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The Dandy Warhols – Odditorium Or Warlords From Mars (2005)

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von Michael Rothen am Sonntag, 23. Oktober 2005 in Neuerscheinungen   
Genre:  Rock’n’Roll
Label: Capitol Records
CH-Vertrieb: EMI Music
Unsere Wertung: The Dandy Warhols – Odditorium Or Warlords From Mars (2005)

Kauzig
The Dandy Warhols – Odditorium Or Warlords From Mars (2005) Retro-Rock, Lo-Fi-Pop, Kommunen-Folk, Redneck-Country. The Dandy Warhols geben sich gekonnt vielseitig und doch auch erschreckend uninspiriert.

Gleich zu Beginn von „Odditorium Or Warlords From Mars“ darf der Rezensent erfahren, dass er gerade dabei ist, Ohrenzeuge eines guten Stücks Musikgeschichte zu werden. So jedenfalls der Grundtenor der wohl lustig sein sollenden Ansage seitens Bill Curtis (US-Nachrichtensprecher). Ich kann mich infolge Amüsement grad’ noch halten und switche in freudiger Erwartung in Richtung der beiden ersten ungewöhnlich langen Tracks „Love Is The New Feel Awful“ und „Easy“ weiter. Gute 17 Minuten später – nach dem Ende von „Easy“ – befinde ich mich hin und her gerissen, in eher wankelmütigem Gemütszustande. Weder Fisch noch Vogel!
Typischerweise bauen Dandy Warhols Songs auf jeweils einem oder gerade mal zwei Riffs auf, welche spielerisch variiert und zig-mal repetiert werden. Das unmittelbar Schöne daran ist ganz klar der warme, analoge Grundsound. Die fehlende Spannung und Abwechslung setzt meinem Hörempfinden aber prekär zu; ich fühl’ mich streckenweise schlicht gelangweilt. Erwähnenswert – leider ebenfalls im Negativen – sind auch die überlangen Feedbackorgien. Diese wirken anfängerisch, zumindest aufgestzt und wenig inspiriert; irgendwie einfach schal!
Die beiden folgenden Tracks zeugen für kurze Zeit von der doch bemerkenswerten Vielseitigkeit sowie Stilsicherheit der Band. Neben psychedelischem Rock beherrschen die Dandys auch den Country: Schrummel hin („All The Money Or The Simple Life Honey“), schrummel her („The New Country“).
In der Folge erklingt mit “Holding Me Up” erneut ein typischer 1-Riff-Song, inklusive leidlicher Überlänge! Desweiteren ein Totalausfall mit Hund namens „Did You Make A Song With Otis“, wohl nur für Eingefleischte speziell und einfallsreich.
Endlich! Mit „Everyone Is Totally Insane“ zeigen The Dandy Warhols doch noch, dass sie in der eigens angerichteten Unübersichtlichkeit zeitweise doch noch den Überblick behalten. Gleich danach die Single „Smoke It“, welche sehr schön knatternd und scheppernd im Garagen-Rock-Kostüm daherkommt. Mit „Smoke It“ werde ich nicht unangenehm an die Kommerz-Warhols der Vodafone-Werbung erinnert („Bohemian Like You“). Das ist zwar heiss, gesamthaft gesehen aber viel zu selten auf der aktuellen Platte vertreten. Zum Schluss – es musste wohl sein – gibt’s dann noch ein Riff über fünf Minuten, ein Meditationssong sowie ein profaner Drogensong, wobei keiner der dreien mich wirklich anfixt.
Fazit: Durchzogen, nie richtig gut, selten ganz schlecht, doch meistens eher undisponiert und schludrig. Die Band selber sieht sich als unangepasst und freigeistig. Klingt nach Kleinkunst, welche auf Biegen und Brechen auf 60 Minuten ausgedehnt werden musste.


Seit 12. September 2005 im Handel.

Anspieltipps: Smoke It, Everyone Is Totally Insane, Love Is The New Feel Awful
Trackliste: 1) Colder Than The Coldest Winter Was Cold; 2) Love Is The New Feel Awful; 3) Easy; 4) All The Money Or The Simple Life Honey; 5) The New Country; 6) Holding Me Up; 7) Did You Make A Song With Otis; 8.) Everyone Is Totally Insane; 9.) Smoke It; 10.) Down Like Disco; 11.) There Is Only This Time; 12.) A Loan Tonight
similar artists: Velvet Underground, T-Rex (wenigstens bei einigen Glam-Rock Stücken)

> Hören und Kaufen
> Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
1994 gründet der heutige Frontmann Courtney Taylor-Taylor (Gesang und Gitarre) – damals noch schlicht Courtney Taylor benamst – seine The Dandy Warhols. Die Mitstreiter ab Tag eins sind Peter Holmstrom (Gitarre), Zia McCabe (Bass, Keyboard) und Eric Hedford (Schlagzeug).
Die Gruppe zelebriert einen eigenständigen, psychedelisch angehauchten Rock mit gelegentlichen Ausflügen in Folk, Country und Garage-Rock. Capitol Records zeichnet seit dem Debut „Dandy’s Rule OK?“ in 1995 für alle Veröffentlichungen verantwortlich. Das zweite Album lehnt das Label mit der Begründung fehlender Hits vorerst noch ab, doch mit dem Erscheinen von „Dandy Warhols Come Down“ festigt die Band ihren unbestrittenen Stellenwert als Geheimtipp, wenigstens in Europa.
1999 verlässt Gründungsmitglied Eric Hedford die Band und wird sogleich durch Taylor-Taylors Cousin Brent de Boeur ersetzt. 2002 gelingt den Dandys schliesslich mit dem Vodafone-Song „Bohemian Like You“ der endgültige Durchbruch. Das Nachfolgealbum wird schliesslich von niemand geringerem als Duran Duran produziert und fällt darum einiges elektronischer aus. Mit „Odditorium Or Warlords From Mars“ beschreiten The Dandy Warhols jedoch wieder mehr die Pfade der E-Gitarre.

The Dandy Warhols – Odditorium Or Warlords From Mars (2005)
Diskographie:
> Odditorium Or Warlords From Mars (2005)
> The Black Album / Come On Feel The Dandy Warhols (2004)
> Welcome To The Monkey House (2003)
> Thirteen Tales From Urban Bohemia (2000)
> Dandy Warhols Come Down (1997)
> Dandy’s Rule OK? (1995)



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