Genre: Folk | Label: Beggars Roughtrade (Musikvertrieb) | Unsere Wertung: 6.0/10
January Hymns?
Die Band aus Portland verzieht sich aufs Land. Country statt Prog, Folk statt Indie. „This Is Why We Fight“, singt der Mann, den man leider zu oft als Nerd bezeichnet. Dabei ist „The King Is Dead“ beileibe kein Kampf. Und vielmehr Juni als Januar.
Colin Meloy ist clever genug, um auch mal nach unten abzubauen. Denn hoch genug waren sie ja, die beiden letzten Alben. Da macht es auch Sinn, dass ausgerechnet Peter Buck mitmacht. So wird man kaum eine Rezension finden, wo nicht R.E.M. drinsteht. Wobei die Pedal-Steel-Gitarren doch viel eher nach Neil Young rufen – selbst wenn der „Calamity Song“ und die Gitarre bei „Down By the Water“ ganz klar die Handschrift von Buck tragen. Die Decemberists haben ein Country-Album aufgenommen und wer von „The Hazards of Love“ nicht genug bekommt, der könnte nun unken, das hier sei Quatsch. So ist es sicher nicht. Rausgekommen ist ein gutes Album, aber keineswegs ein herausragendes, weil „The King Is Dead“ vorwiegend gute Songs enthält, jedoch mit „This Is Why We Fight“ nur einen herausragenden. Natürlich sind die Duette mit Gillian Welch toll, aber bei einem Song wie „All Arise!“ hilft dies auch nicht mehr.
Kreativkopf Meloy betont gerne, dass es im Vergleich zu den beiden Vorgängern beinahe schwieriger gewesen sei, ein solches Album aufzunehmen. Reduktion im Sinne des einfachen Songs, der in drei Minuten alles gesagt hat und im Sinne des einfachen Albums, das unter 45 Minuten bleiben soll. Dass dabei etwas auf der Strecke bleibt, das liegt auf der Hand. Aber muss das gleichzeitig bedeuten, dass Qualität fehlt? Natürlich nicht. Hört man sich „June Hymn“ genug oft an, dann weiss man, wie das funktioniert. Von Weiterentwicklung zu sprechen, ist demzufolge etwas irreführend. Vielmehr müsste man Meloy eingestehen, keine andere Wahl gehabt zu haben, als einen neuen Ansatz zu wählen. Und es ist ja nicht misslungen. Nur freut man sich jetzt umso mehr auf das neue Album von Bright Eyes, weil Conor Oberst bereits alles mit dem Country angestellt hat und nun wieder zum Rock zurückgekehrt sein will. Das muss kein zwingender Vergleich sein. „The King Is Dead“ mit seinen Vorgängern zu vergleichen, ist aber auch nicht fair. Es muss sich alleine behaupten. Und das tut es – für den Moment.
Seit 14. Januar 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Rise to Me
> June Hymn
> This Is Why We Fight
Diskographie:
> Castaways and Cutouts (2002)
> Her Majesty the Decemberists (2003)
> Picaresque (2005)
> The Crane Wife (2006)
> The Hazards of Love (2009)
> The King Is Dead (2011)
Ähnliche Künstler:
> Neil Young
> R.E.M