres werden sich das Teil bereits angeschafft haben und dürften mittlerweile ’Kraft aus der dem Album immanenten Ruhe’ schöpfen oder sich auf ihrem ’meditativen Trip ins Unbewusste’ befinden. Haarsträubender Schwachsinn…
Seit 10. November 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Seven
> Weaving Spiders Come Not Here
> Lilitu
Diskographie:
> Scars of the Midwest (2006)
> The Fallen Host (2009)
Ähnliche Künstler:
> Her Name Is Calla
> Gregor Samsa
> Mogwai