„Elementary“ ist ein grundsolides, durchkonzipiertes,
heftiges Metal-Album mit überraschend viel Atmosphäre und Melodie
geworden.
Mein Mitbewohner hat die Cd seit zwei Monaten und es ist definitiv ein anderes Schreibgefühl, wenn das gute Stück Musik seinen Platz im Wechsler längst verloren hat. Seit ihrem zweiten Album haben The End eine riesige Weiterentwicklung durchgemacht. Standen bei „Within Dividia“ musikalisch eher noch Bands wie „The Dillinger Escape Plan“ Pate, kann man beim aktuellen Output die Einflüsse einer breiteren Palette Bands heraushören, die mehr melodiebezogen als rifflastig zu Werke geht. Als Plagiat dieser kann man The End sicher nicht bezeichnen, dafür machen sie ihre Sache einfach zu gut. Es braucht aber wohl noch etwas Reife oder Wille, sich von diesen Einflüssen zu distanzieren, um in der obersten Liga mitzumischen. Aber der Reihe nach:
„Dangerous“ beginnt mit zweistimmigen Gitarren, gefolgt von einem fetten Riff, worüber Aaron Wolff aus voller Kehle die Strophe schreit. Der Sound und die Arrangements wirken technisch, fast maschinell. Nach zweieinhalb Minuten folgt die gekonnte Überleitung in den ersten ausgedehnten, atmosphärischen Instrumentalpart. Eine einsame Wolfsgitarre heult auf einem Fundament von Stakkatorhythmen in Tool-Manier den Mond an. Im Hintergrund Geflüster, Gesang und Geschrei sowie dezente Keyboards – The End schaffen es nicht bloss, eine dichte Atmosphäre zu erzeugen, sondern meistern auch die Überleitungen sehr versiert. Ausgefeiltes Songwriting nennt man so was.
„The Never Ever Aftermath“ ist sehr hymnisch ausgefallen, erinnert ansatzweise an Bands wie Deftones oder Chevelle und ist mir persönlich in Sachen Produktion etwas zu dick aufgetragen.
„Animal“ bietet Linderung: Mit einer knackig gespielten Blast Speed Attacke und komplexen Riffs schlagen The End eine Brücke zu ihrer Vergangenheit und gehen doch vorwärts. Auch hier gibt es wieder einen atmosphärischen Mittelteil, wobei der Gesang doch kurzzeitig in einen Chino Moreno-Abklatsch verfällt – Ehre wem Ehre gebührt.
„The Moth And I“ beginnt mit schwachen, fast gebrechlich wirkenden Tönen, steigert sich stetig, wiederum klingen beim mehrstimmigen Gesang Deftones- Anleihen durch. Diesmal folgen auch die stark verzerrten Gitarren dem akustischen Vorbild.
„Throwing Stones“ wartet mit klarem Gesang und Chevelle-mässigem Riffing auf, fällt beim Refrain aber ziemlich bombastisch aus. Wer’s mag…
„My Abyss“ ist zu Beginn reiner Thrash-Metal, wirkt sehr technisch und hektisch. Der Refrain bringt dann Zeit für eine Verschnaufpause, welche auch nötig ist, denn bis zum Ausklang mit cleaner Gitarre folgen in bester Math-Rock Manier noch eine Unmenge Riffs, Parts und Variationen – für mich ein Highlight der Platte.
Aus gleichem Grund vermag mich auch „Awake“ zu überzeugen, die Band verbratet in den knapp vier Minuten eine stattliche Anzahl hochwertiger Riffs, variiert Tempi von wuchtig stampfend bis zu haarsträubend schnell, ohne jedoch den Song als Ziel aus den Augen zu verlieren. Die Drumbreaks sind allerdings - nicht bloss in diesem Song – schreiben wir mal freundlich sehr „Tool-inspiriert“.
„A Fell Wind“ ist ein atmosphärisches klischeehaftes Geplänkel, das wenigstens gut zu „In Distress“ überleitet. Mit mehr rumpelnder Produktion könnte ich das zweite Riff fast als Napalm Death-Kreation durchgehen lassen – dies nur um mit einem weiteren Namen die Bandbreite der Kanadier aufzuzeigen. Highlight des Songs ist der ausgedehnte Mittelteil und an dem Punkt bin ich gar geneigt zu schreiben, dass dieser typisch „The End“ ist.
„And Always“ ist so ein Schlussepos mit neun Minuten Dauer. Es beginnt mit akustischer Klampfe, melancholischem Gesang und ein bisschen Piano-Klimbim. Nach viereinhalb Minuten dann endlich ein Schlagzeug-Beat, Streicher kommen dazu – alles sehr klassisch anständig umgesetzt, so eine dieser Metal-Opern, der aber doch noch einiges fehlt zum Klassiker. Definitiv nicht meine Tasse Kaffee.
Mehr weiss ich dem nicht hinzufügen – wahre Math-Rocker werden wohl nicht ganz auf ihre Rechnung kommen und 3.141592… Punkte geben. Ich runde auf.
Seit 12. Februar 2007 im Handel.
Anspieltipps: Dangerous; Throwing Stones
Trackliste: 1)Dangerous; 2) The Never Ever Aftermath; 3) Animal; 4) The Moth And I; 5) Throwing Stones; 6) My Abyss; 7) Awake; 8) A Fell Wind; 9) In Distress; 10) And Always
similar artists: Tool, Oceansize, Chevelle,
Deftones
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Bio:
Steve Watson (Gitarre), Andrew Hercules (Gitarre), Sean Dooley (Bass), Anthony Salajko (Schlagzeug) und Tyler Semrick-Palmateer (Gesang) gründeten The End im Frühjahr 1999 in Ontario, Kanada. Nach einer Demo-Produktion im selben Jahr machte sich die Band bereits per Kleinbus auf die Socken, um sich in ihrer Umgebung und an der Ostküste der Vereinigten Staaten eine Fanschar zu erspielen.
2001 veröffentlichte die Band ihr erstes Album „Transfer Trachea…“ welches trotz lukrativeren Angeboten zugunsten von mehr Unabhängigkeit auf dem lokalen Indie-Label „Re-define“ erschien. Mit diesem Debut machten sie auch das renommierte Relapse Label auf sich aufmerksam, das im folgenden Jahr die ausverkaufte Erstpressung wieder veröffentlichte. Stilistisch war die Band anfänglich eher zwischen Bands wie The Dillinger Escape Plan, Locust und Converge angesiedelt.
Mit Aaron Wolff als neuem Sänger machte sich die Band an das Songwriting für „Within Dividia“, ein Konzeptalbum, das 2004 auf Relapse Records veröffentlicht wurde.
Die Band nahm sich in der Folge nebst diversen grösseren und kleineren Tour-Aktivitäten viel Zeit für das dritte, im Februar erschienene Album „Elementary“. Diese lange Reifezeit merkt man dem Album an, es stellt in jeder Hinsicht eine deutliche Entwicklung zu „Within Dividia“ dar. Die Band versteht es, ihre musikalische Bandbreite enorm auszubauen und schreibt komplexe Songs, die heutzutage eher Vergleiche zu Tool, Deftones und Konsorten aufkommen lassen.